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Hüterin des Welterbes – Aufgaben und Ziele der UNESCO

Der Taj Mahal, die Chinesische Mauer und das Welterbe im Harz – sie alle haben eines gemeinsam: Sie gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Schutz, Erhalt und Weitergabe dieses kulturellen Erbes der gesamten Menschheit stellen eine der wichtigsten Herausforderungen der UNESCO dar. Bewahren was uns verbindet; für die Sonderorganisation der Vereinten Nationen Aufgabe und Ziel zugleich.

Der Auftrag der UNESCO geht aber weit darüber hinaus: Seit ihrer Gründung im Jahr 1945 – seit inzwischen mehr als 70 Jahren also – fördert sie die internationale Zusammenarbeit und setzt sich weltweit für die Achtung der Menschenrechte ein. Die UNESCO wurde mit dem Ziel gegründet, durch kulturellen Dialog zwischen den Völkern die Grundlage für einen weltweiten Frieden zu schaffen. Als eine von 15 Sonderorganisationen der Vereinten Nationen ist sie das Organ, das sich mit Fragen internationaler Bildung oder Erziehung, mit Wissenschaft und Kultur sowie Kommunikation auseinandersetzt.

Generalkonferenz der UNESCO, 2013 (Copyright:  Fernanda LeMarie, Cancillería del Ecuador, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.org)

Im Zweiten Weltkrieg waren unersetzliche Kulturgüter zerstört worden, was zu einem Umdenken führen sollte. Im November 1945 luden die französische und die englische Regierung zur Konferenz der Vereinten Nationen nach London ein.  Auf der Agenda stand die Gründung einer internationalen Organisation für Erziehung und Kultur. Innerhalb von zwei Wochen erarbeiteten sie die Verfassung der neu gegründeten UNESCO, die 37 Staaten am 16. November 1945 unterzeichneten. Knapp ein Jahr nach der Unterzeichnung der Verfassung wurde die UNESCO offiziell am 4. November 1946 gegründet.

Die 17. UNESCO-Generalkonferenz verabschiedete schließlich 1972 in Paris das „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“, das 1975 in Kraft getreten ist. Leitidee der Welterbekonvention ist die „Erwägung, dass Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen.[1]

Die Konvention betont die Verpflichtung aller Völker, das gemeinsame Erbe zu erhalten und zu schützen. Seit dem Jahr 1978 wird der Titel „UNESCO-Welterbe“ an Stätten mit einem außergewöhnlichen universellen Wert verliehen.

Felsentempel des Pharaos Ramses II. in Abu Simbel, Ägypten, 2004 (Copyright: Przemyslaw Idzkiewicz, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.org)

Als Initialzündung der Welterbekonvention und damit der Welterbeliste kann der Bau des Assuan-Staudamms gesehen werden, als die dreitausend Jahre alten Tempel von Abu Simbel im Wasser zu versinken drohten. Weltweit wurden 80 Millionen US-Dollar gesammelt, um deren Zerlegung (1963 bis 1968) und den Wiederaufbau der Felsentempel zu finanzieren. Die Hilfsaktion machte deutlich: Es gibt Orte, deren Bedeutung so groß ist, dass ihre Zerstörung ein Verlust für die ganze Menschheit bedeuten würde.[1]

Die UNESCO will mit den Welterbestätten ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen fördern. Im Erleben von Welterbe setzen wir unsere eigene Kultur mit einer anderen in Beziehung und helfen damit einander besser kennenzulernen. Die meisten Welterbestätten haben global mehr miteinander zu tun als wir vielleicht denken. Jede Welterbestätte in Deutschland hat vergleichbare Kulturdenkmäler in aller Welt. Mit anderen Worten: Im Fremden können wir auch das Eigene erkennen.

Lea Dirks M.A., Stiftung Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft


[1] Hierzu weiterführend: Frau Prof. Dr. Verena Metze-Mangold: Festakt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Anerkennung der UNESCO-Welterbestätte „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“, Goslar 2017.


[1] Präambel, Welterbekonvention, 1972.

Glückauf im neuen Jahr!

WELTKULTURERBE RAMMELSBERG – Museums & Besucherbergwerk. Übertageanlagen. Foto: Stefan Sobotta

Wir begrüßen Sie im neuen Jahr und wünschen Ihnen und Ihrer Familie viel Freude und gute Gesundheit.

Wir freuen uns auf Sie mit über 70 Sonderveranstaltungen, die neue Perspektiven auf unser Welterbe eröffnen.

Dabei bleibt es Ihnen überlassen, ob Sie „mit allen Sinnen“ im Berg entspannen wollen, lieber ein Bergmannsmesser schmieden oder in einer unserer Sonntagsmatineen mehr zum Welterbe im Harz erleben möchten.

Unsere Sonderausstellungen befassen sich mit dem Menschen im Kontext der Industriemalerei und auch zur Mitte des Jahres dreht sich alles um das Thema Kunst am Berg, im Rahmen einer Live-Performance zu den „Mythen des Bergbaus“.

Wir begrüßen zahlreiche Gäste und Kooperationspartner mit gemeinsamen Veranstaltungen, zum Beispiel das „Musikfest Goslar/Harz“, das Jugendtheater „Bühnenreif e. V.“ und das Team von „Miner´s Rock“ mit mehreren Schichten und einem Open-Air-Konzert.

2020 ist für das gesamte Welterbe auch ein Jubiläumsjahr, denn vor zehn Jahren wurde das Welterbe Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar um die Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert. Dazu gibt es ein eigenes Jubiläumsprogramm.

Im April diesen Jahres dürfen wir in Goslar die Welterbestätten der Bundesrepublik Deutschland als Gäste begrüßen. Wir freuen uns auf das Wiedersehen mit vielen Partnerinnen und Partnern aus der Welterb-Familie.

