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Zur aktuellen Sonderausstellung am Rammelsberg: Menschen „neben“ der Arbeit

„Orte der Arbeit“, die aktuelle Sonderausstellung am Ort der Arbeit Rammelsberg: In der Eindickern der Aufbereitungsanlage finden Sie mehr als einhundert Darstellungen zur handwerklichen und industriellen Produktion aus fünf Jahrhunderten. In manchen steht das technische Umfeld im Fokus des jeweiligen Künstlers, in anderen ist es der Mensch, der sich dieses Umfelds bedient oder auch scheinbar von ihm gesteuert wird.

Ein Bild scheint sich diesen Kategorisierungen zu entziehen, denn weder gibt es einen Produktionsprozess wieder, noch sind Menschen als Teile solcher Prozesse darin auszumachen. Richard Gessners Aquarell „Jahrmarkt vor der Hütte“ aus dem Jahr 1950 gehört mit seinen Abmessungen von 48 x 41 cm zu den eher kleinen Exponaten, die der Clausthaler Sammler Prof. Volkmar Neubert dem Rammelsberg ausgeliehen hat.

Aquarell „Jahrmarkt vor der Hütte“ von Richard Gessners, 1950
Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg

Im Bildvordergrund ist ein bunter Flickenteppich von Jahrmarktsbuden und Fahrgeschäfte zu sehen, zwischen denen sich einige wenige Menschen, lediglich als bunte Farbtupfer erkennbar, bewegen. Die abendliche Szenerie ist in ein mattes Licht getaucht, das seinen Ursprung in den Buden hat. In seinen schwächer werdenden Schein sind auch die Wohngebäude im Mittelgrund einbezogen. Eine Deutschlandfahne und ein Union Jack in der Bildmitte fügen sich beinahe organisch in das bunte Gewirr ein. Im Hintergrund wird dieses von der finsteren Szenerie einer alles überragenden Hüttenlandschaft abgeschlossen. In ihrer dunklen Massigkeit suggeriert sie dem Betrachter, dass das bunte Treiben inmitten der Wohnhäuser lediglich auf Zeit besteht, als kurzer Lichtblick in einer ansonsten von schwerer Arbeit im Hüttenwerk dominierten Lebenswelt.

Möglicherweise handelt es sich bei der Industriekulisse um das Huckinger Hüttenwerk, die späteren Hüttenwerke Krupp Mannesmann, denen Gessner sein Schaffen seit Ende der 1920er bis in die 1960er Jahre zugewandt hat. Eine detailgetreue Darstellung strebt der Künstler nicht an. Vielmehr zieht das Werk seine Kraft aus dem offensichtlichen Kontrast zwischen kurzweiliger „Freizeit“ der Menschen und der beständigen Gegenwart des Arbeitsortes. Dieser wirkt bedrohlich, und doch gibt er den Menschen Rahmen und Sicherheit.

Die Ausstellung bleibt noch mindestens bis Ende November geöffnet. Eine reich bebilderte Begleitbroschüre ist am Rammelsberg erhältlich.

Eine neue alte Grubenbahn und die alte Grubenbahn

Schon an oftmals haben wir hier im Blog über unsere Grubenbahn berichtet, genau wie über die Restaurierung von einzelnen Wagen.  Die Fahrt mit der Grubenbahn im Rahmen der Führung „Mit der Grubenbahn vor Ort: Bergbau im 20. Jahrhundert“ ist für viele Besucher das eigentliche Highlight ihres Besuches am Berg. Allerdings durften wir seit Mitte März diese Führung in der bekannten Form aufgrund der Coronalage nicht anbieten.

Gegensätze, eine Lok ist bereits fertig restauriert

Aber wir waren in der Zwischenzeit nicht untätig und haben die Führung auf komplett auf neue Füße bzw. Räder gestellt. Statt mit den bekannten gelben geschlossenen Wagen dürfen wir mit zehn Gästen in offenen Wagen in den Berg fahren. Dies ist ab sofort möglich und macht richtig Spaß!

ein ganz beonderes Erlebnis ist die Fahrt mit den offenen Wagen durch den Berg

Die offenen Personenwagen sind sogenannte Beifahrerwagen. Was ist ein Beifahrerwagen, das wird wie folgt beschrieben: „Unter bestimmten Betriebsverhältnissen war es notwendig, Züge mit zwei Bergleuten zu besetzen. Der zweite Mann neben dem Lokfahrer hatte die Aufgabe, während der Zugbeladung das Rollloch zu bedienen und beim Rangieren die Wagen zu kuppeln. Da auf den Akkulokomotiven nur Platz für einen Mann war, baute man alte Erzförderwagen um, indem man seitlich Einstiegsöffnungen einschnitt und innen in Federn aufgehängte Holzbänke einsetzte. Zum Teil wurden diese Wagen auch im Personentransport auf geringer belegten Strecken  eingesetzt.“

In dem Zug fahren unsere Gäste mit zwei 2 Sitzer-Wagen und zwei 3-Sitzer-Wagen. Die 3-Sitzer-Wagen sind Prototypen eines umgebauten Granby-Wagens, die kleineren 2-Sitzer-Wagen sind umgebaute 1000 l Förderwagen. Die oben beschriebenen an Federn aufgehängten Sitze wurden inzwischen durch Bänke mit gepolsterten Rückenlehnen ersetzt. Gezogen wird der Zug von einer Akkulok mit der Bezeichnung SSW EL 9, die seit Anfang der 1950er Jahre am Erzbergwerk Rammelsberg in Betrieb war. Wer sich genauer über den Bahnbetrieb und die eingesetzten Fahrzeuge am Rammelsberg informieren möchte, dem empfehlen wir das 2008 erschienene Buch „Auf stählerneren Wegen“ von unserem Grubenführer Stefan Dützer, aus diesem auch die oben aufgeführten Informationen stammen.  

