UNESCO Logo

Objektgeschichten: z.B. Büromaschinen aus der Bergwerksverwaltung

Historische Darstellungen zur Geschichte des Erzbergwerks Rammelsberg beschreiben überwiegend die Arbeit der Bergleute unter Tage. Die Arbeit über Tage, insbesondere die Verwaltungsarbeit in den Büros, findet in der Regel nur wenig Beachtung. Dabei werden die Aufgaben der Bergwerksverwaltung des Rammelsberges ab Ende des 18. Jahrhunderts immer umfangreicher. Sie erreichen nach der Gründung der Preussischen Bergwerks- und Hütten-AG (Preussag) 1923 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs einen ersten Höhepunkt.

Bereits ab den 1920er Jahren und dann nach 1945 nimmt in den Büros der Bergwerksverwaltung in der jungen Bundesrepublik Deutschland die Technisierung der Büroarbeit ein immer schnelleres Tempo auf. Dabei steht die technische Verbesserung der Schreibarbeit durch zunächst mechanische, dann elektrische Schreibmaschinen und schließlich durch die Computertechnik im Mittelpunkt der Entwicklung.

Auch am Erzbergwerk Rammelsberg fand diese technische Entwicklung der Büroarbeit statt. Sie ist in einem Objektbestand abzulesen, der 2020 vom Weltkulturerbe Rammelsberg aus der Preussag-Verwaltung in die Museumssammlung übernommen werden konnte.[1] In diesem Bestand befinden sich Schreib- und Rechenmaschinen, Diktiergeräte und Telefone aus der Zeit zwischen den 1940er und den 1990er Jahren. Einige dieser Büromaschinen stellen wir im Folgenden vor:

Mechanische Rechenmaschine D 13 Z-1 der Brunsviga Maschinenwerke AG (Braunschweig), 1940er Jahre.
„Gehirn von Stahl“, mit diesem Werbeslogan warben die Brunsviga-Maschinenwerke und entwickelten für die
rechenintensive Vermessung – im Bergbau MarkscheidewesenGenannt – die D 13 Z-1.
Mit dieser Doppelmaschine kann auf der einen Seite addiert / multipliziert und auf der anderen Seite
subtrahiert / dividiert werden.

 

Diktiergerät für Magnettonplatten der Fa. Assmann (Bad Homburg), 1960er Jahre. Mit einem Diktiergerät konnte die Formulierung eines Briefes getrennt und zeitversetzt vom Schreiben ausgeführt werden. Das Diktat wurde auf eine in der Rille der Platte aufgebrachten Magnetspur aufgezeichnet und wie bei einem Plattenspieler abgespielt.

 

Mechanische Schreibmaschine Adler-Werke (Frankfurt), 1950er Jahre. Die Adler-Werke produzierten Fahrräder, Motorräder, Autos, Werkzeugmaschinen und nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1998 Büromaschinen.

 

Kofferschreibmaschine der Adler-Werke (Frankfurt), 1960er Jahre. Die Adler-Junior 3 war eine kleine, relativ leichte Kofferschreibmaschine. Sie wurde unter Tage eingesetzt, um hier wichtige Schriftstücke in gut lesbarer Schrift schreiben zu können.

 

Tischtelefon mit Drehscheibe der Fa. Siemens & Halske, 1960er Jahre. Telefone mit Drehscheibe zur Anwahl der Telefonverbindung waren seit dem Ersten Weltkrieg über Jahrzehnte das wichtigste Telekommunikationsgerät in den Verwaltungen. Ab den 1970er Jahren übernahmen Tastenfelder die Anwahl der Telefonnummer.

 

Mechanische Rechenmaschine der schwedischen Fa. Addo, 1950/60er Jahre. Die Addo-X 2000 konnte das
Ergebnis des Rechenvorgangs auf einen Druckstreifen dauerhaft festhalten.

 

Kugelkopfschreibmaschine der Internationalen Büro-Maschinen Gesellschaft mbH (IBM),
1980er Jahre. Bei den elektrisch angetriebenen Kugelkopfschreibmaschinen von IBM konnten durch den
Wechsel des Kugelkopfes schnell die Schriftenarten gewechselt werden. Zusätzlich verfügte das Gerät über ein
Korrekturband zur Korrektur von Tippfehlern. Die Kugelkopftechnik von IBM setzte sich langfristig
nicht gegenüber der Typenradtechnik durch.

 

Elektrische Schreibmaschine „Supertype“ Olympia-Werke (Wilhelmshaven), 1990er Jahre.
Typenradschreibmaschine, die später auch an einen Computer als Drucker angeschlossen werden konnte. Die
Schreibmaschine besaß bereits einen kleinen Speicher mit Display. Es konnte eine bestimmte Anzahl von
Zeichen gespeichert und im Display korrigiert werden.

 

Elektronische Schreibmaschine mit Speicher und Diskettenlaufwerk der Triumph
Adlerwerke (TA), 1990er Jahre. Die Tastatur ist bereits nicht mehr in die Schreibmaschine integriert, sondern
über ein Kabel angeschlossen, so wie es für die späteren Büro-Computer üblich wurde. Bei der Arbeit mit
diesen Maschinen stand erstmalig ein Medium zur elektronischen Speicherung umfangreicher Texte zur
Verfügung. Außerdem konnte vor dem Ausdruck auf einem kleinen Display der Text überprüft werden. Im
Umgang mit diesen Maschinen wurden die Büroangestellten der Preussag in betriebseigenen Kursen geschult.

Fotos: Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg

[1] Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Frau Monika und Herrn Klaus Schlamelcher. Frau Schlamelcher hat mich auf die Preussag-Sammlung aufmerksam gemacht. Herr Schlamelcher hat als Büromaschinenmechaniker jahrelang die Bürotechnik der Preussag im Verwaltungsgebäude an der Rammelsberger Straße betreut. Ohne ihre freundliche Unterstützung hätte ich die Geschichten zu den Büromaschinen nicht entdeckt! 

Der Rathstiefste Stollen

Des „Rates der Stadt Goslar tiefster Stollen“, ist der älteste bekannte Wasserlösungsstollen des Rammelsberges.
Ein Wasserlösungsstollen ist ein Stollen, der der Wasserableitung in einem Bergwerk dient und im Prinzip wie ein Abflussrohr funktioniert. Der Rathstiefste Stollen ist ca. 1.000 Meter lang und erstreckt sich grob beschrieben ausgehend von der Buswendeschleife am Werkstor unter dem heutigen Museumsgelände durch in Richtung der Rammelsberger Straße, deren Verlauf er bis auf das Gelände des Theresienhofes folgt.
Vermutlich wurde der Stollen im Gegenortbetrieb aufgefahren. Zu diesem Zweck wurden insgesamt zehn sog. Lichtlöcher definiert. Lichtlöcher sind senkrechte Baue (Schächte), die von übertage bis auf das Niveau des späteren Stollens reichten. Von diesen Punkten aus wurde dann der eigentliche Stollenvortrieb in zwei Richtungen vorgenommen. Das spart zum einen Zeit und zum andern war durch die Lichtlöcher die Frischwetterversorgung sichergestellt und der Weg des Abtransports des gelösten Materials kürzer.