Und last but not least, eröffnen wir am 17. April unser erstes von drei Welterbe-Informationszentren in Walkenried.

Das Museumsjahr endet „natürlich“ traditionell mit dem Weihnachtlichen Rammelsberg am 3. Advent.

Seien Sie zu all diesen Veranstaltungen herzlich willkommen – begleiten Sie uns durch das Jahr.

Das neue Jahr sieht mich freundlich an und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir! (Goethe)

Das Jahr 2019 ist fast zu Ende, der Weihnachtliche Rammelsberg mit über 7.000 Besuchern liegt hinter uns und somit haben wir auch hier in unserem Blog einen Zeitpunkt erreicht, an dem traditionell auf das Vergangene zurück und gleichzeitig gespannt auf das vor einem Liegende geschaut wird.

2019 war für den Rammelsberg ein sehr erfolgreiches Jahr. Wir können an dieser Stelle die genaue Besucherzahl noch nicht exakt ermitteln, aber wir können schon so viel verraten, dass das schon sehr gute Vorjahresergebnis übertroffen wurde.

Eröffnung der Sonderausstellung „StadtMenschen – BergMenschen“ am 10. März 2019

Drei Ausstellungen fanden in diesem Jahr auf dem Gelände statt. Anfang März eröffnete die Bilderschau „StadtMenschen – BergMenschen“ in der Kaue, die inzwischen in der Kaiserpassage in Goslar zu sehen ist. Es folgte kurze Zeit später „Alexander Calvelli – WeltErbeBilder aus dem Harz“, die jetzt bis Ende Februar im Oberharzer Bergwerksmuseum ausgestellt wird. Und ab dem 23. Juni 2019; „Industriearchitektur der Moderne im Spiegel der Fotografie – Die Tagesanlagen des Weltkulturerbes Erzbergwerk Rammelsberg“.

Neben den Sonderausstellungen wurden erfolgreiche Formate und Projekte mit unseren Kooperationspartnern durchgeführt und weiterentwickelt. An dieser Stelle sei das Internationale Musikfest Goslar/Harz, das MINER’S ROCK, das Musiktheater der AGG Oker und das Musical des Bühnereiff e.V  genannt. Zu letzterem war ein besonderer Gast bei der Generalprobe zugegen, nämlich niemand geringeres als unsere Bundeskanzlerin Frau Dr.  Angela Merkel, die den Rammelsberg und Goslar besuchte.

Besuch von Kanzlerin Merkel am Rammelsberg am 19. Juni 2019

Neue Führungen wurden angeboten und von den Besuchern mit großer Begeisterung angenommen. Vor allem die „Feierabendführung“ und der „Fotowalk“, über den sogar der NDR sehr ausführlich berichtete. Aber auch das „reguläre“ Programm im Roeder-Stollen, der Aufbereitung oder die Fahrt mit der Grubenbahn fanden wieder ihre Gäste. Gerade in den Sommermonaten konnten wir auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl von dänischen Gästen begrüßen, die den Rammelsberg in ihrer Muttersprache erläutert bekommen haben.

2020 verspricht in vielerlei Hinsicht ein spannendes Jahr zu werden, denn es wird beispielsweise an der Realisierung der Welterbe-Infozentren weitergearbeitet. Den Auftakt hierbei bildet der Standort Walkenried, wo am 17. April bereits das erste Zentrum eröffnet wird. Am Rammelsberg selbst gibt es 2020 ein kleines Jubiläum: Im Oktober wird das Museum schon 30 Jahre alt.
Das Veranstaltungsjahr 2020 beginnt am 17. Januar 2020 mit der Feierabendführung, welche wie o.g. als neues Führungsangebot 2019 Premiere hatte. Weitere Veranstaltungen und Highlights finden sie in unserem  Veranstaltungskalender auf der Homepage!

Wenn Sie Lust und Zeit haben den Rammelsberg schon „zwischen den Jahren“ zu besuchen, können Sie das gern bei verlängerten Öffnungszeiten tun. Ab dem 25. Dezember 2019 bis einschließlich 5. Januar 2020 haben wir von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Einzige Ausnahme bildet Silvester, an diesem Tag haben wir geschlossen. Aber ab dem 1. Januar geht es wieder los oder weiter… J

Zu guter Letzt gilt unser Dank für die gemeinsame Arbeit des zurückliegenden Jahres den Kolleginnen und Kollegen in den Verwaltungen und Ämtern, unseren Projekt- und Kooperationspartnern und natürlich Ihnen – unseren Besuchern!

Wir wünschen allen ein frohes Fest und einen guten Rutsch!
Ihr Team vom Rammelsberg

Weihnachtsmarkt unter Tage beim Weihnachtlichen Rammelsberg 2019

Weihnachtlicher Rammelsberg 2019

Ein Weihnachtsmarkt für die ganze Familie!

Nur noch 10 Mal schlafen, das Weihnachtsmannkostüm und die Bergmannshelme waschen, mit den Bergzwergen die Miniführungen üben, sämtliche Checklisten überprüfen, die Kerzen aufstellen, … . Wir Rammelsberg-Mitarbeiter bereiten alles vor und haben bereits im August mit der Planung unseres besonderen Weihnachtsfestes, dem WEIHNACHTLICHEN RAMMELSBERG begonnen.

Ihre „Aufgabe“ ist es, dieses Fest zu genießen! Machen Sie Sich in aller Ruhe rechtzeitig zu Fuß auf den Weg zum Rammelsberg oder fahren Sie ab Osterfeld mit einem der dort startenden Shuttle-Busse.