Ab sofort fahren die Besucher mit den ehemaligen „Beifahrerwagen“ in den Rammelsberg!

Und was macht die bekannte Grubenbahn? Die gelben Wagen und die zughörien Loks mit den betriebsinternen Nummern 14 und 15 werden in der Zwischenzeit von unseren Technikern generalüberholt. Nach schätzungsweise mehr als 100.000 Kilometern Fahrleistung gibt es nicht nur turnusgemäß neue Bremsen, sondern der Zug erhält eine Grundsanierung und am Ende auch einen neuen Anstrich in Signalgelb. 

neuer Anstrich

Die Loks und Wagen stehen momentan zerlegt in der Schlosserei. Genau an dem Ort, an dem sie vor über 40 Jahren zusammengebaut worden sind. Denn die Loks sind am Rammelsberg konstruiert und gebaut wurden. Antriebe und Elektrik stammen von namhaften Herstellen, aber beispielswiese die Lokkästen wurden in einem Schwesterbetrieb in Oker geschnitten und am Rammelsberg zusammengeschweißt. Bei unserer Führung „Blick hinter die Kulissen“ werfen die Besucher selbstverständlich auch einen Blick in die Schlosserei und können sich über den Fortgang der Arbeiten ein Bild machen.

das Innenleben einer Grubenlok

Erinnerung im Maßstab 1 : 87: Modelle als Gedächtnisobjekte

Jeder speichert im Laufe seines Lebens eine riesige Menge an eigenen Erinnerungen und an Geschichtserfahrungen in seinem Gedächtnis. Dabei wird die persönliche Erinnerung mit historischen Ereignissen auf eine sehr individuelle Art und Weise miteinander verknüpft. So notierte beispielsweise der Schriftsteller Franz Kafka am 2. August 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in sein Tagebuch: „Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. – Nachmittags Schwimmschule.“[1] Selbst die unmittelbare Erinnerungsnotiz in einem Tagebuch vermischt Öffentliches mit Privatem, Allgemeines mit Besonderem und zeigt die Vielzahl an Varianten von Erinnerungen im historischen Kontext.

Bei der Beschäftigung mit der persönlichen Erinnerung geben entsprechende neurologische Befunde zu bedenken, dass die menschliche Erinnerung zum Flüchtigsten und Unzuverlässigsten gehört, dass es gibt. Doch gleichzeitig ist die Erinnerungsfähigkeit ein wesentliches Merkmal von dem, was Menschen erst zu Menschen macht. „Die je eigenen biographischen Erinnerungen sind unentbehrlich, denn sie sind der Stoff, aus dem Erfahrungen, Beziehungen und vor allem das Bild der eigenen Identität gemacht ist.“[2]

Die Erinnerungen eines Menschen sind nicht austauschbar und nicht übertragbar. Jeder Mensch besitzt seine eigene Lebensgeschichte, die er aus einer spezifischen Position wahrnimmt. Doch die einzelnen Erinnerungen existieren nicht isoliert nebeneinander, sondern sind mit anderen Erinnerungen vernetzt. Dadurch wirken Erinnerungen verbindend und können Gemeinschaft erzeugen.

Nur ein kleiner Teil unserer Erinnerungen ist im Gedächtnis aufbereitet und dient zur Erzählung unserer Lebensgeschichte. Ein großer Teil der Erinnerungen „schlummert“ quasi im Verborgenen des Gedächtnisses und wird meistens erst durch einen äußeren Anlass wieder in Erinnerung gebracht. Mit Hilfe von Dingen, hat Maurice Halbwachs aufgezeigt, kann eine sinnliche Präsenz erzeugt werden, die das individuelle Erinnern aktiviert und zum Teil einer sprachlichen Aufbereitung macht. Denn für die Erinnerung bedarf es nicht nur eines Gedächtnisses, sondern auch externer Erinnerungsspeicher und dazu eignen sich besonders Dinge. Damit hat die Gegenwart der Dinge einen Anteil an der persönlichen Erinnerung.[3]

In den Nachlässen Rammelsberger Bergleute befinden sich eine Vielzahl an solchen dinglichen Erinnerungsspeichern. Ein Teil dieser Erinnerungsspeicher werden dem Weltkulturerbe Rammelsberg von den Nachfahren, den Töchtern oder im vorliegenden Beispiel, dem Sohn übergeben. Dieser Nachlass eines ehemaligen Rammelsberger Hauers, der 35 Jahre am Bergwerk gearbeitet hat, besteht zu einem großen Teil aus verschiedenen Modellen, in denen bergmännische Tätigkeiten im Maßstab 1 : 87 nachgebaut sind. Besonders auffällig ist das Modell des Rammelsberg-Schachtes mit übertägigem Fördergerüst.

Abb. 1: Modell des Rammelsberg-Schachtes. Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg.
 Schenkung Dieter Luft aus dem Nachlass von Helmut Luft, 2020.  