Auf das Niveau des Stollens wurden die Grubenwässer gepumpt, welche dann dem Gefälle folgend in dem Stollen in Richtung Stadt abgeleitet wurden. In der Mitte des 15. Jahrhunderts erreichte der Bergbau am Rammelsberg allerdings immer größere Tiefen. Mit zunehmender Tiefe  wurde das Ausbringen des anfallenden Grubenwassers ein immer größeres Problem. Der Rathstiefste Stollen, als bisheriger Wasserlösungsstollen, lag inzwischen zu hoch um dieser Aufgabe in Gänze nach zu kommen. Daher beschloss 1484 der Rat der Stadt Goslar einen neuen Wasserlösungstollen ca. 45 m unterhalb des Niveaus des Rathstiefsten Stollens anlegen zu lassen. Der Bau des neuen Stollens dauerte knapp 100 Jahre, erst 1585 konnte der als Tiefer Julius Fortunatus Stollen (TJFS) bezeichnete neue Rammelsberger Wasserlösungstollen seine Funktion übernehmen.
Funktionslos wurde der Rathstiefste Stollen dadurch nicht, durch ihn wurden auch weiterhin Abwässer der höhergelegen Kunsträder abgeführt. Auch die Inbetriebnahme der untertägigen Maschinerie, die wir heute als Roeder’sches System bezeichnen, änderte nichts an der Funktion. Ab 1805 wurde das Brauchwasser, welches Roeder über seine vier Räder arbeiten lies durch den Rathstiefsten abgeleitet. Das durch die beiden Roeder’scher Kunsträder gepumpte Grubenwasser hingegen floss durch den tiefergelegenen TJFS ab. Der Abfluss des Brauchwassers durch den höher gelegenen Rathstiefsten Stollen war eine Auflage der Stadt Goslar, weil nur so in der weiteren Folge ausreichende und kontinuierliche Wassermengen für die städtischen Mühlen gewährleistet waren.

Der Rathstiefste Stollen war bis vor kurzem Gegenstand einer groß angelegten wissenschaftlichen Untersuchung, die u.a. der Frage nachgegangen ist, wie alt der Stollen eigentlich ist.
Ältere Forschungen aus den 1930er Jahren gingen von einer Entstehungszeit aus  der Mitte des 12. Jahrhundert aus, bezugnehmend auf die erste schriftliche Erwähnung aus dem Jahre 1271, als der Stollen schon im Betreib war. Jedoch belegen die neuern Forschungen, dass zumindest ein Teil des Stollens schon um das Jahr 900 bestand. Die teilweise spektakulären Ergebnisse dieser Forschung finden Sie hier:

Altbergbau 3D

Erleben können Sie den Rathstiefsten Stollen auf einer unserer Abenteuerführungen, die wir nach der Coronapause seit Jahresanfang wieder regulär im Programm haben:

Abenteuer Mittelalter – Der Rathstiefste Stollen

Durch den Rathstiefsten Stollen (c) Weltkulturerbe Rammelsberg / Sobotta, VISUM

19-Lachter-Stollen zieht unter das Dach der Stiftung Welterbe im Harz ein

In diesem Beitrag möchten wir ein Thema aus dem Welterbe im Harz in den Fokus rücken. Denn mit dem Jahreswechseln sind die Kolleg:innen vom 19-Lachter-Stollen aus Wildemann unter das Dach der Stiftung Welterbe im Harz eingezogen. Dazu ein herzliches Glückauf! 

Die Vorgeschichte

Als im Jahr 2016 das von der Kulturstiftung des Bundes als Modellprojekt geförderte TRAFO-Projekt „Harz | Museen | Welterbe“ startete, war eines der Ziele eine gemeinsame Trägerschaft anzustreben, um Synergien zu heben, aber auch um die Einrichtungen im Welterbe stärker zusammen wachsen zu lassen und sie zukunftsfähig aufzustellen.

Nachdem im Juli 2022 der Aufsichtsrat der Kurbetriebsgesellschaft das Vorhaben positiv votierte, stimmte der Geschäftsbesorgung des 19-Lachter-Stollen durch die Welterbestiftung auch das Stiftungskuratorium Anfang Oktober zu. Am Freitag, den 11. November 2022 wurde der erste Schritt realisiert und der Vertrag zum Übergang in die Stiftung Welterbe im Harz unterzeichnet.

„Für die Kurbetriebsgesellschaft „Die Oberharzer“ mbH als Eigentümerin des 19-Lachter-Stollens in Wildemann ist es nun eine konsequente Weiterführung dieses TRAFO-Projekts, den Betrieb des 19-Lachter-Stollen in die kompetenten Hände der Stiftung Welterbe im Harz zu geben. In diesen herausfordernden Zeiten können durch den Zusammenschluss für wichtige Themen wie Weiterentwicklung und Professionalisierung der kleineren Einrichtungen Synergien viel besser genutzt werden“, so Bettina Beimel, Geschäftsführerin und Kurdirektorin der Kurbetriebsgesellschaft „Die Oberharzer“ mbH.

Auch Stiftungsdirektor Gerhard Lenz, der Stiftung Welterbe im Harz, blickt positiv auf die Zukunft: „ Wir freuen uns sehr, den 19-Lachter-Stollen in das „Welterbe-Haus“ aufzunehmen. Damit verbunden ist der Wunsch eines koordinierten Besucherservice und einer Qualitätssicherung und Qualitätsvermittlung für unsere Besucher, an zunehmend mehr Standorten in unserem Welterbe.“

Zum 19-Lachter-Stollen

Aber was erwartet die Gäste am 19-Lachter-Stollen:

Der 19-Lachter-Stollen in Wildemann ist der einzige für Besucher zugängliche Wasserlösungsstollen des Harzes und führt Sie rund 500 Meter weit in den Berg hinein. Mit dem Bau wurde im 16. Jahrhundert begonnen. Der Stollen diente der Wasserableitung aus den höher gelegenen Gruben bei Zellerfeld und Clausthal. Das Schwerpunktthema „Tiefe“ wird hier sinnlich erlebbar: Ein beeindruckendes Kehrrad von neun Metern Durchmesser dreht sich und Sie blicken von einer Brücke aus über 260 Meter tief in den eindrucksvoll ausgeleuchteten Ernst-August-Schacht aus dem 19. Jahrhundert.

Für einen weiteren visuellen Eindruck möchten wir einige Aufnahmen teilen, die letzten Sommer erst entstanden sind:

Exkursion 19-Lachter-Stollen (c) Stiftung Welterbe im Harz, A. Behnk

Zu erreichen sind die Kolleg:innen vom 19-Lachter-Stollen unter diesen Kontaktdaten:

19-Lachter-Stollen
Im Sonnenglanz 18
38709 Wildemann
Tel. 05323-6628
19-Lachter-Stollen@welterbeimharz.de
www.19-lachter-stollen.de 

Ein Beitrag von Ipek Canbazer und Jan Schüler.

Weihnachtsgruß 2022

Wir wünschen mit diesem Weihnachtsgruß all unseren Besucherinnen und Besuchern, Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner und allen Freundinnen und Freunden des Welterbes im Harz schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Mit dieser Videobotschaft, quer aus dem Welterbe, möchten wir uns bei Ihnen für das Jahr 2022 bedanken und freuen uns auf die gemeinsame Zeit in 2023.