Roeder-Stollen im Kerzenglanz
FOTO: Uwe Epping

Am Berg angekommen werden Sie von uns (die mit den orangen Schals) empfangen und auch der Weihnachtsmann sollte schon unterwegs sein. Lassen Sie den Alltag hinter Sich: Neben dem Höhepunkt der Veranstaltung, dem Rundgang durch den mit hunderten von Lichtern beleuchteten Roeder-Stollen, gibt es zum Beispiel über 60 Weihnachtsmarkt-Stände, 10 Musikgruppen Unter- und Über Tage, 1 Kinder-Karussell, Mini-Führungen mit dem Kinderclub Bergzwerge, Schmiede- und Klöppelvorführungen und chemische Experimente mit Goslarer Schülern. Zahlreiche Harzer Vereine und Verbände und sogar Museen stellen bei uns ihre Arbeit vor und verkaufen einzigartige Produkte zu caritativen Zwecken. Einigen Handwerkern kann man beim Arbeiten über die Schulter schauen und besonders für Kinder gibt es allerlei Möglichkeiten selbst aktiv zu werden.

Musik unter Tage
FOTO: Uwe Epping

Genießen Sie außerdem die stimmungsvolle Atmosphäre in der Schlosserei mit einem abwechslungsreichen weihnachtlichen Musikprogramm. Besonders vielfältig ist in diesem Jahr das Angebot an herzhaften oder süßen Speisen und Getränken, das auf dem gesamten Rammelsberg-Gelände auf Sie wartet.

Wir Mitarbeiter freuen uns auf Sie und auf unsere Lieblingsveranstaltung!

Von „Mord und Totschlag“ – Streit am Berg

Wenn man sich mit der Geschichte Goslars und insbesondere des Rammelsberges befasst, stößt man über kurz oder lang auf den Namen Johann Thurzo.[1] Der bergbaukundige Unternehmer und Ratsherr aus Krakau – bekannt besonders durch die Fugger-Thurzosche-Handelsgesellschaft um die Wende zum 16. Jahrhundert – war von 1478 bis 1496 mit wechselnden Mitgesellschaftern am Rammelsberger Bergbau beteiligt. Grund für seine Tätigkeit waren die bis dahin nur mäßig erfolgreichen Versuche des Rates, das Bergwerk zu sümpfen. Die tieferliegenden Gruben standen seit der Mitte des 14. Jahrhunderts unter Wasser, so dass etliche auswärtige Experten nach Goslar geholt wurden.[2]

Im Stadtarchiv Goslar finden sich Dokumente, die die Ereignisse dieser Zeit lebendig werden lassen. Dazu zählt beispielsweise eine Vielzahl von Beschwerdebriefen, die der Mitgesellschafter Thurzos, Johann Pedick verfasst hat.[3] In einem Schreiben, das Pedick an den Rat der Stadt gerichtet hat, schildert er die Anfänge der Gesellschaft sowie das folgende Zerwürfnis mit anderen am Rammelsberg tätigen Grubenherren. In dramatischer Weise beschreibt er, was ihm in diesem Zusammenhang alles widerfahren ist.


Beschwerdebrief Pedicks, Stadtarchiv Goslar, Bergwerksurkunden, B 8691, Bergbau II,11

Pedick betont, dass die Initiative zum Engagement am Rammelsberg auf ihn zurückzuführen sei, wobei er bereits zu Beginn der Unternehmung in Lebensgefahr schwebte: „Item ich habe auch in das Land gen Ungarn reiten müssen nach den Kupferschmelzern, Meister Micheln und Meister Nickeln, die ich mit großem Abenteuer und Wagnis meines Leibes und Lebens kaum heraus brachte gen Goslar, als ich mich mit ihnen aus dem Lande weg stehlen musste; der Gubernator in Ungarn wollte uns haben töten lassen, darum dass man Ungarn nicht schaden täte mit neuen Kupferbergwerken …, dass ihre Kupfer nicht unlieb und wolfeil würden.“[4]

Die Ereignisse um Pedicks Tätigkeit spitzen sich zu, als er sich mit dem Vorwurf konfrontiert sah, beim Bau einer neuen Wasserkunst in der Grube Redding, die an andere Bürger verliehen war, dort unrechtmäßig Erze abgebaut zu haben. Abbaurechte besaß Pedick lediglich für die tiefer gelegenen Bereiche.

Der Streit eskalierte und Pedick schildert die folgenden Begebenheiten derart: „Ebenso, ehrsamer Herr Bürgermeister, als eure Weisheit, … eure Amtsleute des Berges, und etliche Personen der Ratsliste in den Berg einfuhren, da forderte euer Stadtvogt Hans Kannengießer im Auftrag des Rates die Schlüssel von der neuen Kunst, die ich im Redding bauen wollte, von mir. Also wollte ich mit ihnen in den Berg einfahren und hätte ihnen selbst aufschließen wollen und sie unterwiesen und ihnen erklärt, wie ich die Kunst bauen und einrichten wollte. Sie wollten jedoch nicht, und Kannengießer sprach, ich sollte heraußen bleiben. Also musste ich die Schlüssel unter Gewalt herausgeben … Kannengießer, der Stadtvogt sprach danach zu mir, dass ich, wenn ich nicht aus dem Berg heraußen geblieben wäre und mit … eingefahren wäre, sie mich in einen Schacht hätten werfen wollen“


Wasserkunst, aus: Georgius Agricola, De re metallica libri XII., übers. u. bearb. v. Carl Schiffner, 3. Aufl. Düsseldorf 1961, Abb. S. 168.