In diesem Modell sind individuelle Erinnerungen der bergmännischen Arbeit am Erzbergwerk Rammelsberg kombiniert mit historischen Entwicklungsstufen bergbaulicher Technik. Entstanden ist ein persönliches „Erinnerungsmodell“, das nur in einigen Teilbereichen der historischen Realität entspricht. Auf den verschiedenen Sohlen des Grubengebäudemodells werden traditionelle und moderne Abbauverfahren vorgestellt, die in dieser Form weder zeitgleich, noch in dieser Anordnung im Grubengebäude existiert haben. Der Aufbau des Modells ist ein Einblick in die persönlichen Erinnerungsmomente, die insbesondere gekoppelt sind an die technischen Entwicklungsphasen des Bergbaus am Rammelsberg, die der Modellbauer als ehemaliger Bergmann dort erlebt hat, aber die auch nach seiner Verrentung  die Modernisierung des Abbaubetriebs prägten. An einigen Stellen sind zusätzlich Szenen von Vorgängen eingesetzt, die ein weiterer Teil seiner bergmännischen Identität mit bestimmten, wie etwa die Darstellung einer Grubenwehrübung oder der offensichtliche Blick in den traditionellen Roeder-Stollen, der an dieser Stelle im realen Grubengebäude gar nicht möglich wäre.

Abb. 2:  Handskizze als Vorlage für den Aufbau des Rammelsberg-Schacht-Modells.
Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg. Schenkung Dieter Luft aus dem   
Nachlass von Helmut Luft, 2020.  

Die Bewahrung dieses Nachlass seines Vaters zeigt die enge Verbindung auch des Sohns zur bergmännischen Arbeit, die er selbst nicht ausgeführt hat. Der Vater hat dem Sohn viel von seiner Arbeit am Erzbergwerk Rammelsberg erzählt und er hat die Modelle in Zusammenhang mit seinem Bergmannsleben gesetzt. Der Sohn gab den Nachlass an das Museum, weil er befürchtete, dass spätere Generationen die Verbindung zwischen seinem Vater und der bergmännischen Arbeit nicht mehr würden herstellen können. Diesen Verlust an lebensgeschichtlicher Erinnerung wollte er verhindern in der Hoffnung, dass die Dinge im Museum, weiterhin der Erinnerung an die Arbeit des Vaters dienen.

Dieses Beispiel verdeutlicht auf sehr anschauliche Weise, wie die Bedeutung von Gedächtnisobjekten (Andenken) sich im Familiengedächtnis wandeln, weil sie im Laufe der Zeit auf veränderte Gegenwartsbezüge treffen. Dieser Wandlungsprozess wird zudem begleitet von einem veränderten Blick der verschiedenen Generationen auf die Sprache der Dinge. Das Modell des Vaters, das dieser zur Erinnerung an seine Arbeit gebaut hatte und das als Erinnerungsspeicher auch noch für sein Sohn funktionierte, wird von den Enkeln wahrscheinlich nur noch sehr eingeschränkt interpretierbar. Deshalb soll das Museum diese Dinge in der Hoffnung übernehmen, den persönlichen Erinnerungsspeicher des Vaters zu bewahren. Das ist aber nur sehr eingeschränkt möglich. Mit der Übergabe der Andenken an das Weltkulturerbe Rammelsberg beginnt ein Prozess der bei der Weitergabe von Dingen an museale Einrichtungen immer eine Rolle spielt, die bei Objekten aus privaten Sammlungen besonders spezifisch sein kann. Objekte werden durch den Übergang ins Museum aus vormaligen Kontexten entfernt. Die vormuseale Biographie kann in der Phase der Musealisierung verloren gehen und dann nicht mehr vollständig rekonstruiert werden können.[4] Erinnerungsstücke, die ins Museum gegeben werden „mutieren dort zu Museumsobjekten und durchlaufen […] eine `kühle Transformation´ durch die jegliche subjektive Anhaftung eliminiert und für alle Zeit entfernt wird. Damit wird der `lebendige Faden´ zwischen dem Objekt und seinem Besitzer, (…) durchtrennt und der `systematischen´ Instanz des Museums überantwortet.“[5] Doch diese subjektiven Dimensionen der Dingdeutungen sollten durch die Musealisierung nicht verloren gehen, weil sie einen kulturellen und gesellschaftlichen Wert darstellen, der im musealen Raum vermittelt werden sollte.   


[1] Zitiert bei: Hans Günter Hockerts: Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 28, 2001, S. 17. 

[2] Aleida Assmann: Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik, München 2006, S. 24.

[3] Vgl. Maurice Halbwachs: Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen, Frankfurt a.M. 1991, S.163ff. 

[4] Vgl. Nina Henning: Objektbiographien, in: Stefan Samida / Manfred K.H. Eggert / Hans Peter Hahn (Hrsg.): Handbuch Materielle Kultur. Bedeutungen, Konzepte, Disziplinen, Weimar 2014, S. 234-237, S. 236.

[5] Udo Gößwald: Die Erbschaft der Dinge. Eine Studie zur subjektiven Bedeutung von Dingen der materiellen Kultur, Graz 2011, S.7.

Reisen in den Schoß der Mutter Erde: Montantourismus am Rammelsberg

Hurra! Inzwischen dürfen wir am Rammelsberg wieder Unter-und Über-Tage-Führungen für Besucher anbieten. Das ist wunderbar, denn bereits zu Betriebszeiten des Erzbergwerks gab es immer wieder Reisende, die in den Rammelsberg einfahren durften. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert war der Harz eines der beliebtesten Reiseziele Europas.