 

30 Jahre Weltkulturerbe

Der 14. Dezember 1992

30 Jahre bilden nach allgemeiner Vorstellung die Dauer einer Generation. Wenn man also im Jahr 2022 in Goslar auf 30 Jahre Weltkulturerbe zurückblickt, müsste man die Elterngeneration fragen, wie es damals im Dezember 1992 war, als das Bergwerk Rammelsberg und die Altstadt von Goslar zum Weltkulturerbe ernannt worden sind. Oder man schaut in das Archiv der Goslarschen Zeitung. Genauer gesagt in die Ausgabe der Goslarschen Zeitung von Montag dem 14. Dezember 1992, der laut Wetterbericht regnerisch daher kommen sollte und mit einer maximalen Temperatur von +8 Grad eigentlich noch nicht auf das bevorstehende Weihnachtsfest schließen ließ. 
Die Titelseite offenbart dem Leser augenscheinlich einen ganz normalen Montag für die Kaiserstadt und ihre Bewohner. Bayern München ist wiedermal „Herbstmeister“ der Bundesliga geworden, die Bundeswehr soll ab 1993 in Somalia humanitäre Hilfe leisten und in Liebenburg formierte sich Widerstand gegen die geplante Ortsumgehung. Zwischen der Meldung eines Grand-Slam-Sieges von Michael Stich und drohender Kurzarbeit bei VW findet sich oben in der Mitte ein kleiner Artikel, aus dem hervorgeht, dass das vier Jahre zuvor geschlossene Bergwerk Rammelsberg zusammen mit der  Altstadt von Goslar auf die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes der Menschheit gesetzt wurde. Die fast unscheinbare Nachricht der Ernennung zum Welterbe der Menschheit auf der ersten Seite der GZ wird sich für Goslar in der Folge als eine der wichtigsten und nachhaltigsten Entscheidung herausstellen, die in der jüngeren Geschichte der inzwischen 1.100 Jahre alten Stadt getroffen wurde.

Titelblatt der Goslarschen Zeitung vom 14. Dezember 1992

 

Wie der Rammelsberg und Goslar Weltkulturerbe wurden

„Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar“ so der offizielle Name, war 1992 die elfte Weltkulturerbestätte in Deutschland – inzwischen umfasst die Liste 51 deutsche Welterbestätten, darunter drei Natur- sowie 48 Kulturstätten (Stand November 2022). Besonders hervor zu heben ist die Tatsache, dass mit dem ehemaligen Bergwerk am Rammelsberg erstmals ein deutsches Industriedenkmal und mit der der Altstadt von Goslar nach Lübeck 1987 zum zweiten Mal ein ganzer deutscher Altstadtbereich zum Welterbe gesamten Menschheit erklärt worden ist.
Die Entscheidung, den Rammelsberg und die Altstadt für die Liste des Weltkulturerbes zu nominieren, wurde nicht am Rammelsberg selbst oder im Rat der Stadt getroffen, sondern war das Ergebnis eines Vorgangs auf höchstem internationalem Niveau.
Alleiniger deutscher Antragsteller bei dem zuständigen Welterbezentrum des Sekretariats der UNESCO in Paris war und ist das Auswärtige Amt. Grundlage der Anträge ist die deutsche Vorschlagsliste, die sogenannte Tentativliste, über deren Zusammensetzung die zuständige  Kultusministerkonferenz der Bundesländer entscheidet. Die dort aufgeführten Stätten, Orte und/oder Regionen sowie die zugehörigen Anträge sind im Vorfeld von den einzelnen Bundesländern bzw. den jeweils nachgeordneten Denkmalsschutzbehörden erarbeitet worden. Durchgesetzt hatten sich das Bergwerk Rammelsberg und die Altstadt von Goslar in der nationalen Bewerbung u.a. gegen Städte wie Wolfenbüttel, Dinkelsbühl oder Heidelberg. Der Antrag des Landes Niedersachsen für den Rammelsberg und Goslar wurde durch das zuständige Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in Braunschweig ausgearbeitet.

Die Tentativliste dient bis zu zehn Jahre als Grundlage für die zukünftigen Anträge Deutschlands für die UNESCO-Welterbeliste – denn pro Jahr können durch die Mitgliedsstaaten der UNESCO maximal zwei Stätten beantragt werden. Über die verschiedenen Anträge des einzelnen Mitgliedsstaates entscheidet dann das UNESCO-Welterbekomitee auf seiner jeweiligen Jahrestagung. 1992 fand die Jahrestagung in Santa Fe/New Mexico USA statt.

Was allerdings vielen Bewohnern Goslars in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1992 nicht klar oder bewusst war, war welche Folgen, Verantwortungen oder Verpflichtungen sich aus der Tatsache ergeben könnten, dass sie gleichsam über Nacht in einem Welterbe lebten und arbeiteten. Der Vorgang scheint im Vorfeld nicht ausführlich erklärt worden zu sein. Bürgerbeteiligung oder Partizipation spielten bei einen Welterbeantrag Anfang der 1990er Jahre noch keine Rolle, eine Tatsache die sich zwischen deutlich geändert. In den Leserbriefen und Kommentaren der GZ wurde schnell über mögliche Folgen für die Altstadt und den Rammelsberg diskutiert. Muss das Welterbe barrierefrei sein? Wird die Innenstadt autofrei? Oder geht der Rammelsberg jetzt in Landeseigentum über? Das waren die Fragen, die die Bewohner der Stadt um den Jahreswechsel 1992/1993 beschäftigten.
Aber die Ernennung zu einem Weltkulturerbe hat für den jeweiligen Standort keine mittelbaren rechtlichen Folgen. „Die Altstadt von Goslar liegt nicht unter eine Käseglocke!“ äußerte sinngemäß der von Amtswegen zuständige Denkmalpfleger Dr. Reinhardt Roseneck und ergänzte, dass mit dem Welterbetitel keine rechtlichen Einschränkungen verbunden seien – weder werde dadurch in die kommunale Selbstverwaltung Goslars noch in die Kulturhoheit des Landes Niedersachsen eingriffen. Allerdings ergibt sich aus dem Titel keine automatische finanzielle Unterstützung vonseiten des Landes oder des Bundes.

Welterbe Urkunde von 1992

 

2+1=3 und drei Teile bilden ein Ganzes

In den inzwischen 30 Jahren des Bestehens der Welterbestätte gibt es ein Datum, was mit Sicherheit eine Zäsur – im denkbar positivsten Sinn – darstellt, der 1. August 2010!
An diesem Tag entschied das UNESCO-Welterbekomitee auf seiner 34. Jahrestagung in Brasilia das bestehende zweiteilige Welterbe um einen dritten Teil zu erweitern. Mit der Oberharzer Wasserwirtschaft wurden montanhistorische Zeugnisse aus über fünf Jahrhunderten Teil des Weltkulturerbes der Menschheit. Die Welterbestätte firmiert seitdem unter dem Namen: UNESCO-Welterbe Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft.