„Auch ist mir … [Peter] Grymmer dazu in euerer kaiserlichen Stadt auf der freien Straße in den Weg gelaufen und hat mich mit seinen bösen lästerlichen Worten übel gescholten und wollte mich dazu mit seinem Messer bedrohen“

„Ebenso ließ er mich danach von seinen Arbeitern mit Messern … vom Berg bis in die Rathshütte jagen und wollte mich erschlagen und ermorden lassen; also sorgte ich mich und blieb in der Rathshütte, da ist Grymmers Arbeiter … in die Stadt gegangen und kam mit einer gespannten Armbrust auf der freien kaiserlichen Straße bis vor die Hütte und wollte mich ermorden und erschießen.“

Inwieweit Johann Pedick, der in seinen Briefen der Tat einen etwas streitsüchtigen und melodramatischen Eindruck erweckt, diese Schilderungen übertrieb, lässt sich aus heutiger Sicht nicht mehr beurteilen. Er hat diesen Aufenthalt in Goslar jedenfalls unbeschadet überstanden, wie aus der Unzahl weiterer Briefe hervorgeht, die er in dieser Angelegenheit noch an zahlreiche Angehörige von Räten, Gilden oder auch Fürstenhäusern schrieb.

Autorin: Dr. Astrid Schmidt-Händel


[1] Reinhardt, Emil. Johann Thurzo von Bethlemsalva, Bürger und Konsul von Krakau, in Goslar 1478-1496. (Beiträge zur Geschichte der Stadt Goslar, Heft 5). Goslar 1925.

[2] Bornhardt, Wilhelm. Geschichte des Rammelsberger Bergbaues von seiner Aufnahme bis zur Neuzeit (Archiv für Lagerstättenforschung, Heft 52). Berlin 1932.

[3] Stadtarchiv Goslar, Bergwerksurkunden, bes. Bestand B 8691-8694 (Bergbau II-V).

[4] Stadtarchiv Goslar, Bergwerksurkunden, B 8691, Bergbau II,11 (Schreibung und Begriffe hier angepasst). Hierzu siehe auch Schmidt, Ursula. Die Bedeutung des Fremdkapitals im Goslarer Bergbau um 1500 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Goslar, Heft 27). Goslar 1970.

Besucher: Schön, dass Sie da sind! Aber wer sind Sie eigentlich? – Besucherorientierung im Weltkulturerbe Rammelsberg

Für lange Zeit wurde in den Museen dieser Welt den Besuchern wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Institutionen konzentrierten sich auf ihre klassischen Aufgabenstellungen Sammeln, Bewahren, Erforschen und Präsentieren.
Dabei kam lediglich beim Punkt der Präsentation dem Besucher eine gewisse Rolle zu. Dabei sind doch gerade die Besucher, die Nutznießer unserer Arbeit und deren Interesse der Garant für den Erhalt unserer Häuser. In den letzten Jahren gab es jedoch einen nötigen Wandel in der Wahrnehmung.
Heute findet das Konzept von Besucherorientierung in vielen öffentlich geförderten und privaten Kulturinstitutionen Anwendung und hat einen wichtigen Stellenwert sowohl im Marketing als auch in der Konzeption von Ausstellungen. Besucherorientierung gilt nun als Qualitätsmerkmal zeitgemäßer Museumsarbeit.
Diese zeichnet sich durch zwei Teilbereiche aus. 1. Evaluationen, die die Substanz eines Angebotes und dessen Wahrnehmung durch den Besucher erforschen. 2. Besucherforschung, die sich auf  Elemente der Besucherstatistik konzentriert.

Wir am Rammelsberg haben uns in unseren Bemühungen in einem ersten Schritt für die klassische Besucherforschung entschieden. Doch schon die sich so einfach anhörenden Hauptfragen der Besucherforschung entpuppen sich bei genauerem Hinsehen zu komplexen Fragestellungen, deren Beantwortung alles andere als einfach ist.

Von wohl höchstem Interesse für moderne Museen sind dabei die folgenden Fragen:
Wie motivieren wir Besucherinnen und Besucher zu uns zu kommen? Und: Was hindert Menschen daran uns zu besuchen? Wie erzeugen wir Interesse und Begeisterung? Wie erreichen wir eine langfristige Bindung unserer Besucherinnen und Besucher an unser Haus?

Oft liest man in Bezug auf die Besucherforschung von dem Problem der Betriebsblindheit der Akteure. Man ist als Museumsschaffender schnell davon überzeugt, ganz genau zu wissen, wer seine Besucher sind und was sie sich wünschen. So war es auch bei uns am Rammelsberg.
Es bildete sich aus Beobachtungen eine Meinung heraus, die nicht auf verifizierbaren Belegen beruhte. Diese ging davon, dass ein Großteil unserer Besucherinnen und Besucher aus einem Umkreis von 100 km zu uns kämen.
Dies und eine geplante generelle Neuaufstellung unserer Marketingbemühungen nahmen wir zum Anlass, uns mit den Methoden der Besucherforschung auseinanderzusetzen. Diese teilen sich in drei Hauptpunkte: Befragungen, Beobachtungen und Sekundäranalysen.

Andere Häuser haben inzwischen ganze Abteilungen, deren alleinige Aufgabe die Erforschung der Besucher und Evaluation der Angebote ist.
Uns standen für die Beantwortung unserer Fragen jedoch nicht so umfangreiche Ressourcen zur Verfügung, deshalb suchten wir uns zunächst zwei niedrigschwellige Maßnahmen aus.
Zum einen begannen wir mit der Abfrage von den Postleitzahlen der Heimatorte unserer Besucher. Zum anderen erstellten wir einen kleinen Fragebogen, den wir seit Juli an unsere Gäste ausgeben.