Doch wer reiste in den Harz? In Kaspar Friedrich Gottschalks „Taschenbuch für Reisende“ von 1806 findet sich hierzu folgendes: „Die Kenntnisse, welche man sich auf einer Reise über den Harz erwerben kann, sind so mannichfach, als es die Wissenschaften selbst sind. Am Vorzüglichsten wird der Mineraloge, der Naturhistoriker, der Geologe, der Botaniker, der Altertumsforscher, der Historiker, der Forstmann, der Mahler und jeder Freund der Natur sich befriedigt fühlen. (…)“ Und weiter schreibt er: „Da der Berg und Hüttenbau die Hauptmerkwürdigkeit des Harzes ist, so verdient er auch (…) von jedem gesehen zu werden. (…)“

Neben den so genannten Sommer- und Winterfrischlern kamen besonders aus den nahe gelegenen Universitäten Göttingen und Halle außerdem Forschungsreisende aller Fachgebiete in den Harz. Sie führten beispielsweise Vermessungen durch, wie der Biologe und Geograph Eberhard August Wilhelm von Zimmermann. Im Jahre 1775 nahm er am Brocken und am Rammelsberg eine barometerische Höhenmessung vor.

Montantouristen um 1910 am Rammelsberg, Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg

Und diese so genannten Montantouristen strömten in die Bergwerke und Hütten. Berühmte Reisende waren darunter, beispielsweise Gottfried Wilhelm Leibniz, Charles des Montesquieu, Johann Wolfgang von Goethe, Georg Christoph Lichtenberg, Heinrich von Kleist, Heinrich Heine, Hans-Christian Andersen, Jerome Bonaparte, Friederike von Anhalt-Bernburg, König Georg V. von Hannover, Wilhelm Raabe, Ricarda Huch und viele weniger berühmte, aber nicht minder wichtige, die sich von einem Besuch Unter Tage ein einzigartiges Erlebnis versprachen. Diese Fremden mussten Fahrgeld entrichten und erhielten auch eine Fahrkleidung. Die Dauer dieser Befahrung war sehr unterschiedlich. Der Privatgelehrte Karl Julius Weber, der in Göttingen Jura studierte schreibt 1826, dass eine Reise in den Harz die interessanteste Tour sei, die man machen könne und diese zu seinen angenehmsten Erinnerungen gehöre. Die Reisenden, so Weber, unternehmen auch eine Grubenfahrt und man bleibe „ohngefähr eine Stunde im Schooße der Mutter Erde“.

Auch Frauen trugen sich in die Fremdenbücher ein, in denen noch heute die Namen der Reisenden zu lesen sind. Bereits 1703 heißt es in einem Bericht, dass sich aber die Weibes-Personen in einen Berg-Habit verkleiden müssten, da sie sonst mit ihren langen Röcken auf den Fahrten (Leitern) nicht fortkommen könnten.

Und was gab es dort zu sehen? Ein für die Fremden aufregendes Erlebnis wardas so genannte Feuersetzen am Rammelsberg. Hier wurden an den Wochenenden große Feuer entfacht um das sehr harte Erz zu lösen. War das Reisen in die Unterwelt grundsätzlich ein beispielloses und aufregendes Erlebnis,so verstärkten diese Feuer noch den Eindruck einer furchteinflößenden fremden und geheimnisvollen Welt. Heinrich von Kleist schrieb: „In Goslar fuhren wir in den Rammelsberg, wo in großen Höhlen die Erze mit angezündeten Holzstößen abgebrannt werden und alles vor Hitze nackend arbeitet. Man glaubt in der Hölle oder doch wenigstens in der Werkstatt der Zyklopen zu sein. (…)“

Jerome erlebt das Feuersetzen (Mittelbach)

Sicherheit gaben die Fremdenführer, die die Besucher an die Hand nahmen. Es waren grundsätzlich Betriebsangehörige, die in der Nähe wohnten, wie beispielsweise der Bergmeister Stelzner vom Rammelsberg. Er, so hieß es in einem Reisebericht, führe die Besucher mit „außerordentlicher Gefälligkeit in den Eingeweiden des Berges“ herum. Die einzigartigen Erlebnisse wurden nach dem Besuch häufig niedergeschrieben und einige dieser Reiseberichte sind auch heute noch erhalten. Aber nur wenige Montantouristen waren in ihrer Beobachtung und in der Beschreibung der Verhältnisse so wunderbar poetisch wie Hans-Christian Andersen. Der Dichter verfasste einen längeren Bericht über seine Einfahrt in den Rammelsberg: “ (…) Wir bekamen einen Führer, er zündete sein Grubenlicht an, öffnete nun eine große Tür, und – es ward mir ganz wunderbar ums Herz – wir traten ein. (…) Bergleute mit ihren Grubenlichtern begegneten uns; „Glück auf!“ war der gegenseitige Gruß (…) ein Kaufmann aus Goslar begleitete mich, ich hielt mich an ihm an, obgleich es nur ein schmales Brett war, auf dem wir vorwärts schritten. (…) ein Gang durchkreuzte den andern, und der Führer verschwand mehrere Male vor unsern Augen. (…) Es ist doch ein wunderbarer Gegensatz zwischen dem abwechselnden Leben des Seemanns und dem einförmigen des Bergmanns. Mit geschwellten Segeln fliegt jener von Küste zu Küste (…). Für den Bergmann hingegen gleitet ein Tag wie der andere dahin. (…)“