Vertreten, verwaltet und vermittelt wird das „Welterbe im Harz“ – so die gültige Kurzbezeichnung – durch die gleichnamige Stiftung. Das Betreuungsgebiet erstreckt sich auf eine Fläche von über 200 km², es umfasst zehn museale Einrichtungen und eine Vielzahl von Bodendenkmälern.
Mit den drei in den letzten Jahren geschaffenen Welterbe-Infozentren in Goslar, Clausthal-Zellerfeld und Walkenried stehen den Besuchern der Region dezentrale Anlaufpunkte für das Welterbe zur Verfügung.  Neben diesen festen Einrichtungen verfügt die Stiftung über ein mobiles Infozentrum, welches in der Region und darüber hinaus aufgestellt wird. So beispielsweise im vergangen Jahr auf dem Gelände das Weltkulturerbes Faguswerk in Alfeld. Mit den Kollegen der benachbarten Welterbestätten aus Alfeld, Hildesheim und Quedlinburg verbindet die Stiftung seit knapp 10 Jahren eine gute Zusammenarbeit. Sichtbar unter anderem bei den „Tagen der Niedersachsen“ bei den man seit 2013 gemeinsam einen Stand betreibt.

Mit dem Oberharzer Bergwerksmuseum in Zellerfeld und dem Zisterzienserkloster Walkenried betreibt die Stiftung zwei museale Einrichtungen direkt. Und ab dem 1. Januar 2023 kommt mit der Anlage des 19-Lachter-Stollens in Wildemann eine dritte hinzu. Daneben sind bereits vier Welterbe-Erkenntniswege ausgewiesen, auf denen sich Wanderer auf eine spannende Entdeckungsreise begeben können.
Weitere Maßnahmen und Projekte sind in Planung oder derzeit schon in Umsetzung begriffen. Denn die Arbeit an und mit einem Weltkulturerbe ist nicht statisch, sondern fließend und muss immer dem Erhalt und der Vermittlung des jeweiligen Ortes dienen.

Wobei es den einen Ort in dem vielfältigen und facettenreichen Harzer Welterbe gar nicht gibt. Im Gegensatz zum Kölner Dom, dessen Bild fest im kollektiven Gedächtnis verwurzelt scheint, musste sich es das Welterbe am Anfang seines Bestehens auf eine bestimmte Art emanzipieren um als ein solches auch wahrgenommen zu werden und Bekanntheit zu entwickeln – um sichtbar und erlebbar zu werden! Neben einem umfangreichen Angebot an Führungen, (Sonder-)Ausstellungen, Veranstaltungen waren es auch verschiedenste Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen an Infoständen oder im Internet, die allein über 100.000 Besucher pro Jahr an den Rammelsberg kommen lassen (in Jahren ohne Corona). Und somit der Rammelsberg inzwischen zu den knapp 5 % der deutschen Museen zählt, welche eine sechsstellige Besucherzahl p.a. nachweisen können.


Aber auch in Zeiten fortschreitender Digitalisierung bleiben es auch zukünftig Menschen, die die Menschen durch das Welterbe führen. Die Vermittlung des Weltkulturerbes im Harz findet von Anfang an durch engagierte Stadt-, Gruben-, Gäste- und Welterbeführer statt, die den Besuchern und Bewohnern auf den verschiedenen Führungen die weltweite Einzigartigkeit der Region nahebringen.

Vom Eröffnungstag des Welterbe-Infozentrums Goslar im alten Rathaus im April 2022. Foto: Stiftung Welterbe im Harz/A. Behnk

Glück Auf – Wir sind die Museumskette

Das Weltkulturerbe Rammelsberg, aber auch unsere Kolleg:innen von der Stiftung Welterbe im Harz und dem ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried, sind Teil der Museumskette Südniedersachsen. Dies ist ein Zusammenschluss, basierend auf dem Projekt #wissengeteilt, von knapp einem Dutzend musealer Einrichtung im südlichen Niedersachsen, ins Leben gerufen vom Landschaftsverband Südniedersachsen.

Wer ist alles dabei

Neben uns, der Stiftung Welterbe im Harz und dem ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried ist noch mit dabei: Grenzlandmuseum Eichsfeld, Höhlenerlebniszentrum Iberger Tropfsteinhöhle, Museum Friedland, Museum Schloss Fürstenberg, PS.Speicher, Portal zur Geschichte, UNESCO-Welterbe Fagus-Werk und das Forum Wissen der Universität Göttingen.

Kreative Zusammenarbeit

Ziel des Projektes war es, die Mitarbeitenden der musealen Einrichtungen zu schulen, kreative Mehrarbeit zu schaffen. Zwei Projekte möchten wir hier vorstellen, an denen auch der Rammelsberg beteiligt war.

Museumsperle – das Spiel

Auf der Website der Museumskette, www.museumskette.de, findet man „Museumsperle – das Spiel“. Dieses Spiel basiert auf dem Klassiker Memory. Jedes Haus hat einige Bilder beigesteuert, die es nun in Paaren zu finden gilt. Hat man ein paar gefunden, zum Beispiel unsere Mannschaftskaue, bekommt man einen kurzen informativen Text. Dieses Spiel gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsleveln. Auch wenn noch kleine Schönheitsfehler drin sind, ist es doch sehr unterhaltsam geworden mit faszinierenden Bildern.

Museumsperle – das Spiel, zu finden auf museumskette.de. Welches der Motive ist beim Rammelsberg entstanden?

Museumskette – Die Kulturperlen

Unter diesem Namen ist die Museumskette auf Instagram zu finden. Dort gewähren die Museumshäuser auch spannende Einblicke hinter die Kulissen. Zum einen gibt es da das Format „Depot-Dienstag“. Dort stellen die Museumsmitarbeitenden einige ihrer Lieblingsexponate vor. Dies war zum Beispiel einmal das Modell des Hauses des Bergarbeiters Hans aus unserer Sonderausstellung „1100 Jahre Goslar – Mit Erfolg auf Erz gebaut“. Das Modell der Grube Dorothea haben unsere Kollegen vom Oberharzer Bergwerksmuseum mal vorgestellt.

Was aber würde ein Museumsmitarbeiter als seinen Lieblingsplatz bezeichnen? Im Beitrag unserer Kolleginnen vom ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried beantwortet Museumsführerin Andrea genau diese Frage.

Dann wäre da noch das Format „Kinder erklären das Museum. Da noch einmal ganz besonderen Dank an Felix und Finn von den Bergzwergen, die ganz wunderbar das Weltkulturerbe Rammelsberg erklärt haben.

Diese drei Beispiele sind nicht die einzigen Posts, die man auf dem Instagram-Kanal der Museumskette finden kann. Wenn ein Haus nach Redaktionsplan in einer Woche dran ist, kann es auch einen weiteren Post zu einem beliebigen Thema veröffentlichen. Dies könnte ein Veranstaltungshinweis sein.

Ein Screenshot des Instagram-Kanals der Museumskette.

Was machen die Kollegen so

Da alles Gute, wie ein derartiges Projekt, auch einmal ein Ende haben muss, trafen wir uns tatsächlich auch mal wieder analog und nicht wie sonst üblich alle zwei Wochen digital, wie im Rahmen der Social-Media-Gruppe.

