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Besondere Zeiten, besondere Verantwortung

Nach Zeiten der Kurzarbeit sind wir Rammelsberg-Mitarbeiter an unseren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Wir haben unsere Welterbestätte vermisst und auch den Alltag, der mit unseren Tätigkeiten zusammenhängt.

Nach anfänglicher Freude wieder hier zu sein und spätestens nach einer in ihrer Art ungewohnten Betriebsversammlung in der riesigen Waschkaue, selbstverständlich mit Sicherheitsabstand und Mundschutz, wurde uns klar, dass sich einiges verändert hat. Natürlich hatten wir damit gerechnet, aber es ist immer etwas anderes, sich etwas vorzustellen oder mittendrin zu sein.

Auf dem gesamten Gelände unserer Welterbestätte herrscht Maskenpflicht für die Besucher, aber auch für uns Mitarbeiter. Aber damit kann man leben. An die geforderten Abstandsregeln haben wir uns inzwischen so sehr gewöhnt, dass man sich zum Beispiel beim Anschauen von Filmen immer mal wieder dabei ertappt, wie man eigentlich die Schauspieler auf Übertretungen hinweisen möchte. Und die bei uns aufgestellten Desinfektionsspender können wahrlich nicht übersehen werden.

Die Erzaufbereitung heißt Sie HERZLICH WILLKOMMEN

Nach und nach hat es sich inzwischen herumgesprochen: DER RAMMELSBERG IST WIEDER GEÖFFNET! Und die Besucher kommen und haben – weil noch nicht in Massen – das riesige Gelände fast für sich allein. So können sie loslassen und sich auf Entdeckungsreise begeben:  Zum Beispiel in die Waschkaue mit den Kleiderkörben an der Decke, bei der man den Eindruck hat, dass im nächsten Moment die Bergleute wieder zur Tür rein kommen könnten. Dann geht es hinaus auf die langgestreckte Werksstraße! Von hier aus hat man einen eindrucksvollen Blick auf die Erzaufbereitungsanlage und das Gebäude der ehemaligen Kraftzentrale mit dem Türmchen. Auch findet man zahlreiche Gerätschaften, Schilder, Maschinen und andere Gegenstände mit Arbeitsspuren, die noch aus Betriebszeiten stammen und bisweilen sogar nie ihren angestammten Platz verlassen haben. Dies sind für viele Besucher einmalige Fotomotive.

Museumshaus Erzaufbereitung

Von der Werksstraße aus kann man die Dauerausstellungen im ehemaligen Magazingebäude, in der Kraftzentrale und in der Erzaufbereitung besuchen. Sie bieten allen Besuchern die Gelegenheit noch mehr zu entdecken und stundenlang abzutauchen in naturwissenschaftliche, soziale, kulturelle, technische und historische Themen. Familien mit Kindern erhalten an der Kasse kleine Museumsspiele, die beim Entdecken der „Rammelsberg-Schätze“ helfen, eine abschließende Belohnung inbegriffen. Glücklicherweise ist auch unser Restaurant wieder geöffnet, so dass einer zwischenzeitlichen Stärkung nichts mehr im Wege steht. Die Sonderausstellung „Orte der Arbeit – Gemälde und Grafiken aus der Sammlung Volkmar Neubert“ kann selbstverständlich ebenfalls besucht werden und wurde im Blog von meinen Kollegen bereits ausführlich beschrieben.

Turm der Kraftzentrale

Also es gibt viel zu sehen am Rammelsberg, auch wenn Führungen über – und unter Tage leider noch nicht erlaubt sind und die meisten Programme, Führungen und Aktionen, die im Veranstaltungskalender stehen, leider nicht wie geplant stattfinden können. Und selbstverständlich vermissen wir die Schulklassen und die derzeit herrschende, fast andächtige Stille in der Lohnhalle ist reichlich ungewohnt. Doch was soll´s: Wir sind froh, dass es wieder losgeht, und freuen uns, Sie bald einmal bei uns begrüßen zu dürfen!

Ein Blick in die Sonderausstellung

Die diesjährige Sonderausstellung „Orte der Arbeit“ zeigt verschiedene Bilder und Grafiken aus dem Bereich der Industriemalerei. Das Genre der Industriemalerei ist eng an die Epoche der Industriellen Revolution geknüpft. Die zunehmende automatisierte Arbeit und neue monumentale Produktionsanlagen waren ein oft gewähltes Motiv der Künstler. Die Epoche der Industriemalerei endete Mitte der 1920er Jahre und wurde durch damals noch junges Abbildungsverfahren ersetzt – nämlich der Fotografie, die mit der Industriefotografie ein ähnliches Genre hervorbrachte.
Die zeitliche Begrenzung der Epoche gibt ein wunderbares Zeugnis über die industrielle Produktion und gewährt Einblicke in Verfahren, die es heute nicht mehr oder nur noch ganz selten gibt. Zum Beispiel die Herstellung von Koks, ohne den die industrielle Roheisenproduktion im Ruhrgebiet nicht möglich gewesen wäre.