Im Jahre 1837, sechs Jahre nach dem Besuch von Andersen, erschien der erste schriftliche Fremdenführer für den Rammelsberg, verfasst von dem Bergbeamten Carl Koch. Er berichtet in nüchternen Fakten von der besonderen Arbeitswelt der Bergleute. Doch in der Vorrede dieses Büchleins ist zu lesen: „Weithin ist der Rammelsberg mit seinem Bergbaue und durch die Eigentümlichkeit desselben berühmt. Von nah und fern strömen Fremde herbei, um ihn zu befahren und kennen zu lernen. Oft, wenn es die Zeit erlaubt, bin ich Begleiter derselben, und dann macht es mir Freude, den Besuchern in Kürze mitzuteilen, was diese kleine Broschüre enthält.“

Also strömen Sie herbei! Denn heute jedoch gibt es neben mannigfaltiger Literatur auch eine große Anzahl von sehr gut ausgebildeten Grubenführern, die Ihnen kompetent die faszinierenden Über-Tage-Anlagen und nun endlich auch wieder den Roeder-Stollen zeigen können.

Besondere Zeiten, besondere Verantwortung

Nach Zeiten der Kurzarbeit sind wir Rammelsberg-Mitarbeiter an unseren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Wir haben unsere Welterbestätte vermisst und auch den Alltag, der mit unseren Tätigkeiten zusammenhängt.

Nach anfänglicher Freude wieder hier zu sein und spätestens nach einer in ihrer Art ungewohnten Betriebsversammlung in der riesigen Waschkaue, selbstverständlich mit Sicherheitsabstand und Mundschutz, wurde uns klar, dass sich einiges verändert hat. Natürlich hatten wir damit gerechnet, aber es ist immer etwas anderes, sich etwas vorzustellen oder mittendrin zu sein.

Auf dem gesamten Gelände unserer Welterbestätte herrscht Maskenpflicht für die Besucher, aber auch für uns Mitarbeiter. Aber damit kann man leben. An die geforderten Abstandsregeln haben wir uns inzwischen so sehr gewöhnt, dass man sich zum Beispiel beim Anschauen von Filmen immer mal wieder dabei ertappt, wie man eigentlich die Schauspieler auf Übertretungen hinweisen möchte. Und die bei uns aufgestellten Desinfektionsspender können wahrlich nicht übersehen werden.

Die Erzaufbereitung heißt Sie HERZLICH WILLKOMMEN

Nach und nach hat es sich inzwischen herumgesprochen: DER RAMMELSBERG IST WIEDER GEÖFFNET! Und die Besucher kommen und haben – weil noch nicht in Massen – das riesige Gelände fast für sich allein. So können sie loslassen und sich auf Entdeckungsreise begeben:  Zum Beispiel in die Waschkaue mit den Kleiderkörben an der Decke, bei der man den Eindruck hat, dass im nächsten Moment die Bergleute wieder zur Tür rein kommen könnten. Dann geht es hinaus auf die langgestreckte Werksstraße! Von hier aus hat man einen eindrucksvollen Blick auf die Erzaufbereitungsanlage und das Gebäude der ehemaligen Kraftzentrale mit dem Türmchen. Auch findet man zahlreiche Gerätschaften, Schilder, Maschinen und andere Gegenstände mit Arbeitsspuren, die noch aus Betriebszeiten stammen und bisweilen sogar nie ihren angestammten Platz verlassen haben. Dies sind für viele Besucher einmalige Fotomotive.

Museumshaus Erzaufbereitung

Von der Werksstraße aus kann man die Dauerausstellungen im ehemaligen Magazingebäude, in der Kraftzentrale und in der Erzaufbereitung besuchen. Sie bieten allen Besuchern die Gelegenheit noch mehr zu entdecken und stundenlang abzutauchen in naturwissenschaftliche, soziale, kulturelle, technische und historische Themen. Familien mit Kindern erhalten an der Kasse kleine Museumsspiele, die beim Entdecken der „Rammelsberg-Schätze“ helfen, eine abschließende Belohnung inbegriffen. Glücklicherweise ist auch unser Restaurant wieder geöffnet, so dass einer zwischenzeitlichen Stärkung nichts mehr im Wege steht. Die Sonderausstellung „Orte der Arbeit – Gemälde und Grafiken aus der Sammlung Volkmar Neubert“ kann selbstverständlich ebenfalls besucht werden und wurde im Blog von meinen Kollegen bereits ausführlich beschrieben.

Turm der Kraftzentrale

Also es gibt viel zu sehen am Rammelsberg, auch wenn Führungen über – und unter Tage leider noch nicht erlaubt sind und die meisten Programme, Führungen und Aktionen, die im Veranstaltungskalender stehen, leider nicht wie geplant stattfinden können. Und selbstverständlich vermissen wir die Schulklassen und die derzeit herrschende, fast andächtige Stille in der Lohnhalle ist reichlich ungewohnt. Doch was soll´s: Wir sind froh, dass es wieder losgeht, und freuen uns, Sie bald einmal bei uns begrüßen zu dürfen!