Unsere freundlichen Gastgeber waren die Kolleg:innen vom Forum Wissen Göttingen. Der Kerngedanke ihrer Ausstellung ist die Darstellung des wissenschaftlichen Forschungsprozesses. Beim nahegelegenen Landschaftsverband sprachen wir dann über die Zukunft unseres Projektes. Schon Tage zuvor sprach sich intern die Gruppe Social-Meda ab, den Instagram-Kanal weiterzuführen. Die Formate werden zukünftig wahrscheinlich ein wenig abgewandelt werden. Aber wie heißt es so schön: lasst doch ein Like oder ein Kommentar da und abonniert doch den Kanal! 

Mehr zur Museumskette finden Sie auch in diesem Museumskette_Faltblatt_A3_19.09.2019

Die Erzbahn – Eine alte Bahnverbindung zwischen dem Erzbergwerk Rammelsberg und den Hütten in Oker

Von Dr. Johannes Großewinkelmann und Dipl. Ing. Stefan Dützer

Vom Fuhrwerk auf die Schiene

Als 1866 die Hannoversche Staatsbahn die erste Eisenbahnverbindung nach Goslar eröffnete, setzte allmählich eine Veränderung der Transportmittel für den Erztransport ein. Überlegungen, das Erzbergwerk Rammelsberg direkt an die Staatsbahn anzubinden, gab es schon vor dem Anschluss Goslars an das Schienennetz.   Karren, Pferd und Wagen beherrschten aber noch bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs den Transport außerhalb des Bergwerks. Das Erz musste von unter nach über Tage und weiter vom Erzbergwerk Rammelsberg zu den Hüttenstandorten transportiert werden. Verhüttungszentren hatten sich in Oker und im Raum Langelsheim gebildet. Die Transportmengen waren für die Verhältnisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts immens, das damit verbundene Gewerbe umfangreich. Fuhrleute aus den Goslarer Nachbardörfern mit rund 500 Fuhrwerken sicherten den Erztransport zu den Hütten. Fuhrleute und ihre Zugtiere benötigten Behausung und Nahrung und waren durch ihre Arbeit zugleich ein Wirtschaftsfaktor für Goslar und das Umland.

Fuhrwerke holen Erz unterhalb der Sturzbrücken des Erzbergwerks Rammelsberg für den Transport zu den Hütten ab, um 1900. Foto: Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg.

Doch im Ersten Weltkrieg wurden fast alle Pferde und Fuhrwerke vom Militär eingezogen. Bis zum Frühjahr 1916 war die Anzahl auf rund einhundert Gespanne gesunken, weil Pferde zu dieser Zeit das wichtigste Transportmittel des Militärs an der Front waren. Die Pferde fielen wie die Menschen tausendfach dem mörderischen Treiben zum Opfer. 

Das Bergwerk benötigte daher ein anderes Transportmittel. Im Winter 1916/17 ließ die Berginspektion eine 6,5 Kilometer lange Schmalspurbahn vom Erzbergwerk Rammelsberg über den Blauen Haufen zur Hütte nach Oker bauen. Zum Bau der Bahn wurden aufgrund von Arbeitskräftemangel Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit eingesetzt. Diese Bahnverbindung wurde später als Erzbahn bezeichnet. Heute sind neben dem Wanderweg am Blauen Haufen noch einige hölzerne Bahnschwellen der ehemaligen Erzbahn zu entdecken. In der Sonderausstellung „Mit Erfolg auf Erz gebaut“, die noch bis zum 20. November 2022 am Weltkulturerbe Rammelsberg gezeigt wird, wird die Geschichte der Erzbahn erzählt.

Bau der Erzbahn über den Blauen Haufen im Ersten Weltkrieg. Foto: Sammlung Stefan Dützer.

Grubenwagen neben einem Wanderweg über dem Blauen Haufen als Hinweis auf die ehemalige Bahnstrecke der Erzbahn und die Sonderausstellung am Weltkulturerbe Rammelsberg. Foto: Johannes Großewinkelmann, 2022.

Der Gelenbeeker Stollen

Der Erste Weltkrieg hatte Menschen und Material extrem belastet. Die Erzbahn nach Oker war im Krieg überhastet und mit Mängeln behaftet gebaut worden. Die Steigungen hoch zur Bleiche und runter nach Oker waren zu steil. Beim Anstieg auf der Strecke über den Blauen Haufen kamen die Loks der Erzbahn an ihre Leistungsgrenze.

Verunglückter Zug auf der Erzbahn, 1937. Sammlung Rammelsberg

Zudem waren die starken Gefälleunterschiede im gesamten Streckenprofil bis Oker ein gewaltiges Problem für den Betrieb der Erzbahn. Die Züge verfügten nicht über eine durchgehende Bremsanlage. Gemäß dem damals üblichen Standard waren auf dem Zug Bahnarbeiter verteilt, die auf Signal des Lokführers die Wagenbremsen anzogen oder lösten. Kein schöner Job bei schlechtem Wetter und gefährlich obendrein, wovon zahlreiche Unfallberichte zeugen. Ein solcher Unfall wurde durch das Foto dokumentiert. Vermutlich aufgrund von Wagenknappheit bei zunehmender Produktion hatte man den Erzzug mit Förderwagen aus dem Bergwerksbetrieb verstärkt. Diese Wagen waren allerdings noch nicht mit einer Bremse ausgestattet. Beim Verlangsamen der Fahrt schob der auflaufende hintere Zugteil die vorderen leichten Leerwagen aus dem Gleis.

1927 wurde der steile Teilabschnitt bis zum Bollrich nach unter Tage in den seit 1919 aufgefahrenen Gelenbeeker Stollen verlegt. Ab dem Bollrich verlief die Trasse dann weiter übertägig bis Oker. Die Bahnlinie durch den Gelenbeeker Stollen blieb bis 1987 in Betrieb.

Parallel zur Elektrifizierung des Erztransports unter Tage im Bergwerk wurde 1929 der Antrag auf Elektrifizierung des Gelenbeeker Stollens gestellt. Er wurde mit einem Fahrdraht ausgestattet und über das Stromnetz des Erzbergwerks versorgt. Zwei Fahrdrahtloks für den Bergwerksbetrieb wurden wechselseitig auch im Gelenbeeker Stollen eingesetzt. Am Bollrich wurde der Erzzug umgekuppelt und mit einer Dampflok konnte der Transport zu den Hütten in Oker fortgesetzt werden.

Das „Rammelsberg-Projekt“

Die völlige Umstellung des Deutschen Reichs auf eine von Autarkie und Aufrüstung geprägte Ökonomie unter nationalsozialistischer Herrschaft forderte nach 1933 eine massive Erweiterung des Bergbau- und Hüttenbetriebes: Das so genannte „Rammelsberg-Projekt“ wurde propagiert. Unter großem Zeitdruck wurde nun parallel zur laufenden Produktion eine Aufbereitungsanlage errichtet sowie das Bergwerk von Grund auf umgebaut und erweitert. Damit einher ging eine massive Steigerung der Transportmengen und ebenso die vollständige Umlegung der Trasse zwischen Bollrich und Oker, um Platz für die nun anfallenden Konzentratberge zu schaffen. Auf dem Bergwerksgelände entstand ein neuer Verladebahnhof. Lokschuppen und Wagenabstellgleise wurden architektonisch geschickt in das Magazingebäude integriert. Die Verladung der Aufbereitungskonzentrate erfolgte von außen unsichtbar auf einem untertägigen Verladebahnhof mit mehrgleisiger Kehrschleife unter der neuen Aufbereitungsanlage.

