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„Fremde“ und Einheimische sind Herzlich willkommen!

Liebe Gäste, wir wünschen Ihnen ein frohes Neues Jahr und hoffen, dass Sie trotz der schwierigen Zeiten ihre Zuversicht nicht verlieren!

„Herzlich Willkommen“ Teilnehmer des Bildungsurlaubs: „Bildhafte Industriekultur-
Von der Idee zum fertigen Bild“, 2021

Wir freuen uns über Ihren Besuch und hoffen zudem, dass wir Ihnen 2022 erneut mit unseren Führungen, Ausstellungen und Veranstaltungen Freude machen und Abwechslung bieten können!

Als Weltkulturerbe erwarten wir Gäste aus der ganzen Welt und im Jahr des 1100 jährigen Stadtjubiläums von Goslar freuen wir uns ganz besonders über Besucher aus Goslar und dem Harz, die vielleicht die ein oder andere Führung am Rammelsberg noch nicht mitgemacht haben oder erneut besuchen möchten. Bitte beachten Sie auch unseren neuen Veranstaltungskalender, das umfangreiche Jubiläums-Begleitprogramm und die Sonderausstellung: „1100 Jahre Goslar- Mit Erfolg gebaut“, die am 5. Juni eröffnet wird.

Bereits zu Betriebszeiten des Bergwerks durften Fremde, wie auswärtige Reisende genannt wurden, nach vorheriger Anmeldung in die Grube einfahren. Genaueres über diese Besuche und Besucher des 18. und 19. Jahrhunderts und den aufkommenden Harz-Tourismus können Sie noch bis zum 6. Februar in unserer Sonderausstellung „Reisen in den Schoß der Mutter Erde – Montantourismus im Harz“ erfahren.

Damals wie heute war gutes und ausreichendes Essen und Trinken die Voraussetzung einer erfolgreichen Reise. Und heute stärkt man sich direkt im Rammelsberg-Restaurant vor oder nach einer Führung oder dem Besuch der Ausstellungen. Und wie früher schon, wo jeder Gast gern gesehen wurde, ob Forschungsreisender, Handwerker, Fuhrmann, Student, Adliger, Bildungsbürger, Berg- und Hüttenmann, ist das auch heute so, allein die Unterscheidung der Gäste ist eine andere. Heute kommen sie alle und finden in einem der vielen Hotels, Pensionen, Jugendherbergen oder Ferienwohnungen eine ihren Vorstellungen und Bedürfnissen entsprechende Unterkunft. War die Anzahl der Goslarer Unterkünfte im 19. Jahrhundert auch noch nicht so groß, so gab es aber 1859 in der Stadt schon 5 und 1909 bereits 16 Hotels.

Postkarte „Hotel Kaiserworth“, Verlag von Römmler & Jonas, Dresden, 1897, Stadtarchiv Goslar

In einer Mitteilung der Berliner Beamtenvereinigung heißt es im Jahr 1900: „Der vielbesuchte, althistorische Ort ist reich an Sehenswürdigkeiten, unter welchen die prächtig restaurierte, mit herrlichen Wandgemälden geschmückte Kaiserpfalz unstreitig den ersten Platz einnimmt. Auch das Hotel Kaiserworth am Markt und das Speisehaus Das Brusttuch neben der Marktkirche verdienen hervorgehoben zu werden. Goslar eignet sich als gesunder Ort mit Gebirgsnatur vorzüglich zur Sommerfrische und ist wegen der mäßigen Preise und günstigen Steuerverhältnisse auch Pensionären und Rentiers zum dauerhaften Aufenthalt zu empfehlen.“

Das sogenannte Brusttuch ist eines der ältesten Goslarer Hotels, das seit 1870 als Gasthaus oder Speisehaus genutzt wurde. Ein altes Plakat zeigt, wie im späten 19. Jahrhundert in Touristenregionen das Speiseangebot durch die Einführung der Speisekarte à la carte erweitert wurde. Die Essenszeiten sind also nicht festgelegt und es gibt eine frei verfügbare Auswahl an Speisen. In gewöhnlichen Gaststätten gab es zu dieser Zeit keine freie Wahl des Menüs, sondern nur ein Tagesmenü zum Festpreis.Dieses Table de hôte wurdeim Brusttuchzusätzlich um 13 Uhr angeboten. Dann saßen alle Gäste zum Essen gemeinsam an einer großen Tafel. – Wie sehr würden wir uns heute über ein unbeschwertes gemeinsames Mahl an einer großen Tafel freuen! –

Plakat: „Hotel zum Brusttuch“, Lithographie, G. Keune, um 1900, Sammlung Goslarer Museum

Die Geschichte des Hauses bewahrt zudem einen bergmännischen Hintergrund: Denn das heute wegen seines riesigen und sehr spitzen Daches als Brusttuch (dreieckiges Tuch) titulierte ehemalige Wohnhaus, wurde 1526 im Auftrag von Johannes Thiling erbaut, ein Mann, der ein bedeutender Gruben – und Hüttenbesitzer war. Mit seinen aufwendigen Schnitzereien zeugt es vom Reichtum seines Besitzers, der einem alteingesessenen Patriziergeschlecht entstammte, einen juristischen Magistergrad erworben hatte und zeitweise Stadtsyndikus in Goslar war.

Reisegesellschaft auf den Bergwiesen vor dem Polsterberger Hubhaus, Zirkler, um 1900,
Sammlung Oberharzer Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld

Nach 1900 führte der Bahnverkehr dem Harz immer größere Ströme von Reisenden zu, die sich in der Sommerfrische erholen wollten. Auch Berg- und Hüttenwerke, die noch in Betrieb waren wurden von den Reisenden besucht. Aber manches, ursprünglich nur für bergbauliche Zwecke genutzte Gebäude, wurde nun anderen Zwecken zugeführt. Denn fallende Weltmarktpreise und die zunehmende Erschöpfung der Erzlager führten ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Schließung vieler Harzer Gruben und sukzessive begann bereits die Umnutzung von Bergbauanlagen für touristische Zwecke. So boten auch die Zechenhäuser den Fremden Aufenthalt und Nahrung und den Einheimischen ein Einkommen. Denn ursprünglich war mit der „Aufnahme“ (Inbetriebnahme) einer Grube immer auch ein Zechenhaus errichtet worden. Diese Zechenhäuser waren zugleich Wohn-, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude. Hier hatten die Steiger ihre Dienstzimmer und die Bergleute versammelten sich zur Andacht. Im Zechenhaus wohnte ein Wärter, Hutmann genannt, der auch die Erlaubnis zum Bierausschank hatte. Dieser Umstand und der urwüchsige Charme der einfachen Waldwirtschaften machten die  Zechenhäuser bald zu einem beliebten Ausflugsziel für Reisende aller Art.