Ein Blick in die Sonderausstellung

Die diesjährige Sonderausstellung „Orte der Arbeit“ zeigt verschiedene Bilder und Grafiken aus dem Bereich der Industriemalerei. Das Genre der Industriemalerei ist eng an die Epoche der Industriellen Revolution geknüpft. Die zunehmende automatisierte Arbeit und neue monumentale Produktionsanlagen waren ein oft gewähltes Motiv der Künstler. Die Epoche der Industriemalerei endete Mitte der 1920er Jahre und wurde durch damals noch junges Abbildungsverfahren ersetzt – nämlich der Fotografie, die mit der Industriefotografie ein ähnliches Genre hervorbrachte.
Die zeitliche Begrenzung der Epoche gibt ein wunderbares Zeugnis über die industrielle Produktion und gewährt Einblicke in Verfahren, die es heute nicht mehr oder nur noch ganz selten gibt. Zum Beispiel die Herstellung von Koks, ohne den die industrielle Roheisenproduktion im Ruhrgebiet nicht möglich gewesen wäre.

Engelhard-Kyffhäuser, Lichtbogenabstich (Sammlung Neubert)

In den Anfängen von Verhüttungsprozessen war Holzkohle der einzige Brennstoff, der die nötige Temperatur gewährleisten konnte. Auch im Harz war Holzkohle ein begehrter Brennstoff. Überall entstanden Meiler und Köhlereien, um beispielsweise das am Rammelsberg gewonnene Erz zu verhütten.
Der enorme Bedarf an Holz, veränderte die Landschaft bis zum heutigen Tag. Abholzungen folgten Aufforstungen mit Monokulturen, die beispielsweise auch an vielen Stellen im Oberharz noch heute sichtbar sind. 

Erst im 18. Jahrhundert wurde ein Verfahren zur  Kohleverkokung entwickelt, das fossile Kohle statt Holz als Grundstoff einsetzte und in der Folge flächendeckend ablöste. Das Verfahren ähnelt den althergebrachten Meilerverfahren. Unter Luftabschluss und hohen Temperaturen werden aus  der Kohle verschiedene Bestandteile und Gase entzogen.

unbekannt, Arbeiter auf der Koksbühne (Sammlung Neubert)

Um den wachsenden Bedarf an Koks zu decken wurde er industriell in Kokereien, meist in direkter Nähe zu einem Hochofen produziert. Hergestellt wurde der Koks in mehrerer Meter hohen uns knapp 1.5 Meter breiten Koksöfen. Mehrere solcher Öfen wurden zu einer sog. Batterie zusammengefasst.
Auf der Oberseite wurden die Kammern mit Kohle befüllt. Ein Arbeitsplatz der aufgrund der Hitze und austretenden Gase zu jeder Zeit sehr gefährlich war.

H. Herch, Auf den Koksöfen (Sammlung Neubert)

Der Kammern konnten zu einer Seite hin geöffnet werden. Dort wurde nach dem Fertigungsprozess der Koks hinausgedrückt. Dieser musste sofort mit Waser gelöscht werden, da bei Kontakt mit Sauerstoff sofort ein Verbrennungsprozess einsetzt. Danach erfolgte der Abtransport per Bahn.

Früh erkannte man, dass die der Steinkohle entzogen Gase weiterverwendbar waren. Als Nebenprodukte einer Kokerei fielen so beispielsweise Teer, Ammoniak oder Schwefelsäure an.

Obwohl die Koksherstellung hochgradig automatisiert ablief, bedurfte es immer Menschen, die die Fertigung kontrollierten. Auf mehreren Bildern in der Sonderausstellung „Orte der Arbeit“ können Sie diesen Menschen bei ihrer Arbeit „über die Schulter“ schauen.
Wir freuen uns, dass Sie die se Ausstellung ab dem 13. Mai endlich auch sehen und erleben dürfen. Wir wünschen Ihnen dabei viel Spaß!

Hans Klemke Ausdrücken und Löschen des Koks (Sammlung Neubert)

Zerkleinern, flotieren, entwässern: Wie funktioniert Erz-Aufbereitung?

Die Erzaufbereitung des Rammelsberges schmiegt sich in den Hang. Foto: Stefan Sobotta

Die Aufspaltung des Rammelsberger Erzes in seine einzelnen Komponenten war wegen der feinkristallinen Struktur der Minerale und der engen Verwachsung der Partikel äußerst schwierig. Die Korngröße der einzelnen Minerale liegt bei 0,02 bis 0,04 mm, und auf diese geringe Größe musste das Erz zerkleinert werden, bevor es im Zuge der Flotation – bedingt aufgetrennt werden konnte.

Rammelsberger Erz aus der Serie „Hommage au Rammelsberg“ des Bildhauers Christoph Wilmsen-Wiegmann

Ziel der modernen Aufbereitung am Rammelsberg war daher die Zerkleinerung des Erzes und die Anreicherung der Wertminerale in Konzentraten – Stoffgemischen, in denen jeweils ein bestimmtes Mineral in hoher Konzentration enthalten ist.

Schematische Darstellung des Aufbereitungsprozesses (aus: Erzaufbereitungsanlagen in Westdeutschland, Berlin, Göttingen, Heidelberg 1955.)