Die Fahrdrahtlok „Rammelsberg 1“ vor dem Stollenmundloch des U-Bahnhofs der Aufbereitungsanlage auf dem Verladebahnhof am Erzbergwerk Rammelsberg. Foto: Archiv der TUI Hannover, 1950er Jahre.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Stilllegung des Erzbergwerks Rammelsberg

Die Erzbahntrasse überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Der Rohstoffbedarf für den Wiederaufbau war groß, der Betrieb musste liefern, Arbeitskraft wurde gebraucht. Der Krieg in Korea sorgte für steigende Rohstoffpreise, die Gewinnung ärmerer Erzvorkommen erschien rentabel. Dafür entstand ab 1951 am nördlichen Stollenmundloch des Gelenbeeker Stollens die zweite Erzaufbereitung, kurz als „Bollrich“ bezeichnet. Die damit verbundene Steigerung der Transportmengen brachte nun das endgültige Aus für die alte dampfbetriebene Schmalspurbahn.

Letzte Fahrt auf der Schmalspurstrecke vom Bollrich zu den Hütten nach Oker, 1953.
Foto: Sammlung Stefan Dützer

Zwischen Bollrich und Oker bauten die Unterharzer Berg- und Hüttenwerke jetzt eine normalspurige Anschlussbahn, die anfangs mit Dampf-, ab 1968 mit Dieselloks betrieben wurde. Im untertägigen Streckenteil im Gelenbeeker Stollen sorgten neu beschaffte Fahrzeuge für höhere Kapazität. Das alte Problem der immensen Steigung auf der östlichen Bahntrasse führte 1986 zur Einstellung des normalspurigen Betriebs. Während der Transport vom Bergwerk durch den Gelenbeeker Stollen weiterhin auf Schienen lief, übernahmen ab dem Bollrich Lastkraftwagen die Erzkonzentrate. Mit der Einstellung der Förderung am Rammelsberg wurde die Erzbahn gänzlich stillgelegt. Die Übernahme in ein Museumskonzept scheiterte an den hohen Kosten.

Diesellok mit Konzentratwagen auf der normalspurigen Bahntrasse der Ezbahn. Foto: Sammlung Frank Bormann.

 

 

Archäologie der Moderne – warum gräbt die Archäologie an historischen Orten wie dem NS-Zwangsarbeiterlager des Rammelsberges?

Klassisch werden die meisten mit dem Begriff Archäologie an Pinsel, Indiana Jones und das Entdecken von Schätzen aus längst vergangenen Zeiten denken. Tatsächlich sind Pinsel ein gängiges Werkzeug auf einer Ausgrabung, während die Filmfigur Indiana Jones dem Archäologenberuf viel Aufmerksamkeit beschert hat. Und wenn auch das mit den ‚Schätzen‘ unterschiedlich zu verstehen ist, sind  längst vergangene Zeiten tatsächlich das „Kerngeschäft“ der Archäologie. Denn als einzige Wissenschaft hat sie spezielle Methoden entwickelt mit deren Hilfe sie aus materiellen Hinterlassenschaften der Menschen im Boden historische Ereignisse herauslesen kann. Dies ist besonders wertvoll für Zeiträume, in denen es keine oder nur sehr spärliche schriftliche Überlieferungen gibt. Doch was für ältere Zeiten gilt, funktioniert ebenso für die jüngste Geschichte.

Überblick über die Grabungsschnitte, Grafik Georg Drechsler

Auch wenn es überraschend klingen mag, spielt die Archäologie gerade für die Erforschung der NS-Zeit eine immer größer werdende Rolle. Denn die archäologischen Untersuchungen in ehemaligen Konzentrationslagern, auf Erschießungsplätzen oder an Orten der NS-Zwangsarbeit fördern viele wichtige Details – im wahrsten Sinne des Wortes – zu tage, die in der schriftlichen Überlieferung fehlen. Sie stellen eine wichtige Ergänzung zu den Arbeiten der historischen Wissenschaften und dienen gleichzeitig auch der ‚Beweissicherung‘ an Orten der ‚Täter‘. 

Das vor einem Jahr durch die Friede Springer Stiftung bewilligte Forschungsprojekt zur NS-Zwangsarbeit am Erzbergwerk Rammelsberg verfolgt eben diesen interdisziplinären Ansatz. Während die Geschichtswissenschaften sich ausführlich mit den überlieferten Akten beschäftigen, wurden von Seiten der Archäologie am Standort des ehemaligen Männerlagers vor dem Herzberger Teich Ausgrabungen durchgeführt. Dem vorausgegangen waren geophysikalische Untersuchungen und Begehungen mit einer Sonde durch die ehrenamtlichen, zertifizierten Sondengänger des Landkreises Goslar. Beide nicht invasiven Methoden dienten der Eingrenzung der zu öffnenden Flächen, denn die überlieferten Pläne aus der Bauzeit der Baracken waren in sich widersprüchlich, so dass unter anderem für die Wasch- und Abortbaracke viele bauliche Fragen unbeantwortet blieben. Eine davon war die nach ihrer eigentlichen Ausdehnung. Methodisch sollte nur so wenig wie möglich und so viel wie nötig ausgegraben werden, um neben einer Forschungsreserve für die nachfolgenden Generationen vor allem die erhaltene Reste zu schützen.

Blick auf das Streifenfundament im Westen, Foto Katharina Malek-Custodis

So wurden auf der gesamten Fläche 9 Schnitte angelegt, die unter anderem zum Ziel die Erfassung der Ausdehnung, der inneren Struktur und das Verifizieren der Anzahl der Baracken sowie die Klärung der verwendeten Baumaterialen hatten. Als ersten Schritt der Erdarbeiten erfolgte der Humusabzug mit Hilfe eines Baggers, bei dem ein unterschiedlich mächtiger Einplanierungshorizont und direkt darunter die ersten Befunde in Form von Bodenplatten und Mauerzügen zum Vorschein kamen. Die Untersuchungen wurden dann in Rahmen kurzer Kampagnen mit Schülerinnen und Schülern der Adolf-Grimme Gesamtschule, mit jungen Erwachsenen im Rahmen eines internationalen IJGD-Workcamps und mit Studierenden der Leibniz Universität Hannover durchgeführt. Dabei mussten die Schnitte besonders im Bereich der Wasch- und Abortbaracke nach allen Seiten etwas vergrößert werden, um die Gebäudeecken tatsächlich zu erfassen. Interessant war dabei das verwendete Baumaterial: Während im östlichen Bereich Ziegeln für die Außenmauern verwendet wurden, waren die Streifenfundamente im westlichen Bereich aus Presssteinen gesetzt, welche aus industriellen Abfallmaterial hergestellt wurden. Welchen Grund dies hat und ob möglicherweise die Ziegelmauer aus der Nachnutzungszeit der 50er Jahre stammt, ist zurzeit Gegenstand der Auswertung. Dies gilt auch für die weiteren festgestellten Befunde wie die beiden gefliesten Bereiche, die verschiedenen Ab- und Wasserleitungen, unterschiedliche Standspuren, Reste von Zwischenwänden usw. Eine besondere Herausforderung ist dabei das Herausarbeiten der verschiedenen Zeitphasen während der NS-Zeit und der Nutzung als Flüchtlingslager während der 50er Jahre. Dies gilt ebenfalls für die angetroffenen Funde, die einer eindeutigen Zuordnung bedürfen, nachdem sie gereinigt und beschriftet worden sind. 