Im Jahr 1911 schreibt der Geh. Reg.-Rat Dr. Stegemann aus Braunschweig über das Wirtschaftslebendes Harzes: „Nicht weniger als 27 000 Schweine, 40 000 Ferkel, über 5000 Stück Rindvieh und 7000 Schafe wurden im Jahr 1907 in den Harzstationen zur Entladung gebracht. (…) Der Bierumsatz hat sich in demselben Zeitabschnitt von 5000 Tonnen auf 10 000 Tonnen … vermehrt. Daß der Harz trotz seiner rückgängigen bergbaulichen Produktion in der Lage ist, in so bedeutendem Maße zu konsumieren, ist in der Hauptsache auf das Aufblühen des Fremdenverkehrs zurückzuführen, der allein einen dauernden und ausreichenden Ersatz für die geschwundene Bedeutung des Bergbaus bieten zu können scheint.“[1]

Heute ist der Tourismus für den Harz und die Stadt Goslar ein noch bedeutenderer Wirtschaftszweig geworden. Die Bewohner leben für und mit den Reisenden und freuen sich darauf das anstehende Stadtjubiläum gemeinsam feiern zu können. Mit Umsicht, Besonnenheit und Gestaltungskraft wird es sicherlich möglich sein, das Fest auch in Pandemiezeiten angemessen zu begehen. Unterstützen Sie die Stadt Goslar und ihren Hausberg den Rammelsberg dabei!


[1] „Das Wirtschaftsleben des Harzgebietes“ Vorträge zur Vorbereitung und Durchführung einer Studienfahrt durch den Harz im Winterkursus 1910/11, Hrsg.: Vereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung, Berlin 1911, Selbstverlag, S. 16

Weihnachtsgruß 2021

Es sind nur noch wenige Tage bis zu den Feiertagen und dem Jahresende. Eine traditionelle Zeit, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken und in die Zukunft zu schauen. In seiner Weihnachtsbotschaft meldet sich per Video der Geschäftsführer der Weltkulturerbe Rammelsberg GmbH und Direktor der Stiftung UNESCO-Welterbe im Harz, mit guten Wünschen, einem Rückblick auf das Jahr 2021 und einen kleinen Ausblick auf das Jahr 2022. 

Wir wünschen allen frohe Feiertage und einen guten Rusch in das neue Jahr. 

 

Sicherung von Teilbereichen des Stollenausbaus in der „Inneren Umfahrung“ der Tagesförderstrecke des Weltkulturerbes Rammelsberg

Die „Innere Umfahrung“ ist eine rund 190 m lange Strecke im Grubengebäude des Weltkulturerbes Rammelsberg, die ein abbaubedingtes Bergsenkungsfeld mit Streckenverbruch[1] der ursprünglichen Tagesförderstrecke südwestlich umfährt. Die Strecke wurde 1961 aufgefahren[2] und umfährt bis rund 300 m hinter dem Mundloch in südwestlicher Richtung in einem Abstand von rund 30 m die ursprüngliche Tagesförderstrecke.


Lageplan der Inneren Umfahrung (rot) innerhalb der Tagesförderstrecke (gerade Strecke oberhalb der roten Linie) des Weltkulturerbes Rammelsberg mit Blickrichtung Südost. Bearbeitung des Grubenrissausschnittes: Plejades, 2020.

Situation in der Inneren Umfahrung vor den Sicherungsarbeiten. Auf der Sohle (am Boden) und zwischen den Schienen liegt Gestein, dass aus den Stößen (Seitenwänden) und der Firste (Decke) abgeplatzt ist. Foto: Plejades, 2020

Die innere Umfahrung ist Bestandteil des heutigen Besucherbergwerkes. Sie wird nicht als Besucherweg, sondern als Fluchtweg und Wetterstrecke[3] genutzt.

Die Strecke ist nahezu vollständig mit Stahltürstockausbau mit Verzug[4] ausgebaut. Teilweise wurde auch mit Netzverzug[5] geankert. Insbesondere der Verzug wurde vielfach bereits nachgearbeitet und teilweise durch neue Verzugsebenen zusätzlich gesichert. Teilweise wurde auch ein neuer Innenausbau mit Stahl-Rundbögen gestellt und neu verzogen. Trotz der Reparaturen waren Teile des Holzverzugs instabil geworden. Aus der Firste und aus dem Stoß fiel Gestein auf die Sohle.[6]  

Die Strecke führt mittig ein 600er Grubengleis[7] und ist an das Grubenbahnsystem angeschlossen.


Teilstrecke in der Inneren Umfahrung mit Türstockausbau und Grubengleis. Foto: Plejades, 2020

Nach Beratungen und Ortsbesichtigungen mit Frau Dr. Malek-Custodis vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Herrn Jörg Dieber von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Goslar und Dipl.-Ing. Matthias Bock (Plejades) wurden vom technischen Leiter des Weltkulturerbes Rammelsberg, Herrn Ralf Siegemund, in Zusammenarbeit mit der Fa. MEC GmbH aus Herne, folgende Sicherungsmaßnahmen vorgeschlagen:

Innerhalb von Bereichen mit besonders geschädigten/beanspruchten Firstverzug[8] wird ein Stahlausbau gestellt und mit Stahlblechen in der Firste und am Stoß[9] verzogen. Der vorhandene Altausbau wird nicht verändert. Stempel und Kappen[10] erhalten maximal die gleiche Ausbauqualität wie der vorhandene Ausbau. Der Ausbau sollte möglichst an dem vorhandenen Ausbau anliegen und verkeilt werden.


Skizze der geplanten Ausbauweise (Plejades, 2021).

In den alten Stahlausbau wurde ein neuer Stahlausbau gestellt. Der neue Stahlausbau wurde fest an den alten Ausbau angedrückt. So konnte der alte Ausbau erhalten werden, während der neue Ausbau die Firste und den Stoß sichert. Die vorhandenen Hohlräume in der Firste, die über den alten Verzugsblechen vorhanden waren, wurden mit Baustoffsäcken verfüllt. Dadurch wurde zwischen der Ausbaufirste und dem darüber anstehende Gebirge eine feste Verbindung (Berganschluss) hergestellt werden. Die Baustoffsäcke wurden bei Auflegen aufgeschlitzt und mit Wasser befeuchtet.


Aufgesetzte Kappen und Riffelschienen mit aufgelegten Blechen als Firstverzug.
Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg, 2021.

Übergang vom „alten“ Ausbau zum neuen Ausbau. Der neue Ausbau ist an den Stößen mit Blechen verzogen, beim alten Ausbau (rechts) ist der Holzverzug zu sehen. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg, 2021.

Neue, verstellbare Ausbaustempel mit Unter- und Oberstempel.
Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg, 2021.

Durch das in der Inneren Umfahrung am Weltkulturerbe Rammelsberg angewandte Verfahren der Streckensicherung konnte der historische Streckenausbau erhalten werden, bei gleichzeitiger Sicherung einer wichtigen Flucht- und Wetterstrecke für das Besucherbergwerk. 


[1] Durch den bergmännischen Abbau und durch geologische Bedingungen kommt es in der Strecke bis heute zu Verwerfungen, durch die Gestein aus der Decke oder den Seitenwänden in die Strecke fällt.

[2] Auffahren = Ausbau einer Strecke unter Tage.

[3] Wetterstrecke = Belüftungsstrecke

[4] Stahltürstockausbau = Sicherung der Strecke durch Stahlrahmen, die in Form eines Türrahmens (Türstock) in die Strecke gestellt werden. Verzug = Zwischenraum zwischen den einzelnen Stahlrahmen, der durch Bleche ausgefüllt wird.