Die Metallsulfide rein zu gewinnen war nicht möglich, eben weil ihre Verwachsung mit anderen – wertlosen – Mineralien und auch anderen Metallsulfiden so intensiv war und eine noch so feine Vermahlung die Korngröße zwar reduziert, dies aber nicht zu eine exakten Trennung geführt hätte. So waren die Endprodukte der Aufbereitung Mischkonzentrate, in denen andere Metallsulfide und taubes Material enthalten waren. Aus ihnen aber konnten die Hütten mit vertretbarem Aufwand die gewünschten Metalle erschmelzen.

Detail Rammelsberger Erzaufbereitung. Bedienungsmodule der Backenbrecher. Foto: Bernd Aßmann

Weil die Minerale unterschiedlich große Kristallstrukturen haben, hatte die Art der Verwachsung zudem Einfluss auf den notwendigen Zerkleinerungsgrad und auf den Einsatz der Reagenzien in der Flotation. Kristallgröße und Verwachsungsgrad sowie die Verwachsungsart waren für den Aufbereiter diejenigen Variablen, die er im Aufbereitungsprozess steuern musste, mit dem Ziel, eine größtmögliche Anreicherung in den Konzentraten zu erhalten.

Detail aus der Rammelsberger Erzaufbereitung – Flotationsebene. Foto: Bernd Aßmann

Bedingt durch die Entstehung der Erzlagerstätte setzen sich die Erze recht unterschiedlich zusammen. In früheren Jahrhunderten, als der Abbau unter zahlreiche Betreiber aufgeteilt war, wurden sie in verschiedenen Gruben weitgehend unvermischt gewonnen.

Detail aus der Rammelsberger Erzaufbereitung – Kugelmühlen. Foto: Bernd Aßmann

Im modernen, mechanisierten Bergbau war das Angebot an unterschiedlichen Erzsorten dagegen wesentlich höher und damit auch die Schwankungen der Metallgehalte des geförderten Gutes. Für die Aufbereitung war dies nachteilig, weil der Prozess immer neu nachgesteuert werden musste. Dem suchte der Betrieb zu begegnen indem er den Grad der Vermischung so sehr erhöhte, dass die Schwankungen der Inhaltsstoffe über lange Zeiträume hinweg relativ gering blieben.

Auszug aus dem kürzlich erschienenen Rammelsberger Leitfaden 02: Hans-Georg Dettmer/Herbert Westermann. …das Gute von dem Tauben mit Fleiße absondern – Die Erzaufbereitung am Rammelsberg.
Erhältlich im Museumsshop.

TIPP: Besuchen Sie unsere täglich stattfindende Führung „Vom Erzbrocken zum Konzentrat“

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Wozu dienen Welterbe-Infozentren?

In den vergangenen fünfzehn Jahren ist zu beobachten, wie vielerorts Welterbestätten Besucher- bzw. Infozentren einrichten. Was steckt dahinter und wozu dienen diese?

Von jeder Welterbestätte wird ein Konzept zur angemessenen Vermittlung des außergewöhnlichen universellen Wertes, ihr Beitrags als Teil eines globalen Welterbe-Netzwerks und ihr Bezug zu übergeordneten Themen, wie nachhaltiger Entwicklung erwartet, so die Deutsche UNESCO-Kommission. Wie eine Stätte dies umsetzt, bleibt ihr überlassen. In den vergangenen fünfzehn Jahren zeichnet sich ein deutlicher Trend hin zur Entwicklung von Besucher- und Informationszentren als ein wichtiger Baustein der Welterbevermittlung ab. Zielstellung ist dabei häufig, neben wirtschaftlichen Aspekten, durch moderne Vermittlungsformate möglichst viele Zielgruppen anzusprechen und für das Welterbe zu motivieren. Die Besucher stehen sozusagen im Zentrum des Interesses der Infozentren. Mit Hilfe einer durchdachten Ausstellungsdidaktik sollen die Besucher*innen so vom Welterbe begeistert werden, dass sie sich die authentischen Orte anschließend unbedingt ansehen möchten. Vor Ort werden den Besucher*innen weitere Vertiefungsebenen erschlossen. Diese Zentren unterscheiden sich in den meisten Fällen von klassischen Museen oder Erlebniszentren.

„Anders als ein Museum erhebt ein Besucherzentrum nicht den Anspruch ein Thema umfassend und möglichst erschöpfend darzustellen. Die Idee eines Infozentrums ist vielmehr geprägt von einer möglichst angenehmen Vermittlung einzelner prägnanter historischer Sachverhalte, um dem Gast einen ersten Eindruck der Welterbestätte zu vermitteln. Infozentren werden klassische Museen mit ihrer in die Tiefe gehenden Sammlung niemals ersetzten können. Sie können aber niederschwellige Angebote schaffen und so auch Teile der Bevölkerung ansprechen, welche Museen nicht besuchen. Hier bietet sich die Möglichkeit, das Interesse zu wecken und durch die überblicksartige Darstellung von Inhalten um neue Aspekte zu erweitern.“ (Handreichung zu Informationszentren im Welterbe, DUK 2018, S. 18ff) Häufig werden weitere Aufgaben mit den Zentren verknüpft. Neben der Vermittlung und Vernetzung rücken dabei immer stärker Themen wie beispielsweise Bildung für Nachhaltigkeit oder Bürger*innenbeteiligung im Welterbe sowie „Global citizenship“ in den Fokus.