Erste Ergebnisse der historischen und archäologischen Auswertung werden im Frühjahr im Rahmen einer Sonntagsmattinee vorgestellt. Für die Zeit des Winters werden die Ausgrabungsflächen mit Geotextil abgedeckt, um sie vor Witterungseinflüssen zu schützen.          

Autor: Dr. K. Malek-Custotis

Bildungsurlaub „Bildhafte Industriekultur – Von der Idee zum fertigen Bild“

Eine ganze Woche Weltkulturerbe Rammelsberg von oben bis unten, also Über- und Unter Tage – das ist der Traum, den sich die 11 Teilnehmer erfüllten.

Und nun bereits zum dritten Mal fand das Angebot des Bildungsurlaubs, in Kooperation mit dem Bildungshaus Zeppelin & Steinberg, statt. Vom 19. bis 23. September hatten die angemeldeten Hobbyfotografen Gelegenheit, fern der eigenen Arbeit, in einer anderen Arbeitswelt zu versinken, die zwar bereits Vergangenheit ist, aber deren Spuren überall am Rammelsberg zu entdecken sind.

Unter Anleitung der Fotografen Angelika Zwick und Dominique Leppin waren die Teilnehmer unterwegs in der Welt der Industriekultur – „auf den Spuren von Berufsfotografen“. Und „der Foto-Übungsort Rammelsberg zählt zu einem der interessantesten Industriestandorten Norddeutschlands“, wie Dietrich Zychla, Grubenführer am Rammelsberg und fester Begleiter der Gruppe, zu berichten wusste.

Die Woche startete mit einem Einführungsvortrag über „Industriekultur und Weltkulturerbe“ von Dr. Martin Wetzel (Rammelsberg) und so erfuhren die Teilnehmer, die aus ganz Deutschland angereist waren, dass das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg bereits 1988 geschlossen wurde, es seit 1990 ein Museum ist und 1992 gemeinsam mit der Altstadt von Goslar zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Wetzel berichtete wie es dazu kam und warum der Rammelsberg so einzigartig ist. Übrigens ist er das erste Industrielle Weltkulturerbe in Deutschland!

Also an diesem einzigartigen Ort verbreiterten und vertieften die Teilnehmer ihre fotografischen Kenntnisse, entdeckten ungewöhnliche Fotomotive und entwickelten ausdrucksstarke Bildideen.

Neben der kreativen Bildgestaltung arbeiteten Fotografen und Teilnehmer daran eine größere Bandbreite der Kameratechnik zu vermitteln. Und beim gemeinsamen Sichten der Fotografien befasste man sich intensiv mit der Bildoptimierung mit oder ohne Computersoftware.

Die Motive am Rammelsberg sind vielfältig und außerordentlich vielschichtig und die Fototechnik kann an die Motivwahl angepasst werden, sie sogar verstärken. So kann es in der Erzaufbereitung zum Beispiel sehr lohnend sein die „Schwarz-Weiß-Funktion“ der Digitalkamera zu nutzen, da somit die starken Hell-Dunkel-Kontraste besonders hervorgehoben werden, wie der fachkundige Fotograf Dominique Leppin berichtete, der sich ganz besonders gut mit Kameratechnik auskennt und den Teilnehmern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand.

Ehemalige Seilstrecke zum Kahnekuhler Schacht. (c) Fotograf Christian von Scheven

Unter-Tage im Roeder-Stollen spielt hingegen die erstaunliche Farbigkeit der Metallsalze beim Fotografieren der tropfenden Stalaktiten oder der mit Wasser gefüllten Näpfchen eine große Rolle. „Aber wie entstehen diese Metallsalze, Vitriole genannt, und was machte man damit?“ Dietrich Zychla, Grubenführer am Rammelsberg, war immer bereit, sein breites Wissen mit den Gruppenmitgliedern zu teilen. Ganz besonders gefreut haben wir uns über folgendes Teilnehmerlob: „Als gebürtiger Dortmunder kann ich nur sagen, dass ihr eindrucksvoll zeigt, was `Schicht im Schacht` bedeutet. Nämlich harte körperliche Arbeit (Schicht) Über- und Unter-Tage (Schacht) bei der man froh war, wenn ´Schicht im Schacht´ (Feierabend) war.“

Fotograf Helmut Koch: Erzaufbereitung Wagenumlauf

Fotograf Helmut Koch: Eisenglieder

So verging der Praxisteil am Vormittag wie im Flug und am Nachmittag im Bildungshaus Zeppelin war noch nicht Feierabend, sondern es ging um die fotografische Theorie: Jeder Teilnehmer durfte drei seiner Fotografien auswählen und sie den anderen Teilnehmern vorstellen. Erstaunlich ist es immer wieder, wie verschiedenartig die Sicht auf einen Ort sein kann und welcher Mensch welche Motive entdeckt. So spielte bei der Bildkritik neben den wertvollen Kenntnissen der versierten Fotografen auch das genaue Betrachten der anderen Fotografien eine große Rolle. Somit war vielschichtiges Lernen möglich und die Fotografin Angelika Zwick berichtete beispielsweise von der technischen Bildstörung eines Teilnehmers, die aufgrund von langer Belichtungszeit zufällig entstanden war und einen interessanten Bildeffekt hervorgerufen hatte. Dieser Bildeffekt wird auch „Lichtzeichnung“ genannt und konnte sodann als kreatives Gestaltungsmittel in die Theorie und Praxis des Fotokurses einfließen. Eine besondere Gabe der sachkundigen und geistreichen Fotografin ist es, den Teilnehmern zu helfen ihre Bilder zu lesen, damit sie sich zusätzlich zu ihren erweiterten technischen Fertigkeiten auch kreative und künstlerische Horizonte eröffnen konnten.

Aber das erstaunlichste Fazit des Bildungsurlaubs ist, dass die Teilnehmer im Laufe der Woche nicht nur große Teile des Rammelsbergs und die Fotografie an sich besser kennengelernt haben, sondern auch sich selbst und die anderen. Wie es ein Teilnehmer kurz und knapp formulierte: „Man lernt neu zu sehen! “

Men at work (c) Fotograf Dominique Leppin

Vortrag und Führung am Tag des offenen Denkmals: Die Tagesanlagen des Rammelsbergs – Eine Baugeschichte in 3 D

Von Dr. Johannes Großewinkelmann

In einem Projekt des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege, der TU Braunschweig, der Universität Würzburg, des Landesamtes für Geoinformationen und Landesvermessung des Landes Niedersachsen, des Unternehmens denkmal3D in Kooperation mit dem Weltkulturerbe Rammelsberg zur Erfassung der Tagesanlagen des Weltkulturerbes Rammelsberg werden zurzeit die Gebäude der Erzaufbereitungsanlage des ehemaligen Erzbergwerks intensiv vermessen und in einem virtuellen 3-D-Modell erfasst. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Am Tag des offenen Denkmals am 11. September 2022 präsentierten Dr. Andreas Bauerochse vom Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege und Dr. Johannes Großewinkelmann vom Weltkulturerbe Rammelsberg, diese neuartigen Methoden zur Erfassung, Darstellung und Suche nach historischen und baugeschichtlichen Spuren.