Abb. 1 Fragebogen Vorderseite
Abb. 2 Fragebogen Rückseite

Doch auch mit diesen vergleichsweise einfachen Methoden haben nach einigen Monaten erste interessante Erkenntnisse gewinnen können.

Die Ergebnisse zum Anreiseweg unserer Besucherinnen und Besucher machen deutlich, wie wichtig fundierte Datenerhebungen für einen Museumsbetrieb sind. Die erwähnte Grundannahme, dass unsere Gäste großteils aus einem Umkreis von 100 km zu uns kommen ist deutlich revidiert worden. Siehe Abbildungen 3 und 4. Damit ergeben sich z.B. andere Wirkungskreise für unser Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit.


Abb. 3 Entfernung zum Heimatort laut Postleitzahlenabfrage 24.12.2018-25.10.2019

Abb. 4 Entfernung zum Heimatort laut Fragebogen Erhebnung 03.07.2019-23.09.2019

In einer sich immer schneller wandelnden Gesellschaft, in der die Wege der Informationsbeschaffung immer diverser werden, sind die Erkenntnisse über das Informationsverhalten unserer Gäste von hoher Bedeutung. Für uns ist es wichtig zu wissen, durch welche Kanäle wir Kontakt zu unseren Besuchern aufnehmen können. Hierbei können uns nun die Antworten aus unserer Befragung weiterhelfen. (Siehe: Abb. 5)


Abb. 5 Antworten zu Frage 1 des Fragebogens: Wie haben Sie von uns erfahren? 03.07.2019-23.09.2019

Für die Weiterentwicklung unserer Angebote und Programme helfen uns die Erkenntnisse zu den Altersstrukturen und den Erwartungen unserer Besucherinnen und Besucher.

Die ersten Ergebnisse unserer Befragung ergeben die Annahme, dass sämtliche Altersgruppen bei uns relativ gleichmäßig vertreten sind, mit Ausnahme von Kindern und Jugendlichen, die fast ¼ der Befragten ausmacht. Hier könnte man allerdings annehmen, dass Kinder und Jugendliche mehr Freude am Ausfüllen der Fragebögen haben als Erwachsene und deshalb ihr Anteil in den Antworten überdurchschnittlich hoch sein könnte. Um diese Angaben zu verifizieren sollten also in einem weiteren Schritt andere Methoden als Backup genutzt werden, z.B. eine Beobachtung.


Abb. 6 Angaben zum Alter der Befragten. 03.07.2019-23.09.2019

Gerade wir als UNESCO-Weltkulturerbe müssen uns sorgfältig auseinandersetzen mit der Gradwanderung zwischen Erhaltung des authentischen Ortes, Wissensvermittlung und der Wahrnehmung unseres Standortes als Erlebnisort.

In den ersten Ergebnissen der Befragung ist genau dieser Punkt nochmal deutlich geworden. Wir werden mehr als Ort für das besondere Erlebnis wahrgenommen, denn als Museum. Trotzdem besteht auch bei unseren Besucherinnen und Besuchern ein immer wieder bekundeter Wunsch nach Erhaltung der Authentizität.


Abb. 7 Angaben zum Anlass des Besuchs laut Frage 2 des Fragebogens. 03.07.2019-23.09.2019

Wir sind gespannt welche Erkenntnisse wir noch gewinnen werden.

Vielen Dank an unsere Besucherinnen und Besucher, die uns durch die Beantwortung der Fragen unterstützen und natürlich auch an alle Kolleginnen und Kollegen, die bei der Durchführung und Auswertung der Besucherforschung so fleißig mithelfen.

 

Autorin: Jessica Jansen

Barrierefreiheit in einem Besucherbergwerk?!

Der Begriff „Barrierefreiheit“ in einer Industrieanlage oder auch einem Bergwerk, wie dem Rammelsberg, bezieht bzw. bezog sich weniger auf die dort arbeiteten Menschen, sondern auf die Maschinen, die eine entsprechende Infrastruktur benötigen um eine wirtschaftliche Wirkung erzielen zu können. 
Wegen der hohen solidarischen Verbundenheit der Bergleute untereinander, spielte der Mensch ebenfalls eine wichtige Rolle. Schon seit dem Mittelalter gab es am Rammelsberg eine Kasse, in die jeder Bergmann den sog. „Büchsenpfennig“ einzahlte. Das gesammelte Geld stand u.a. Invaliden zu, die nur noch über Tage für deutlich weniger Lohn arbeiten konnten.
Bis in die Gegenwart wurden für Kollegen Vorkehrungen getroffen, sodass sie trotz einer Beeinträchtigung ihrer Arbeit nachgehen konnten. So wurde der Führerstand der Schrägförderanlage so umgebaut, dass dieser von einem Kollegen bedient werden konnte der einen Arm verloren hatte. Aber auch sprachliche Barrieren im Betriebsablauf wurden überwunden. Noch heute findet man eine Vielzahl von mehrsprachigen Warn- und Sicherheitsschildern für die türkischen und spanischen Kollegen, die ab den 1960er Jahren am und im Rammelsberg arbeiteten.

„Rollimobil“ an der Grubenbahn, Rammelsberg

Durch die Umwandlung des Bergwerkes Rammelsberg in ein Museum und Erlebnisort kam dem Begriff „Barrierefreiheit“ natürlich eine ganz andere- nämlich seine eigentliche- Bedeutung zu. Und am Rammelsberg bedeutet das in erster Line, die Schaffung von rollstuhlgerechten Lösungen.
In der Anfangsphase des Museums mussten entsprechende infrastrukturelle Maßnahmen getroffen werden, um einen Besucherverkehr von inzwischen über 100.000 Gästen pro Jahr überhaupt zu ermöglichen. Seien es die neuen Sanitäranlagen oder das Schaffen von Wegen durch die ehemalige Industrieanlage. Bei all diesen Maßnahmen wurde die Erreichbarkeit für Personen in Rollstühlen oder anderen Gehbeeinträchtigungen von Vornherein mit eingeplant. So wurde beim dem Umbau ein rollstuhlgerechtes WC installiert, was auch mit einem Kinderwagen befahrbar ist, wo sich auch der Wickeltisch für die ganz kleinen Gäste befindet.