Einladungskarte für die ursprünglich für den 17. April geplante Eröffnung des ersten Welterbinfozentrums im Welterbe im Harz

Im UNESCO-Welterbe im Harz sind für die Infozentren vor allem die Funktionen der Vernetzung des Welterbes, der Verteilung der Besucher*innen und der Wahrnehmung des flächenhaften Welterbes als EINE gemeinsame Welterbestätte von Bedeutung. Mit der Etablierung der dezentralen Welterbe-Infozentren als Portale in das Welterbe, geht die Chance einher, für ein breites Publikum in verständlicher Form einen Einstieg in das Thema Welterbe zu ermöglichen und einen Überblick zur Vielfalt der Inhalte und Orte der Welterbestätte im Harz zu bieten. Darüber hinaus leisten die Welterbe-Infozentren im Harz, die immer in bestehende Gebäudesubstanz integriert werden, einen wichtigen Beitrag zum Denkmalerhalt und zur regionalen Entwicklung. Das erste der drei dezentralen Welterbe-Infozentrum im Harz, wird am Standort Walkenried eröffnet. Hier können Besucher*innen sich fortan über die Einzigartigkeit, Größe und Vielfalt des montanen Welterbes informieren.

Dr. Manuela Armenat, Stiftung Welterbe im Harz

Anm. d. Red.: Die Eröffnung des Welterbe-Infozentrums in Walkenried wurde aufgrund der Covid-19-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Herzberger Teich

Der Herzberger Teich – von den Goslarinnen und Goslarern – auch liebevoll „Herzer“ genannt, ist ein künstlich angelegtes Gewässer in unmittelbarer Nähe der Tagesanlagen des ehemaligen Erzbergwerkes Rammelsberg.

Wasser mit Wasser heben

Der Teich liegt in der natürlichen Tallage (Bergtal) zwischen dem Herzberg im Westen und dem Rammelsberg im Osten und wird von dem Winterbach gespeist.

Wasserkraftnutzung im Bergbau über und unter Tage, Agricola Buch VI

1561 wurde er von Herzog Heinrich dem Jüngern zu Braunschweig-Wolfenbüttel zusammen mit dem Rat der Stadt Goslar angelegt. Ziel war es mit Hilfe daés angestauten Wassers genügend Aufschlagwasser für die Kunsträder vorhalten zu können, welche die Pumpen antrieben, mit denen die Grube entwässert wurde. Das Bauwerk hatte nach Fertigstellung ein Fassungsvermögen von ca. 25.000 m³ Wasser.
Johann Christoph Roeder lies den Damm 1768/69 nochmals um zwei Lachter (knapp 3.80 m)  erhöhen. Durch diese Maßnahme wurde das Fassungsvermögen vervierfacht. Heute hat er ein Fassungsvermögen von ca. 115.000 m³, ein Dammlänge von 140 m, eine Wassertiefe von bis zu 11 m und einer am 26. März 2020 gemessenen Temperatur von 7 Grad.
Der Teich diente aber nur als Energiespeicher für regenarme Zeiten im Sommer oder bei strengem Frost. Denn das Wasser zum Antrieb der Kunst- und Kehrräder im Roederschen System wurde aus dem Winterbach direkt in den Berg geleitet.
Ab 1906 wurde die direkte Wasserkraftnutzung zugunsten der Nutzung von elektrischem Strom am Rammelsberg abgeschafft.
Der Herzberger Teich wurde als Wasserspeicher nicht mehr benötigt. Er diente jedoch weiterhin dem Bergwerk, jetzt aber als Kühlwasserlieferant für die Turbinenanlagen im werkseigenen Kraftwerk.  

Die Badeanstalt am Herzberger Teich

Mitte der 1920 Jahre geründete sich in Goslar mit dem SC Hellas e.V. ein Schwimmverein, der auf der Suche nach einem geeinigtem Freibad war. Die Preussag stellt hierfür den Herzberger Teich zur Verfügung. Damit gilt der Herzberger Teich als das älteste vereinseigene Schwimmbad im norddeutschen Raum. Genau wie das kurze Zeit später errichtete Waldbad mit seinen Jugendstilgebäuden, welche in dieser Art die ältesten  im heutigen  Niedersachsen waren und 1996 unter Denkmalschutz gestellt wurden sind.

Das ehemalige Waldschwimmbad, Januar 2009

Nach der Jahrtausendwende wurde der Badebetrieb eingestellt und das gesamte Areal des Teiches war nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Anlagen verfielen Zusehens.

Am letzten Novemberwochenende  2013 wurden die Gebäude durch ein Feuer mit unbekannter Ursache völlig zerstört. Ein Wiederaufbau scheiterte an den Kosten.
Heute kann auf einige Gefahr wieder am Herzberger Teich gebadet werden und er ist ein fester Bestandteil der Führung durch den Roeder-Stollen.

Herzberger Teich von Süden aus, März 2020

Rammelsberg bleibt geschlossen!

Liebe Leserinnen und Leser unseres Blogs,

aufgrund der dynamischen Entwicklung des Coronavirus hat der Landkreis Goslar die Durchführung sämtlicher Veranstaltungen im Kreisgebiet untersagt. Das Weltkulturerbe Rammelsberg stellt demzufolge bedauerlicherweise ab Samstag, 14. März 2020 bis voraussichtlich Samstag, 18. April 2020 seinen Betrieb ein.

Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne unter der Telefonnummer 05321/750-0 an unseren Besucherservice.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Team vom Rammelsberg!