[5] Einsatz von großen Stahlnetzen, die mit Ankern an das Gebirge festgemacht werden.

[6] Firste = Decke; Stoß = Seitenwand; Sohle = Boden.

[7] 600er Grubengleis = Der Abstand der beiden Gleisschienen voneinander beträgt 600 mm (Schmalspur). 

[8] Firstverzug = Verzug in der Decke

[9] Stoß = Verzug an den Seitenwänden

[10] Stempel = Stahlträger für den Ausbau; Kappen = Obere Auflagefläche des Stahlträgers.

Die obertägigen Bauwerke des Rammelsbergs in Goslar: Vom montanindustriellen Komplex zum Welterbe der UNESCO. Erfassung und Modellierung von komplexen Baudenkmalen

Dieses Projekt zur Erfassung der Tagesanlagen des Weltkulturerbes Rammelsberg ist ein Gemeinschaftsprojekt des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD) und der Technischen Universität Braunschweig – Institut für Bauwerkserhaltung und Tragwerk in Kooperation mit der Weltkulturerbe Rammelsberg Goslar GmbH.  Das Projekt wird durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur in der Förderlinie Pro*Niedersachsen gefördert.

Ziel des Projekts ist es, die obertägigen Bauwerke des Erzbergwerks in ihrem Bestand systematisch dreidimensional in einem virtuellen Modell zu erfassen und mit Archivquellen abzugleichen, um die Baugeschichte der Anlage vollständig und vertieft rekonstruieren und darstellen zu können. Das Weltkulturerbe Rammelsberg wird in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der TU-Braunschweig und des NLD das entstehende virtuelle Entwicklungsmodell mit historischen Informationen aus Bild- und Textquellen bestücken.

Entwurfszeichnung zum Bau der Erzaufbereitungsanlage am Erzbergwerk Rammelsberg aus den 1930er Jahren. Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg. Foto: TU-Braunschweig, 2021.

Hierzu werden historische Planungsunterlagen und Bauakten, aber auch historische Fotos aus der Erbauungszeit, denn 1930/40er Jahren, ausgewertet. Denn ein wichtiges Projektziel ist die Veranschaulichung der Baugeschichte der Tagesanlagen in dem virtuellen Modell. Unter der Leitung von PD. Dr. Ulrich Knufinke (NLD) und Dr. Sebastian Hoyer (TU-Braunschweig widmen sich die Doktorandin Antonia Zöllner (Architektur/Bauwerkserhaltung, TU-Braunschweig) und Dr. Yahya Ghassoun (Vermessungskunde/ Photogrammetrie, NLD) in Zusammenarbeit mit Dr. Johannes Großewinkelmann (Weltkulturerbe Rammelsberg) dabei der Aufgabe, die obertägigen Anlagen detailliert zu dokumentieren. Sie erstellen ein 3D-Modell, das sowohl die bauliche Entwicklung des Komplexes sichtbar macht, als auch als eine „dreidimensionale Datenbank“ fungiert. Auf der Grundlage des maßstäblichen 3D-Modells können Informationen zur Baugeschichte (historische Pläne, Fotos, textliche Archivalien etc.), zur Funktion der einzelnen Bauteile und Ausstattungen sowie zu Materialien und Konstruktionen gesammelt und räumlich kontextualisiert werden.[1]

Das Modell bietet dann auf verschiedenen Ebenen ein umfangreiches Informationsangebot: Dezidiert können denkmalpflegerische Maßnahmen geplant werden; in Notfällen, z.B. bei Feueralarm, liefert das Modell der Feuerwehr anschaulich ein Überblick zum Gebäudeensemble und in einer vereinfachten Form wird das Modell für Besucher des Weltkulturerbes Rammelsberg die Möglichkeit bieten, sich über die Entstehung und Entwicklung der Gebäude der Tagesanlagen zu informieren.

Entwurf eines virtuellen 3-D-Modells vom Magazingebäude. Foto: TU-Braunschweig, 2021

Das Modell macht die Geschichte der obertägigen Bauteile des Erzbergwerks Rammelsberg unmittelbar anschaulich und verdeutlicht die historischen und funktionalen Bezüge der bestehenden und verlorenen Bauteile untereinander. Zur Entwicklung des virtuellen Modells wurden bereits umfangreiche Vermessungen der Tagesanlagen durch neue Laser‐Scans und Luftbilder des Baubestands durchgeführt. Hierbei arbeitete das Institut für Bauwerkserhaltung und Tragwerk mit dem Unternehmen denkmal3D und dem Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen zusammen.

Mit Drohnen wurden die Luftbilder der Tagesanlagen aufgenommen. Foto: Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen, 2021.
Stationäre Laser-Scanner werden an verschiedenen Punkten auch im Außenbereich aufgestellt, um die Aufnahmen mit der Drohne zu ergänzen. Foto: denkmal3D, 2021.
Laser-Scanning in der Erzaufbereitungsanlage. Foto: TU-Braunschweig, 2021.

 „Die Komplexität der Baulichkeiten und der darin einst abgelaufenen Erzabbau- und Verarbeitungsprozesse kann anhand des 3D-Modells klar veranschaulicht werden. Die Verknüpfung der oben geschilderten aktuellen Dokumentationsmethoden und des 3D-Daten-Modelling zur Erfassung und Erhaltung eines komplexen montanen Industriedenkmals ist ein sowohl methodisch als auch technisch innovatives Vorhaben, das für die Forschung und die Denkmalpflege eine Pilotfunktion haben kann.“[1]


[1] Ebda., S. 65.


[1] Vgl. Andreas Bauerochse, Yahya Ghassoun, Sebastian Hoyer, Ulrich Knufinke, Andreas Nüchter, Volker Platen, Antonia Zöllner: Dokumentation der Erzaufbereitung am Rammelsberg. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, H. 3 (2021), S. 63 – 68, S. 64.

Die Rekonstruktion des Kanekuhler Kehrrades im Roeder-Stollen

In einem Blogbeitrag vom 5. März 2021 habe ich bereits den langen Weg des geplanten Austausches der Vollholzradwelle des Kanekuhler Kehrrades im Roeder-Stollen beschrieben. Beim Ausbau der alten Radwelle stellte sich im September 2020 heraus, dass das gesamte Kehrrad, mehr als bis dahin angenommen, von Fäulnispilz geschädigt war. Das Kehrrad drohte im Betrieb instabil zu werden.
Eine neue Rekonstruktion des Kehrrades war unumgänglich.  

Bereits beim Ausbau der alten Radwelle wurden zusätzliche Schäden durch Braunfäulnispilze am Radschloss, durch das die Radwelle in das Kehrrad geschoben wird, festgestellt. Der Pilzbefall war stellenweise aufwärts bis in die Haupt- und Sticharme des Kehrrades vorgedrungen. Es sollten zunächst nur die betroffenen Bereiche der Radarme ausgetauscht werden.

Die dunklen Flecken im Holz des Radschlosses zeigen bereits den massiven Befall des Holzes mit dem Braunfäulniserreger. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg (J. Großewinkelmann), 2020.