Aber auch vorhandene Strukturen wurden so umgestaltet, dass sie rollstuhlgerecht werden konnten. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das „Rolli-Mobil“, ein speziell umgebauter Grubenbahnwagen, der es zwei Rollstuhlfahrern ermöglicht, an der unter Tage-Führung teil zunehmen. Neben dem „Rolli-Mobil“ wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl von kleinen Maßnahmen durchgeführt worden, deren Aufzählung den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde. Zusammenfassend kann man sagen, dass bereits ca. 70% der für Besucher zugänglichen Bereiche rollstuhlgerecht ausgelegt sind. Eine Aufzählung finden Sie hier!

Neben konkreten Maßnahmen, die zur Schaffung von Barrierefreiheit geplant und durchgeführt wurden, können sich Maßnahmen auch erst in der Folge als Lösung herausstellen!  Ein Beispiel am Rammelsberg ist die Wiederinbetriebnahme des sog. Schrägaufzuges im Jahr 2014. Ein ursprünglicher Lastenfahrstuhl, der heute für den Personentransport ausgelegt ist und den Aufstieg von über 250 Stufen erspart. Der Einsatz erlaubt es auch Rollstuhlfahren die ehemalige Erzaufbereitungsanlage in Gänze zu erleben.

Seit April 2016 ist der Rammelsberg als Ort offiziell auch für den Bereich Rollstuhlfahrer und Personen mit Gehbeeinträchtigung mit dem deutschlandweiten Zertifikat „Reisen für Alle“ ausgezeichnet und vor kurzem erfolgreich für die kommenden drei Jahre rezertifiziert wurden. Es handelt sich hierbei um keine Selbsteinschätzung des Rammelsberges. Vorausgegangen ist ein aufwendiges Prüfungsverfahren; die Daten und Angaben zur Barrierefreiheit wurden von externen, speziell geschulten Erhebern vor Ort begutachtet und geprüft. Die Daten zur Barrierefreiheit liegen im Detail vor und können von Gästen eingesehen werden. Zudem haben zwei  Mitarbeiter an einer Schulung zum Thema „Barrierefreiheit als Qualitäts- und Komfortmerkmal“ teilgenommen.

Die Schaffung von Barrierefreiheit in einer Kultureinrichtung darf niemals ein Projekt, sondern muss immer ein Prozess sein. Wenn Sie diesen Prozess unterstützen wollen, haben wir in der Lohnhalle eine Spendenbox installiert. Diese „Büchsenpfennige“ kommen der Anschaffung von Rampen für die Ausstellungsbereiche zu Gute. Vielen Dank!

Spendenbox in der Lohnhalle, Rammelsberg

Der andere Blick: Aus den Bilderalben ehemaliger Rammelsberger Bergleute

Fotoarchive von Unternehmen sind für Industriemuseen zu wichtigen Fundstellen geworden, um sich von der Betriebs- und Arbeitswelt ein Bild machen zu können. Doch die Industriefotografie und speziell die Bergbaufotografie ist mehr als die vom Bergbauunternehmen beauftragte Anfertigung von Abbildungen von Werksanlagen und Arbeitern zum Zwecke der Dokumentation, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Neben der offiziellen Werksfotografie  der PREUSSAG, als letzter Betreiberin des Erzbergwerks Rammelsberg, befindet sich in der Sammlung des heutigen Weltkulturerbes inzwischen ein nicht unerheblicher Bestand an privaten Fotos Rammelsberger Bergleute. 

Doch „nichts ist so schwer zu sehen wie das, was man vor Augen hat,“ behauptete der deutsche Philosoph Walter Benjamin. Diese Behauptung erscheint widersprüchlich, doch zwischen der Moment-Aufnahme, fast beiläufig vom Bergmann während seiner Arbeit unter Tage gemacht und den wohl komponierten Fotos professioneller Fotografen, liegt ein weites, sicht- und unsichtbares Feld. Das Bild auf dem Foto wird nicht nur bestimmt durch die Aufnahmeperspektive des Fotografen, sondern auch durch seine Persönlichkeit, seinen Arbeitsstil, durch die vorhandenen technischen Möglichkeiten der Fotografie und ganz wesentlich durch den gesellschaftlichen Umgang mit den fotografisch erzeugten Bildern.

Foto eines Rammelsberger Bergmanns: Arbeit mit dem Drucklufthammer am Rollloch, 1970er Jahre. Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg.
Offizielle Werkfotografie der PREUSSAG: Bohrwagen im Einsatz unter Tage, 1960er Jahre. Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg, Fotoarchiv PREUSSAG.

Interessant dabei ist, dass in den Fotoalben der Bergleute das Spektrum der Bilder von Abzügen der Werksfotografen, über eigene Aufnahmen vom Arbeitsplatz, von   verschiedenen Feierlichkeiten bis zu Aufnahmen privater Freizeitaktivitäten reicht. Viele der Fotos, die von den Bergleuten gemacht wurden, sind ganz nah am Geschehen und geben Einblicke in die Arbeits- und Lebenswelt, die bisher nur selten zu sehen waren.