Dr. Johannes Großewinkelmann ging in seinem einleitenden Vortrag zunächst auf bedeutende architektonische und baugeschichtliche Aspekte der Tagesanlagen des ehemaligen Erzbergwerks Rammelsberg ein. Dabei stand der Neubau der Tagesanlagen des Bergwerks in den Jahren zwischen 1935 und 1939 im Zentrum seiner Ausführungen. Gefördert durch das von der nationalsozialistischen Regierung aufgesetzt „Rammelsberg-Projekt“, eines Investitionsprogramms mit einem Volumen von 30 Millionen Reichsmark zur Modernisierung des Bergwerks und der Hüttenstandorte in Oker, erhielten die Bergwerksanlage am Rammelsberg ein völlig neues Gesicht.

Die alten Tagesanlagen des Erzbergwerks Rammelsberg, 1935. Im Hintergrund sind am Hang des Rammelsbergs bereits die Vorbereitungsarbeiten für den Bau der neuen Erzaufbereitung zu erkennen. Foto: Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg.

Die im Bau befindlichen Tagesanlagen des Erzbergwerks Rammelsberg, 1938. Vor den neu gebauten Gebäuden der Erzaufbereitung am Hang des Rammelsberg sind noch die alten Gebäude der Tagesanlagen zu sehen, die erst ab 1940 abgerissen wurden. Foto: Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg.

Insbesondere die Gebäude der von den Industriebaumeistern Fritz Schupp und Martin Kremmer an den Hang des Rammelsbergs gebauten neuen Aufbereitungsanlage dominieren bis heute den Blick von der Straßenseite auf das Bergwerk.

Blick vom „Ehrenhof“ auf die im Zentrum der Tagesanlagen befindlichen Gebäude der Erzaufbereitung. Foto: Stefan Sobotta, 2016.

Historische Fotos von der Baustelle am Erzbergwerk Rammelsberg aus den Jahren von 1935 bis 1939 geben wichtige Details zur Baugeschichte der Anlage und zeigen z.B., dass sich hinter der Fassadeverkleidung aus Holz oder Bruchsteinmauerwerk eine Stahlfachwerk- oder Stahlbetonkonstruktion verbirgt.

Errichtung der Gebäude der Erzaufbereitung in Stahlfachwerkbauweise, 1936. Foto: Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg.

Großewinkelmann verdeutlichte, dass die Auswertung einer Vielzahl von Archivalien, Plänen und Fotos zur baugeschichtlichen Entwicklung der Tagesanlagen des Erzbergwerks Rammelsberg im Rahmen des Projektes erfolgen soll. Denn nur durch eine intensive Spuren- und Informationssuche können die Architektur und Baugeschichte der Gebäude in die für den Denkmalschutz wichtigen technischen und politischen Hintergründe eingeordnet werden.

In diesem Zusammenhang sei es aber besonders wichtig, eine Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands der Gebäude, sowohl von außen, als auch von innen zu machen und die am Gebäude ablesbaren Spuren genau zu erfassen und mit den historischen Informationen zur Baugeschichte abzugleichen.

Dr. Andreas Bauerochse erläuterte die Methoden zur digitalen Erfassung der Gebäude der Bergwerksanlage. Zunächst fand eine Befliegung des Bergwerksgeländes mittels Drohnen statt, die Laserscanner, Fotokamera und Multispektralkamera an Bord hatten.

Abbildung einer Drohne zur Erfassung von Gebäuden mit Benennung der einzelnen Aufnahmegeräte.
Foto und Grafik: Dr. Andreas Bauerochse, NLD.

Diese Drohnen flogen nach einem vorher erarbeiteten Flugplan automatisch das Gelände auf programmierten Flugbahnen ab und fotografierten und scannten dabei sowohl das Gelände, als auch alle Gebäudeteile von außen.

Außenbereiche, wie etwa enge Zwischenräume an Gebäudekanten oder Dachüberständen, konnten von den Drohnen nicht erfasst werden und mussten vom Boden aus mit Laserscanner mit Fotokamera nacherfasst werden.

Im Innenbereich wurden die Räume von Laserscannen vermessen und gleichzeitig fotografische Abbildungen erzeugt. Die Standorte der Scanner waren in einem Koordinatensystem integriert.

3D-Laserscan mit Scannerstandorten. Grafik: Yahya Ghassoun, TU-Braunschweig

Aus diesen Aufnahmedaten der Drohnenbefliegung und den Innenaufnahmen der Scanner werden zur Zeit  computergestützte dreidimensionale Gebäudemodelle der Tagesanlagen erstellt.

3-D-Modellierung der Gebäude der Erzaufbereitungsanlage. Grafik: Yahya Ghassoun, TU-Braunschweig

In einer Datenbank sollen die Scan- und Fotodaten aus den Innenräumen, die Daten der Außenaufnahmen und die bautechnischen und historischen Informationen aus Archivalien, Plänen, Akten und Fotos aufgenommen werden. Diese Datenerfassung, als Building Information Modelling bezeichnet, erfasst, kombiniert und modelliert digital alle relevanten Bauwerksdaten. Das Bauwerk ist als virtuelles Modell auch geometrisch visualisiert (Computermodell).

Die Gebäudeerfassung läuft dabei auf verschiedenen Ebenen ab: Vom gesamten Baukomplex ausgehend wird die Erfassung über einzelne Baueinheiten, Funktionsbereiche, Räume und Bauelemente immer weiter verfeinert.

Benennung einzelner Räume im Funktionsbereich Wagenumlauf der Erzaufbereitungsanlage.
Grafik: Yahya Ghassoun, TU-Braunschweig; Dr. Andreas Bauerochse, NLD.

Eine solche Datenbank mit Computersimulation kann flexibel eingesetzt werden: Sie kann für ein Computermodell genutzt werden, dass in Ausstellungen die Gebäudegeschichte der Bergwerksanlage für Besucher*innen nachvollziehbar demonstriert.

In einem Katastrophenfall (Brand) gibt die Computersimulation den Einsatzkräften die Möglichkeit, sich an einem unbekannten Ort schnell und sicher über das Gelände und durch die Gebäude zu navigieren.

Die Datenbank kann für Maßnahmen im Zuge der Denkmalpflege, zur Restaurierung, Sanierung oder Reparatur von Gebäuden als zentrale Informationsquelle genutzt werden, um bautechnische und baugeschichtliche Hinweise abzurufen.

Damit wäre eine zentrale Informationsdatenbank zum übertägigen Gebäudekomplex des Erzbergwerks Rammelsberg aufgebaut, die in wichtigen Bereichen der Erhaltung und Vermittlung des Weltkulturerbes Rammelsberg zu erheblichen finanziellen Einsparungen und beschleunigter Informationsbeschaffung statt aufwendiger Aktenrecherche führen würde. Insbesondere im Katastrophenfall kann der schnelle Zugriffe auf die wichtigsten Daten entscheidendes zur Rettung der Gebäude liefern, wie einige spektakuläre Großbrände in historischen Gebäuden in den letzten Monaten gezeigt haben.