Weitere Untersuchungen vor dem Einbau der neuen Radwelle ergaben dann die bittere Wahrheit, dass die Stabilität des gesamten Kehrrades aufgrund des Fäulnispilzbefalls gefährdet war. Dieses wurde durch ein Holzgutachten bestätigt.

Im Herbst 2020 musste dann der ursprüngliche Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung entsprechend abgeändert und die Rekonstruktion des bereits 1996 rekonstruierten Kanekuhler Kehrrades beantragt werden.

Im Frühjahr 2021 liefen die Arbeiten zur Demontage des alten Kehrrades an. Das alte Kehrrad wurde hierfür komplett eingerüstet. Bei der Demontage des instabilen Kehrrades musste die Statik der Radkonstruktion berücksichtigt werden, um ein unkontrolliertes Zusammenbrechen des Kehrrades zu verhindern.

Ansicht des eingerüsteten Kanekuhler Kehrrades von oben. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg (J. Großewinkelmann), 2021.
Der erste Schnitt zur Demontage des alten Kehrrades. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg (R. Siegemund), 2021.

Bis zum September 2021 wurde das rekonstruierte Kehrrad in der Mühlenbauerwerkstatt Schumann in Mulda bei Freiberg erstellt und provisorisch aufgebaut, um es anschließend in transportable Einzelteile für die Montage unter Tage zu zerlegen.

Vormontage des neuen Kanekuhler Kehrrades auf dem Gelände der Mühlenbaufirma Schumann in Mulda. Foto: Mühlenbau Schumann Mulda, 2021.

Ende September wurde das zerlegte Kehrrad nach Goslar zum Weltkulturerbe Rammelsberg transportiert. In neun Tagen wurden ca. 500 Einzelteile unter Tage in der Kanekuhler Kehrradstube zu einem fertigen, betriebsbereiten Kehrrad zusammengesetzt.

Anlieferung der Einzelteile des Kehrrades auf einem LKW. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg (J. Großewinkelmann), 2021.
Verladung der Einzelteile. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg (J. Großewinkelmann), 2021.
Die neue Radwelle des rekonstruierten Kanekuhler Kehrrades wird nach unter Tage gebracht. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg (M.Wetzel), 2021.
Das neue Kanekuhler Kehrrad wird in der Radstube montiert. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg (M.Wetzel), 2021.

Am 7. Oktober 2021 wurde das fertiggestellte neue Kanekuhler Kehrrad erstmalig in Betrieb genommen und am 20. Oktober 2021 erfolgte die endgültige technische Abnahme. Seitdem können die Besucher des Weltkulturerbes Rammelsberg das Kanekuhler Kehrrad bei den Führungen im Roeder-Stollen wieder in Betrieb erleben.

Das Magazin – Lagerhaltung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Schon in der Antike war Lagerhaltung überlebenswichtig. Das galt anfangs vor allem für Lebensmittel. Je weiter sich das Handwerk spezialisierte und die Industrialisierung fortschritt, desto wichtiger wurde auch die Bevorratung mit Zubehör für Werkzeug und Maschinen und die damit verbundene Dokumentation.

Für den Bergbau galt dies vor allem für Gegenstände des Unter- und Übertagebaus, damit bei Ausfällen schnell auf Ersatzteile zugegriffen werden konnte und somit ein reibungsloser Ablauf gesichert war.

Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt konnte die Beschaffung von benötigten Materialien beschleunigt werden. Online-Bestellungen, Express-Lieferungen sowie die automatische Überwachung der Bestände machten eine eigene Lagerhaltung überflüssig.

Nachteil dieses inzwischen weltweit praktizierten Systems ist die Abhängigkeit vom Funktionieren der Lieferketten oft über Kontinente hinweg und dem Zugriff auf Rohstoffe. Die Produktionsverlagerung in Niedriglohnländer führte teilweise zu einer Qualitätsminderung der Produkte. Diese und weitere Argumente werden die wirtschaftlichen Akteure, auch aufgrund der COVID-19-PANDEMIE und steigenden Nachhaltigkeit, zum Überdenken des derzeitigen Systems zwingen. Dennoch lässt sich die Magazinhaltung am Rammelsberg als Relikt charakterisieren, das einen Blick in die Vergangenheit der Lagerhaltung erlaubt. Im Gegensatz zur heutigen minimalistischen und hochkomplexen Lagerhaltung handelte es sich bei dem Magazin um einen Ort der Aufschluss über die Materialwirtschaft eines Bergwerks in den 1950er bis 2000er Jahren gibt.

Situation am Rammelsberg

In den 1920er Jahren gab es noch kein Magazingebäude. Die benötigten Materialien wurden jeweils in sogenannten “Materialienschuppen” vor Ort eingelagert.


Lageplan mit dem alten Materialschuppen; 
 in Gelb skizziert: der Grundriss der neuen Aufbereitungsanlage, um 1935.

Diese unübersichtliche Situation sollte durch eine Zusammenlegung in einem Magazin behoben werden. Mit der steigenden und immer stärker mechanisierten Förderung ergab sich am Rammelsberg die Notwendigkeit nach zusätzlichen Materialschuppen. Dies erforderte eine erweiterte Lagerhaltung, die sich wohl als unstrukturiert erwies. 1927 wird so in einem Aktenvermerk festgestellt, dass durch den Einbau von Regalen in einem Materiallager eine gewisse Übersicht hergestellt werden konnte.

Parallel dazu bestand ein System von speziellen Magazinen. Beispiele hierfür sind die Sprengstoff-Arsenale, die auf jeder aktiven Sohle des  Erzbergwerks vorhanden waren oder das Lager für Reagenzien an der Aufbereitung. Ziele waren unter anderen die Vermeidung langer Arbeitswege sowie die Eingrenzung von Gefahren.


Beispiel eines Sprengstofflagers unter Tage, um 1930.

Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 nahm der Rammelsberg wegen seiner umfangreichen Buntmetall-Vorkommen eine zentrale Rolle in der Kriegsplanung ein. Durch das sogenannte „Rammelsbergprojekt“ sollte die Förderung, Aufbereitung und Verarbeitung erheblich ausgeweitet werden. Im Rahmen der Neubaupläne wurde auch ein zentrales Magazingebäude vorgesehen . Den Auftrag erhielten 1935 die Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer, die führend auf dem Gebiet der Industriearchitektur waren. Die Fertigstellung des Magazins erfolgte 1939, doch es erhielt nie eine baupolizeiliche Abnahme.

Das Magazingebäude

Das Magazingebäude bildet eine bauliche Einheit mit dem parallel gelegenen Zechenhaus einschließlich der Lohnhalle. Der erste Bau schließt den dazwischenliegenden „Ehrenhof“ nach Norden, der zweite nach Süden ab. Die westliche Begrenzung ist durch die Rammelsberger Straße gegeben. Der östliche Bereich wird durch die höhergelegene Werkstraße begrenzt, so dass die obere Etage des Magazingebäudes von der Werkstraße aus ebenerdig begehbar ist.


Aufsicht auf die Gebäudeeinheit von Magazin und Zechenhaus, 1941.