Raucherpause unter Tage, 1970er Jahre. Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg

Die Bildmotive bewegen sich überwiegend in einem Spannungsfeld von der Darstellung der harten bergmännischen Arbeit unter Tage und den folkloristischen Aktivitäten der Bergleute bei Umzügen oder Feiern. Eingebunden sind die Fotos teilweise in tagebuchähnliche Beschreibungen von der Arbeit, dem Wohlbefinden und den Gedanken über „die Welt an sich“.

Pausensituation unter Tage, 1970er Jahre. Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg.

Sonntagsmatinee am 29. September 2019, 11.00 Uhr

Am 29.September 2019 greift Dr. Johannes Großewinkelmann um 11.00 Uhr in die große „Fotokiste“ der Museumssammlung. Es werden Bilder ehemaliger Bergleute vom Leben und Arbeiten  unter und über Tage, insbesondere aus den 1960er bis 1980er Jahren gezeigt.

„Göttlich inspirierte Männer von Verstand“ Die Walkenrieder Mönche und ihr Kloster

Die gotische Klosteranlage Walkenried am Südharz, „Sitz“ der Mönche, die im Mittelalter im Harz und am Rammelsberg Montanwirtschaft betrieben, bis Bergbau- und Agrarkrise in der Mitte des 14. Jahrhunderts ihren herausragenden Wirtschaftstätigkeiten ein Ende setzten (Foto: Schönfelder)

Einmal im Jahr werden im Südharzer Klosterort Walkenried – rund eine Autostunde vom Nordharzer Rammelsberg entfernt – alle Kräfte für eine überregional bekannte Großveranstaltung gebündelt: den Klostermarkt Walkenried, der mit seinem besonderen Angebot Jahr für Jahr an einem Wochenende über 10.000 Besucher anzieht. Auch diesen September reisen wieder 25 klösterliche Marktbeschicker aus sieben Bundesländern, aus Österreich und Weißrussland an. So vielfältig wie die hier vertretenen Gemeinschaften ist auch ihr hochwertiges Warenangebot mit breiter Produktpalette.

Alle Jahre wieder: Der Klostermarkt in Walkenried, ein Fest für Leib und Seele, dort wo im Mittelalter asketische Mönche lebten, beteten und arbeiteten. An rund 30 Verkaufsständen gibt es Gutes aus klösterlichen Kellern, Küchen, Werkstätten und Gärten. (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried)

Zu bestaunen und zu kaufen gibt’s Holz aus Bethlehem, Wein und Saft aus Bayern und aus Österreich, Waren aus Afrika, Herzhaftes und Süßes, Devotionalien und Sekt und Essig, Kunstprodukte, Weihrauch, Kerzen und Ikonen, Wurst und Bier mit Käsestangerln und vieles mehr, aber immer Wichtiges für Körper, Geist und Seele. Viel ist hier von Gastlichkeit und der Lebendigkeit gegenwärtiger Klosterkultur zu spüren.

Auf dem Klostermarkt in Walkenried: Zisterziensermönche (Trappisten) aus dem Kloster Novy Dvur (Tschechien) im Gespräch mit einer Klostermarktbesucherin (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried)

Das ganze Jahr über und an beiden Klostermarkt-Tagen aber lässt sich hier im ZisterzienserMuseum hinter alten Klostermauern durch die Geschichte wandeln und dabei entdecken, wie fortschrittlich die Walkenrieder Mönche schon im Mittelalter dachten und auch wirtschafteten.

Und so mancher Museumsbesucher zeigt sich zunächst erstaunt, dass ihm hier die mittelalterliche Mönchsgemeinschaft als Rammelsberger Bergherren oder Harzer Hütten- und Forstherren „entgegentreten“.

Einblick in das ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried, das unter anderem auch die Montan- und Wasserwirtschaft der mittelalterlichen Mönche aus Walkenried vorstellt (Foto: Stefan Sobotta, Stiftung Welterbe im Harz)

Die Mönche waren eben nicht nur tiefgläubige Gottesmänner, sondern einst auch clevere Geschäftsleute, so dass am Südharz ein weiträumig agierender „Klosterkonzern“ erwuchs. Dies hinterließ Spuren, auch solche, die dazu führten, dass die Klosteranlage Teil des UNESCO-Welterbes Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft wurde, einst eines der weltweit größten vorindustriellen Energieversorgungssysteme überhaupt.

Die Walkenrieder Gottesmänner hatten für ihre eigene Montanwirtschaft im frühen 13. Jh. im Harz erste Teich- und Grabensysteme konstruiert, deren Prinzip in der Neuzeit Harzer Bergleute aufgriffen. Im Pandelbachtal bei Seesen bzw. in der Nähe des heutigen Ortsteils „Münchehof“ konnten Archäologen einen mittelalterlichen Hüttenplatz der Walkenrieder Mönche ergraben, die dort ihr Rammelsberger Kupfererz mit Hilfe von klug eingesetzter Wasserkraft verhütteten.

Aus den Tiefen des Rammelsbergs und Made by Kloster Walkenried: Das ZisterzienserMuseum zeigt einen mittelalterlichen „Gusskuchen“, einen Barren aus Rammelsberger Kupfer (metallurgisch nachgewiesen), sowie Rammelsberger Kupfererz (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried)

Die führende Stellung, die die „göttlich inspirierten Männer von Verstand“, so eine mittelalterliche Goslarer Urkunde, über mehr als 300 Jahre im Oberharzer und im Rammelsberger Montanwesen einnahm, überzeugte das Welterbekomitee der UNESCO.

Von Bedeutung für die Aufnahme in die Welterbeliste war aber auch – im Vergleich mit den auf der UNESCO-Welterbeliste vertretenen Zisterzienserklöstern – die gotische Stilreinheit und nicht zuletzt die überragende bauliche Besonderheit des Klosters, von dem aus die Mönchsgemeinschaft ihre Geschäfte, auch im Bereich der Agrarwirtschaft, betrieb.