Der Bau wurde 1937 begonnen. Allerdings gab es diverse Probleme, so dass sich der Einzug der Lagerbestände in das Magazingebäude bis März 1939 hinzog. Noch im August 1939 wurden Planungs- und Baumängel festgestellt, u. a. eine fehlende statische Berechnung. Diese wurde einerseits durch eine zeitliche Verzögerung des Briefwechsels, aber auch durch die Einberufung des Sachbearbeiters nach Kriegsbeginn verursacht. Weiter wurde bei der baupolizeilichen Prüfung die überschrittene Belastungsgrenze des Blechlagers beanstandet ebenso wie die nicht übereinstimmen Maße des Plans. Aus diesem Grunde wurde im Oktober 1940 die behördliche Abnahme verweigert. Die Mängel bestnden bis Kriegsende, da im Juni 1944 von einem unveränderten Zustand des Magazingebäudes die Rede war.

Als Begründung dieser Mängel wird in den vorliegenden Akten darauf hingewiesen, dass im Verlauf der Baumaßnahmen vor allem ein Material- und Arbeitermangel bestand sowie bestimmte Vorschriften erst nach Baubeginn des Gebäudes in Kraft traten, die dann  Verzögerungen bei der Ausführung führten.

Trotz dieser Mängel erfolgte im März 1939 der Umzug in das neu erstellte Gebäude. Folgende Materialien waren zur Einlagerung vorgesehen:

Im Obergeschoss:                 
Schrauben, Eisen, Schwellen, Schienen, Rohre, Unterlegplatten, Drahtseile, Verbindungsstücke, Ventile, Fette, Dielen, Sauerstoff, Gas und Nieten.

Im Mittelgeschoss:               
Elektrische und diverse kleine Materialien, Bohr-Ersatzteile und kleinere Ersatzteile für die Aufbereitung.

Im Untergeschoss:               
Zement, Dachpappe, Gips, Drahtgeflecht und die schweren Ersatzteile für die Aufbereitung.

Außerdem beherbergte der drei Etagen umfassende Bau noch einen Lokschuppen, einen Schulungsraum, einen Fahrradstellplatz sowie mehrere Büroräume. Damit ergab sich eine multifunktionale Nutzung.


Querschnitt des geplanten Magazingebäudes, 1938.

Über die Verwaltung der Magazine gibt es keine Hinweise in den hier vorliegenden Akten; nur an einer Stelle wird ein Herr Sander als Verantwortlicher für den Einzug ins Zentralmagazin benannt.  Zu den Materialanforderungen findet sich ein Formular für Seife und Seifenpulver, so dass von einer genauen Buchführung ausgegangen werden kann.

Während der Kriegsjahre kam es durch Zuweisungen von mehr als angeforderten Zwangsarbeitern zeitweise zu Unterbringungsschwierigkeiten, so dass der Fahrradkeller als provisorisches Lager für Ost-Arbeiter diente.

Zwangsarbeiter berichteten später, dass die zugeteilten Tabakwaren außerhalb des Magazins untergebracht waren und von ihnen gestohlen werden konnten, indem sie ein Fenster manipulierten.

Die Aktenlage am Rammelsberg

Eine wichtige Stütze zur historischen Aufarbeitung der Magazin-Geschichte bilden technische Zeichnungen und Baupläne. Schriftliche Notizen über und aus dem Arbeitsalltag sowie Zeitzeugenberichte stellen eine Seltenheit dar. Somit können Informationen über Zeit, Lage und Größe des Magazins nur indirekt erschlossen werden.

Probleme ergaben sich einerseits aus dem Papiermangel und der -qualität vor allem während der Kriegszeit, der dazu führte, dass Rückseiten früherer Dokumente als Schreibmaterial erneut verwendet wurden. Ebenfalls führte das beidseitig beschriftete Durchschlagpapier zu einer verminderten Lesbarkeit. Eine weitere Schwierigkeit stellten kleine handschriftliche Zettel dar, die aufgrund ihrer individuellen Schreibweise, oftmals auch in Sütterlin-Schrift, kaum verständlich sind.


Beispiel für einen Akteneintrag, 1944.

Zudem wirkte sich der durch den Kriegsdienst entstandene Personalmangel auf die Verwaltung der Akten aus. Dies belegt die teilweise unsortierte Ablage der Dokumente sowie die lückenhafte Archivierung.

Andererseits zeigte sich in der Auswertung die Problematik einer nichtprofessionellen Aufbewahrung, in Form von Verschmutzung, Beschädigung und teilweisen Verlust. Zudem weisen die Missachtung des Aktenverzeichnisses und die Unterbringung an verschiedenen Orten weder eine thematische noch zusammenhängende Archivierung auf.

Die aktuelle Aufarbeitung der Geschichte des Rammelsberger Magazins gibt einen neuen Einblick in vergangene Arbeitsweisen und Entwicklungsprozesse bis 1945. Die weitere nachkriegsbedingte Veränderung der Magazinnutzung soll in einem weiteren Blog-Artikel thematisiert werden.

Ein Beitrag der Studierendengruppe der Leibniz Universität Hannover SS 2021:
Nils Radunz, Larissa Schäfer, Monika Wergandt

Authentizität und Virtualität

Schön, dass wir uns wieder mit Ihnen als reale Personen treffen können.

Monate der Schließung liegen hinter uns. Wochen der Kurzarbeit für viele Kolleginnen und Kollegen. Und ein Museum, das zahllose Tage keinen Besucher gesehen hat.

Wir sind mit Ihnen in Verbindung geblieben, allerdings war dies über lange Zeit nur virtuell möglich. Digitale Ausstellungseröffnungen, Diskussionsveranstaltungen und Projektpräsentationen im Netz, Infobriefe und Newsletter und einen kontinuierlichen Gesprächsfaden in den sozialen Medien.

Seit Mitte März können Sie unser Welterbe wieder mit eigenen Augen anschauen, die Moderation durch unsere Grubenführer live hören und die authentischen Orte unter Tage besuchen.

Das Weltkulturerbe Rammelsberg ist wieder das, was es ist: Ein authentischer Ort, der nur durch unmittelbarer Begegnung wirklich erfahrbar ist.

Von März bis Mai dieses Jahres haben Sie unserer Kulturangebote nur sehr verhalten angenommen. Fehlende Rahmenbedingungen im Hotel- und Gastronomiegewerbe sowie eine tagesaktuelle Testpflicht haben sicher das Ihrige dazu beigetragen.

Umso mehr freuen wir uns, dass Sie seit Anfang Juni wieder so zahlreich zu uns kommen. Ja, wir müssen uns auch weiterhin an Abstandsregeln und Maskenpflicht halten. Ja, die Gruppengrößen unter Tage sind kleiner und nicht alle Bereiche können in den Tiefen des Berges besichtigt werden.

Aber wir haben vieles für Sie vorbereitet. Die neue Sonderausstellung „Reisen in den Schoß der Mutter Erde- Montantourismus im Harz“ präsentiert Ihnen beispielsweise den Harz in der Wende vom 19. in das 20. Jahrhundert, die Besucherbahn fährt in offenen Wagen in den Berg und auch im Roeder-Stollen wird sich ab Mitte Oktober das große Wasserrad, das Kanekuhler Kehrrad, wieder für Sie drehen.

Wir sind uns einig, Kultur ist mehr als ein gesellschaftliches Ad-On, sie ist die Basis eines gemeinsames Werte- und Handlungshorizonts.