Der nördliche Kreuzgangflügel der gotischen Anlage mit seiner Zweischiffigkeit, mit seinem außergewöhnlichen künstlerischem Anspruch und der lichtdurchfluteten Atmosphäre wird noch heute geprägt durch einen unverwechselbaren Hallencharakter. Seit jeher ist er architektonisches Alleinstellungsmerkmal und „Markenzeichen“ Walkenrieds.

Der nördliche Kreuzgangflügel der Walkenrieder Klosteranlage und architektonisches Alleinstellungsmerkmal: der Lesegang. Hier fanden sich die mittelalterlichen Mönche zur Lesung ein und hier fanden die Fußwaschungen statt, die die Mönche untereinander als Demutsgeste und in der Nachfolge Christi vollzogen (Foto: Brigitte Moritz, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried)

In den Sommermonaten und in den Niedersächsischen Ferien ist das ZisterzienserMuseum dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10-17 Uhr geöffnet. Der Klostermarkt, ein Fest für Leib und Seele vor der beeindruckenden Ruine der Klosterkirche und mit Programm für alle Generationen rund um das Kloster, findet statt am 21. und am 22. September 2019 in der Zeit von 10 bis 18 Uhr.

Autorin: Dr. Brigitte Moritz, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried

Die Landschaft am Rammelsberg – Bergbauspuren auf Schritt und Tritt

Bei einer Wanderung durch die Landschaft oberhalb der Rammelsberger Bergwerksanlage erschließen sich uns wunderbare Aussichten. Unser Blick schweift über Berge und Täler, Wald und Wiesen, die Altstadt von Goslar bis weit hinein in das nördliche Harzvorland, wo fern am Horizont die Städte Salzgitter und Wolfenbüttel zu erahnen sind. In unmittelbarer Umgebung erstreckt sich viel Schatten spendendes Grün. Hier und da ist es durchsetzt von kahlen Flächen, auf denen höchstens ein wenig Heidekraut wurzelt, daneben Flechten verschiedenster Art. Unversehens finden wir uns wieder in einer uralten Kulturlandschaft, in der die Relikte einer niedergegangenen Industrie einen ungleichen Kampf gegen die Natur führen. Wo Jahrhunderte lang die Tagesgebäude des alten Bergbaus das Bild der Landschaft dominierten, erobern sich Bäume Sträucher und niedere Pflanzen ihr Terrain zurück.

Bei den spärlich bewachsenen Flächen handelt es sich um Bergehalden, Gestein, das beim Abteufen der Schächte zutage gefördert worden ist. Zahlreiche dieser Schächte setzten einst rund um den mittelalterlichen Maltermeisterturm an. Der Turm selbst – heute ein beliebtes Ausflugslokal – gilt als das älteste erhaltene übertägige Bauwerk des deutschen Bergbaus. Weit über den Bergehalden liegen die mächtigen Blockschutthalden. Ihr flechtenüberzogenes Material entstand als Abraum bei der Gewinnung und Bearbeitung des Sandsteins im Kommunion-Steinbruch. Benötigt wurde dieser, um dem Grubengebäude, das mit zunehmendem Erzabbau mehr und mehr seine Standfestigkeit einbüßte, höhere Stabilität zu verleihen. Die Ansatzpunkte der Schächte zur Abwärtsförderung des Materials sind heute auf den ersten Blick kaum mehr erkennbar. An wenigen Stellen zeichnen sich noch Vertiefungen am Wegesrand ab, Pingen, die davon zeugen, dass das Schüttgut zum Verfüllen der Schächte im Zuge jahrelanger Verdichtung zusammengesackt ist.

Doch auch andernorts lassen sich solche Spuren finden. In Begleitung erfahrener Landschaftsführer haben wir die Möglichkeit, anhand der speziellen Flora und der mannigfachen Bodenmodellierungen Wissenswertes über die montane Vergangenheit des Rammelsberges zu erfahren, denn das, was unter Tage geschah, veränderte auch die Landschaft über Tage.

Das Weltkulturerbe Rammelsberg – Museum & Besucherbergwerk bietet in Kürze drei unterschiedlich lange Touren durch die Kulturlandschaft an: von der einstündigen Schnupper-Tour rund um den „Herzer“ über die anspruchsvollere zweieinhalbstündige bis zur Vierstundentour, die uns bis nahe an die Kuppe des Berges bringt. Der Gang durch die Landschaft wird zugleich ein Gang durch die Bergbaugeschichte: An kaum einem anderen Ort sind so viele montane Sachzeugen auf engstem Raum zu finden wie hier. Dies war einer der Gründe, weshalb der Rammelsberg 1992 gemeinsam mit der Altstadt von Goslar in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Übrigens: Das Mitführen von Hunden ist bei diesem Angebot des Museums durchaus erlaubt, schließlich war der Hund (bergmännisch: Hunt[1]) schon in alten Zeiten ein zuverlässiger Helfer des Bergmanns.

[1] In vorindustrieller Zeit war „Hunt“ in vielen Bergbauregionen Deutschlands die Bezeichnung für den Förderwagen der Bergleute.

Bilder:

  1. Blick aus dem Kommunion-Steinbruch über den Maltermeisterturm auf die Altstadt von Goslar. Foto: R. Bothe 2006
  2. Die Erzabfuhrweg im Hainholz am Rammelsberg. Foto: R. Bothe 2006
  3. 2010 enthüllte der damalige Präsident des Landesamts für Denkmalpflege eine Informationstafel des Museums zu den Erzabfuhrwegen. Foto: J. Pozowski 2010