Kulturelle Aktivitäten befrieden Wissen, Neugier und den Wunsch nach Begegnung mit anderen Menschen und Ideen. Kultur ist eine Brücke zu vergessenem „Bekannten“ und zu uns gänzlich scheinbar fremden Ausdrucksformen und Objekten.

Kultur hinterfragt den uns allen innewohnenden Egoismus – jeden Tag ein bisschen.

Sowohl die Corona-Krise als auch die jüngste Flutkatastrophe im Westen Deutschlands lässt uns den Verlust von selbstverständlich geglaubter Sicherheit fühlen. Verhaltensweisen, die nie in Frage standen, müssen revidiert werden, gewohnte Umgangsformen und Umwelten lösen sich gleichsam auf.

Viele von uns reagieren darauf mit einem Forderungskatalog an die Organisationen von Staat und Gesellschaft und mit dem Drang ihr eigenes egoistisches Modell des persönlichen Glücks so weiter zu leben, wie sie es für richtig halten.

Ob Hochwasser oder Corona, beide Krisen erfordern zu ihrer Überwältigung die grundsätzliche Bereitschaft jedes einzelnen zum Lernen und zu Veränderung.

Die Bewahrung gesellschaftlicher Solidarität ist in ihren Grundlagen ein Langzeitprojekt, das den authentischen Menschen erfordert.

Welterbe sein ist genau in diesem Kontext unser Bildungs- und Vermittlungsauftrag.

Seien Sie willkommen zum Dialog.

Bilder vom Harz – Zwei Maler der Romantik und der aufkommende Tourismus

In der Sonderausstellung „Reisen in den Schoß der Mutter Erde – Montantourismus im Harz“ präsentieren wir im fünften von insgesamt neun Museumsräumen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten, Originale, Drucke und Reproduktionen der Maler Friedrich Wilhelm Saxesen (*1792 – †1850) und Wilhelm Ripe (*1818 – †1885).

Beide Maler veräußerten ihre Kunstwerke an Reisende, nicht nur die Originale, sondern vor Allem die kostengünstigen und leichter zu transportierenden Drucke. Denn der nahezu unendlich zu vervielfältigende Stahlstich hatte Anfang des 19. Jahrhunderts endgültig die Drucktechnik des Kupferstichs abgelöst.

Wilhelm Ripe

Der Maler Wilhelm Ripe stammte aus Hahnenklee und ging in Clausthal zur Schule. Zu seinem Repertoire gehörten Gemälde von Städten und Landschaften des Harzes. Ripe malte diese Szenerien vor und der Stecher Albert Schule übertrug die Gemälde auf die Stahlplatte. Besonders durch die Sommerfrischler, Reisende, die über den Sommer der Enge der Städte entflohen, war die Nachfrage nach Souvenirs angewachsen. Also druckte und verkaufte die Goslarer Kunstanstalt und Verlags-Buchhandlung Ed. Brückner Ripes Stahlstiche einzeln oder als Mappe in sogenannten „Harz-Alben“, aber auch Briefpapier, Carte de Visite (Bildkärtchen) oder bedruckte Notizbücher fanden reißenden Absatz bei den Touristen.

Ripes Kunstwerke wirken wie spontan vor Ort skizzierte und später detailgetreu und sorgfältig ergänzte Momentaufnahmen, da sie häufig mit den in der Landschaft oder im städtischen Raum wirkenden Menschen bevölkert sind. Doch jedes Bild von Ripe wurde sorgfältig komponiert, ist oft inhaltlich vielschichtig und konstruiert nach dem „Goldenen Schnitt“. So kann der Bildbetrachter verschiedene Perspektiven einnehmen, sowohl kompositorisch, als auch inhaltlich.

Das Polstertal, Wilhelm Ripe, Sammlung Stadtarchiv Goslar

Der damals in der Regel wohlhabende Reisende kann sich selbst in den Bilder wiederfinden, häufig kontrastiert mit Menschen aus der Harzer Arbeitswelt. So finden sich beispielsweise bei genauerem Hinsehen auf einem Stahlstich des Polstertals bei Altenau sowohl Touristinnen beim Vergnügen auf einer Wiese, als auch die einheimischen Kiepenfrauen, die in ihren Kiepen auf dem Rücken Waren transportieren. Diese Frauen waren häufig mit Bergmännern verheiratet und konnten so für ihre Familie einen einträglichen Nebenerwerb erwirtschaften. Auch trugen sie neben diversen Waren die Taschen und die Ausrüstungen der Harzreisenden.

Die bergbauliche Blütezeit im Harz war zwar im 19. Jahrhundert vorüber, doch am Rammelsberg wurde 1856 ein neues Erzlager entdeckt. Grundsätzlich waren jedoch auch in Goslar die zusätzlichen Einnahmen durch die Reisenden sehr willkommen, da die Bergleute nicht gut verdienten und jedes Nebeneinkommen willkommen war. Der Maler Ripe zeichnete auch die Arbeitswelt des Bergbaus und achtete bei seinen Gemälden auf eine genaue Darstellung der Bergbautechnik und den dazugehörigen Tätigkeiten. Auf vielen Bildern dieses Genres herrscht eine gedrückte Stimmung und auf dem Gemälde „Streckeneinsturz“ kommt neben der Schwermut das Gefühl der Bedrohung hinzu: Nach dem Unglück sind die vom Maler dargestellten Bergleute verschüttet worden. Es ist ein dramatisches Geschehen mit umgestürztem Grubenwagen und Verletzten. Aber sie sind bereits versorgt worden und die Grubenlampen spenden Licht im Dunkel. Es gibt Hoffnung, denn Rettung naht von den über Tage herbeigeeilten Bergleuten. Einer der Eingeschlossenen hat sie bereits bemerkt, während ein anderer noch auf den Knien um Rettung fleht. Ein vielschichtiges Bild, das die täglich vorhandene Gefahr dieser Arbeitswelt und den Zusammenhalt einer gezwungenermaßen verschworenen Gemeinschaft vortrefflich beschreibt. Das Bild gehört zu insgesamt 12 Darstellungen von Stahlstichen zum berg- und hüttenmännischen Arbeiten und Leben, die Ripe zur Bildmappe „Brückners Harz-Berg-Album“ zusammenstellte.

Streckeneinsturz, Wilhelm Ripe, Fotografie der Zeichnung von Zirkler, Sammlung Oberharzer Wasserwirtschaft

Der Künstler wurde also „Chronist“ des damaligen Alltags- und Arbeitslebens des Harzes. Und die Touristen honorierten die qualitativ hervorragenden Drucke. Denn die romantischen, doch detailgetreu gezeichneten Harzszenen verkauften sich gut. Leider bekam der Maler selbst nur einen geringen Lohn und musste an verschieden Goslarer Schulen als Kunstlehrer arbeiten.

Wilhelm Saxesen

Der ursprünglich aus Holstein stammende und später in Clausthal lebende Maler Wilhelm Saxesen gilt heute als einer der wichtigsten Künstler zur Flora und Fauna des Harzes, außerdem schuf er zahlreiche Landschaftsansichten, die, wie die Bilder von Ripe, in Büchern veröffentlicht wurden. Eines der bekanntesten dieser Bücher ist die große Harzmonografie von Dr. Christian Zimmermann: „Das Harzgebirge in besonderer Beziehung auf Natur und Gewerbskunde geschildert – Ein Handbuch für Reisende und Alle, die das Gebirge näher kennen zu lernen wünschen, mit Nachweisungen über Naturschönheiten – In Verbindung mit Freunden unternommen von Dr. Christian Zimmermann“, Darmstadt, Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske, 1834, Kupferstiche von Friedrich Wilhelm Saxesen.

Der Autor Christian Zimmermann schreibt: „In Rücksicht der Auswahl der Landschaftsbilder, die zu diesem Buche gehören, könnte getadelt werden, dass sie vorzüglich dem Oberharze entnommen sind. Es ist dieß aber mit Absicht geschehen, da die schönen Gegenden des Vorharzes und Harzrandes schon vielfach zu künstlerischen Unternehmungen gedient haben, und bei der getroffenen Auswahl wenig bekannte Aussichten und Ansichten geliefert werden sollten.“

Von 1826 bis 1842 unterrichtet Friedrich Wilhelm Saxesen als Zeichenlehrer an der Berg- und Forstschule. Hier lernte er auch den Bergsekretär Zimmermann kennen, ebenfalls Lehrer an dieser Institution. Eine gute Verbindung für gemeinsame Projekte wie Befahrungen mit den Studenten und die Erarbeitung des Handbuchs für Reisende.

Auch Saxesen konnte von seiner Malerei nicht leben und unterrichtete ab 1831 an der Berg- und Forstschule außerdem die Fächer Allgemeine Naturgeschichte, Botanik und Insektologie. Des Weiteren unterrichtete er an der Bergschule Freihandzeichnen und brachte zwei Lehrbücher heraus. Im Nebenerwerb betrieb er einen Handel mit Kupferstichen und Malutensilien aller Art.

Auch sein Malstil ist von der Romantik geprägt, wobei bei ihm weniger das Alltagsleben, als vielmehr die Landschaft und besonders die Natur im Vordergrund stehen. Wie bei Ripe prägen Harmonie und Komposition seine Gemälde. Und auch von vielen seiner Bilder existieren zahlreiche Druckvarianten, die käuflich erworben werden konnten wie von dem Bild „Goslar mit dem Rammelsberg“: Eingerahmt von Bäumen, Buschwerk und Gräsern liegen im Bildhintergrund die Stadt und der Rammelsberg mit seinen Übertageanlagen. Der Blick des Betrachters schweift ins Weite. Im Bildvordergrund sieht man zwei Reiter, ins Gespräch vertieft, die Stadt auf einem Hohlweg verlassend. Links am Wegesrand, mit dem Rücken zum Betrachter, ein Stilmittel der Romantik, dengelt ein sitzender Bauer die Sense. Die Bildkomposition harmonisch ausgleichend sieht man auf der rechten Bildseite einen Bauern, der die Saat ausbringt.

Goslar mit dem Rammelsberg, Wilhelm Saxesen, Grußblatt, Sammlung Goslarer Museum
Goslar mit dem Rammelsberge, Wilhelm Saxesen, Sammlung Goslarer Museum

Besonders eindrucksvoll ist das Ölgemälde „Altenau“, von 1825. Es befindet sich in der Sammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums in Clausthal-Zellerfeld: Zwei Reisende stehen mit dem Rücken zum Betrachter und ziehen so seinen Blick in das Bild hinein. Die Naturbetrachtung wird durch dieses Stilmittel der Romantik intensiviert. Kontrastiert wird das Gemälde zusätzlich durch die Komplementärfarben rot und grün.

Altenau, Wilhelm Saxesen, Sammlung Goslarer Museum

Bitte besuchen Sie die noch bis zum 21. November geöffnete Sonderausstellung und lernen Sie weitere Gemälde und Drucke beider Maler kennen.

Hommage au Rammelsberg – 10 Erzbrocken zur Erinnerung an den Erzbergbau erscheinen nach einer Sanierung wieder im neuen Glanz

Die Aktion

Im Jahr 2000 schlug der Kaiserringstipendiat Christoph Wilmsen-Wiegmann mit seinem Kunstwerk „Hommage au Rammelsberg“ eine eindrucksvolle Brücke zwischen der langen Geschichte des Bergbaus am Rammelsberg und der damit untrennbar verbundenen Geschichte der Stadt Goslar.

Dabei wurden, eingepasst in Stahlrahmen, zehn im Rammelsberg gebrochene und durch den Bildhauer künstlerisch bearbeitete Erzbrocken an neun historisch mit dem Erzbergwerk Rammelsberg verbundenen Orten in der Stadt Goslar positioniert. Ein Erzbrocken wurde direkt am Erzbergwerk Rammelsberg aufgebaut.

Der Künstler

Der Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann wurde 1956 in Kalkar am Niederrhein geboren. Auf der Suche nach der Kulturgeschichte des Steins bereiste er seit 1975 Europa, Nord- und Mittelamerika, Nordafrika und das Baltikum. Er lebt und arbeitet seit 1986 auf dem Niederheeshof in Kalkar-Appeldorn.

Er studierte in Krefeld und Düsseldorf und seit 1982 erstellt Wilmsen-Wiegmann künstlerische Arbeiten für den privaten und öffentlichen Raum. 1994 war Wilmsen-Wiegmann Kaiserringstipendiat in Goslar. 1999 schuf er die Skulptur „Kaiserstuhl“, die zunächst auf dem Bahnhofsvorplatz stand und heute an der Clausthaler Straße aufgestellt ist. Sprichwörtlich am Rammelsberg (in der Aufbereitungsanlage) schuf er im blankliegenden Schiefer einen konkaven künstlerischen Schliff, der durch Verwitterung im Laufe der Zeit von der Natur zurückerobert wird.

Immer wieder hat Christoph Wilmsen-Wiegmann  historische und politische Ereignisse zum Anlass genommen, um Skulpturen zu schaffen, z.B.  mit dem 1996 durchgeführten Projekt „Buchenwaldstempel“ zur Erinnerung an die Ermordung der Juden im Nationalsozialismus. Auch sein aktuell unter dem Titel „22. Juni 1941 – Dialog und Versöhnung – 27  Millionen“ vorgeschlagenes Projekt, auf der Strecke von Berlin nach Moskau zur Erinnerung an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg für jeden der 27 Millionen im Krieg getöteten Sowjetbürger ein Baum zu pflanzen, ist als Akt der Versöhnung zwischen beiden Ländern gedacht.

Die Idee

„Grundidee des künstlerischen Projektes ist die Dokumentation der untrennbaren Verbindung von Rammelsberg und Stadt Goslar sowie der Brückenschlag vom Einst zum Heute. Die einerseits in ihrer aus dem Berg gebrochenen Rauheit belassenen, aber anderseits partiell durch die Hand des Künstlers bearbeiteten und polierten Erzbrocken symbolisieren das Spannungsverhältnis zwischen Mensch, Natur und Technik. Durch die Art der Präsentation in Form eines bei allen zehn Erzbrocken gleichen Passepartouts (Stahlrahmen), innerhalb dessen sich das bei allen Erzbrocken unterschiedliche Spiel von Form, Struktur und Steinfarbe frei entfalten kann, wird ein Wiedererkennungseffekt ausgelöst, und es wird deutlich, dass es sich bei dem Projekt um ein künstlerisches Netzwerk handelt.“[1]  

Erzbrocken am Rammelsberg
Hommage au Rammelsberg, Christoph Wilmsen-Wiegmann, Goslar 2000

Über die geschliffene und polierte Oberfläche der Erzbrocken nehmen diese direkt Kontakt mit den Menschen auf, „da sie diese zum Berühren animieren. Die eingearbeitete Hand steht als Metapher für das Handanlegen der Bergleute. Sie stellt den Bezug zum Menschen und zu seiner Hände Arbeit her. Fast jeder Betrachter hat den Wunsch, seine eigene in die künstlich geschaffene Hand zu legen.“[2]

Bergbau „begreifbar“ machen
Hommage au Rammelsberg, Christoph Wilmsen-Wiegmann, Goslar 2000

Die andere Seite der Erzbrocken ist unbearbeitet und zeigt die schroffe, von der Natur gestaltete Seite des Steins.

Die zehn Erzbrocken stehen für je ein Jahrhundert engster Verbindung des Bergbaus mit der Stadt Goslar und bilden einen Brückenschlag von früher zu heute. Damit sollte im weiteren Sinne ein historischer Bezug zwischen den Menschen, der Stadt und dem Rammelsberg von gestern bis heute hergestellt werden.

Die Sanierung

Längst gehören die Erzbrocken zum Alltagsbild der Stadt Goslar. Jedoch hat die Witterung in den letzten 20 Jahren Spuren an der Farbgebung der Rahmen und der aufgedruckten Beschriftung hinterlassen. In Zusammenarbeit mit Klaus Wache von der Schlosserei Strübing und der Fa. Kreutzer, gefördert durch den Stiftsgüterfond der Stadt Goslar, hat das Weltkulturerbe Rammelsberg die Kunstobjekte aus der Werkserie „Hommage au Rammelsberg“ im Frühjahr 2021 sanieren lassen.
Nach intensiven Gesprächen mit dem Künstler konnte eine konstruktive Lösung gefunden werden, die auch an anderen Kunstwerken in der Stadt praktiziert wird. Um zu verhindern, dass die Beschriftungen auf Hinweisschildern auf den Stahlrahmen den skulpturalen Zusammenhang von Stein und Stahl stören, wurden sie auf ins Erdreich neben dem Kunstwerk eingelassenen Edelstahlplatten aufgebracht. Die Stahlrahmen wurden mit einem neuen Anstrich versehen.


Klaus Wache ( 2.v.r) mit Mitarbeitern der Schlosserei Strübing und Dr. Johannes Großewinkelmann (ganz rechts) vom Weltkulturerbe Rammelsberg neben dem sanierten Kunstwerk „Hommage au Rammelsberg“ auf dem Vorplatz der Klauskapelle an der Bergstraße.  Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg

Parallel erschien ein Infoblatt mit Erklärungen zu allen Standorten, welches auf der Homepage des Weltkulturerbes Rammelsberg und der Homepage der GMG zum freien Download zur Verfügung steht. Außerdem werden aktuell auf der Facebookseite des Weltkulturerbes Rammelsberg die Bezüge der einzelnen Erzbrockenstandorte zum Bergbau vorgestellt.   

Dr. Johannes Großewinkelmann und Dr. Martin Wetzel


[1] Präsentationskonzept von Chr. Wilmsen-Wiegmann.

[2] Begleitbroschüre zur Kunstaktion.  

Erfolgreicher Abschluss der Grubenführerausbildung

Seit Anfang Juli sind 14 neue Grubenführinnen und Grubenführer am Rammelsberg im Einsatz.

Genau ein Jahr davor, im Juli 2020, suchten die Verantwortlichen des Rammelsberges genau diese Verstärkung. Nach erfolgten Kennenlerngesprächen startete am 1. September der Kurs. In einer Phase, in der noch nicht abzusehen war, dass dieser Kurs durch die sich im November 2020 und März 2021 dramatisch zu spitzende Coronalage etwas ganz besonderes werden sollte.

Befahrung Roeder-Stollen (Foto Martin Wetzel)

Als wir im Januar hier im Blog über die „Halbzeit“ des Ausbildungskurses berichteten, stand eine Idee im Raum, den zu diesem Zeitpunkt nicht durchführbaren Praxisteil „Grubenbahnführung“ durch einen Videoprojekt zumindest in Teilen zu ersetzen. Dieses Projekt wurde im Februar umgesetzt. Die Videos, die eigentlich nur als Notlösung gedacht waren, stellten sich in der Folge für die Kursteilnehmer als sehr nützlich dar. Dennoch konnten diese die praktischen Erfahrungen im Umgang mit den Maschinen nicht ersetzen. Ab Ende März starte, ähnlich wie im Herbst zuvor, der praktische Teil in Einzelbefahrungen und später in Kleinstgruppen. Natürlich war auch zu diesem Zeitpunkt der Kurs und dessen Durchführung immer abhängig von den sich teilweise im Wochentakt änderten Hygieneauflagen. Der theoretische Teil der Ausbildung blieb bis zum Schluss digital in Form von Zoom-Meetings.

Prüfung unter Tage (Foto Martin Wetzel)

Trotz der skizzierten Umstände organisierten sich die Teilnehmer selbst in Lerngruppen, die unabhängig vom eigentlichen Kursplan auch digitale Treffen durchführten und sich so untereinander kennenlernen konnten. Nachdem der theoretische Teil absolviert und in Summe knapp 100 Einzel- und Kleinstgruppenbefahrungen der untertägigen Bereiche mit den Teilnehmern unternommen worden waren, ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert und die Sicherheitseinweisung durchgeführt worden war, stand mit den Prüfungen Anfang Juni der Kurs vor seinem Abschluss.

14 Kandidaten meisterten sowohl die schriftliche Prüfung als auch die anschließende praktische Prüfung und stehen somit seit dem 1. Juli den Gästen des Rammelsberges als sachkundige Grubenführer zur Verfügung. Und dies trotz Corona und den damit verbunden Umständen einen Monat früher als vor Jahresfrist geplant.

Seit 1. Juli im Einsatz für unsere Gäste (Foto Martin Wetzel)

Was bei einem abschließenden Bericht nicht fehlen darf, ist der Dank. Herr Dr. Dettmer und Herr Dr. Wetzel bedanken ausdrücklich sich bei allen Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Partnern des Hauses, die den Kurs mit Referaten und Themen nicht nur wertvoll bereichert, sondern erst möglich gemacht haben.  Und der letzte Dank gilt den Teilnehmern des Kurses selbst! Ohne deren Flexibilität, Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit hätte der Kurs nicht zu einem erfolgreichen Ende geführt werden können.

Nach dem Kurs ist vor dem Kurs! Wer grundsätzliches Interesse hat, als Grubenführerin oder Grubenführer am Rammelsberg tätig zu sein oder Fragen zu dieser Tätigkeit oder der Ausbildung hat, der melde sich bitte per Mail unter: wetzel@rammelsberg.de oder telefonisch unter: 05321 750-156.