Engelhard-Kyffhäuser, Lichtbogenabstich (Sammlung Neubert)

In den Anfängen von Verhüttungsprozessen war Holzkohle der einzige Brennstoff, der die nötige Temperatur gewährleisten konnte. Auch im Harz war Holzkohle ein begehrter Brennstoff. Überall entstanden Meiler und Köhlereien, um beispielsweise das am Rammelsberg gewonnene Erz zu verhütten.
Der enorme Bedarf an Holz, veränderte die Landschaft bis zum heutigen Tag. Abholzungen folgten Aufforstungen mit Monokulturen, die beispielsweise auch an vielen Stellen im Oberharz noch heute sichtbar sind. 

Erst im 18. Jahrhundert wurde ein Verfahren zur  Kohleverkokung entwickelt, das fossile Kohle statt Holz als Grundstoff einsetzte und in der Folge flächendeckend ablöste. Das Verfahren ähnelt den althergebrachten Meilerverfahren. Unter Luftabschluss und hohen Temperaturen werden aus  der Kohle verschiedene Bestandteile und Gase entzogen.

unbekannt, Arbeiter auf der Koksbühne (Sammlung Neubert)

Um den wachsenden Bedarf an Koks zu decken wurde er industriell in Kokereien, meist in direkter Nähe zu einem Hochofen produziert. Hergestellt wurde der Koks in mehrerer Meter hohen uns knapp 1.5 Meter breiten Koksöfen. Mehrere solcher Öfen wurden zu einer sog. Batterie zusammengefasst.
Auf der Oberseite wurden die Kammern mit Kohle befüllt. Ein Arbeitsplatz der aufgrund der Hitze und austretenden Gase zu jeder Zeit sehr gefährlich war.

H. Herch, Auf den Koksöfen (Sammlung Neubert)

Der Kammern konnten zu einer Seite hin geöffnet werden. Dort wurde nach dem Fertigungsprozess der Koks hinausgedrückt. Dieser musste sofort mit Waser gelöscht werden, da bei Kontakt mit Sauerstoff sofort ein Verbrennungsprozess einsetzt. Danach erfolgte der Abtransport per Bahn.

Früh erkannte man, dass die der Steinkohle entzogen Gase weiterverwendbar waren. Als Nebenprodukte einer Kokerei fielen so beispielsweise Teer, Ammoniak oder Schwefelsäure an.

Obwohl die Koksherstellung hochgradig automatisiert ablief, bedurfte es immer Menschen, die die Fertigung kontrollierten. Auf mehreren Bildern in der Sonderausstellung „Orte der Arbeit“ können Sie diesen Menschen bei ihrer Arbeit „über die Schulter“ schauen.
Wir freuen uns, dass Sie die se Ausstellung ab dem 13. Mai endlich auch sehen und erleben dürfen. Wir wünschen Ihnen dabei viel Spaß!

Hans Klemke Ausdrücken und Löschen des Koks (Sammlung Neubert)

Zerkleinern, flotieren, entwässern: Wie funktioniert Erz-Aufbereitung?

Die Erzaufbereitung des Rammelsberges schmiegt sich in den Hang. Foto: Stefan Sobotta

Die Aufspaltung des Rammelsberger Erzes in seine einzelnen Komponenten war wegen der feinkristallinen Struktur der Minerale und der engen Verwachsung der Partikel äußerst schwierig. Die Korngröße der einzelnen Minerale liegt bei 0,02 bis 0,04 mm, und auf diese geringe Größe musste das Erz zerkleinert werden, bevor es im Zuge der Flotation – bedingt aufgetrennt werden konnte.

Rammelsberger Erz aus der Serie „Hommage au Rammelsberg“ des Bildhauers Christoph Wilmsen-Wiegmann

Ziel der modernen Aufbereitung am Rammelsberg war daher die Zerkleinerung des Erzes und die Anreicherung der Wertminerale in Konzentraten – Stoffgemischen, in denen jeweils ein bestimmtes Mineral in hoher Konzentration enthalten ist.

Schematische Darstellung des Aufbereitungsprozesses (aus: Erzaufbereitungsanlagen in Westdeutschland, Berlin, Göttingen, Heidelberg 1955.)

Die Metallsulfide rein zu gewinnen war nicht möglich, eben weil ihre Verwachsung mit anderen – wertlosen – Mineralien und auch anderen Metallsulfiden so intensiv war und eine noch so feine Vermahlung die Korngröße zwar reduziert, dies aber nicht zu eine exakten Trennung geführt hätte. So waren die Endprodukte der Aufbereitung Mischkonzentrate, in denen andere Metallsulfide und taubes Material enthalten waren. Aus ihnen aber konnten die Hütten mit vertretbarem Aufwand die gewünschten Metalle erschmelzen.

Detail Rammelsberger Erzaufbereitung. Bedienungsmodule der Backenbrecher. Foto: Bernd Aßmann

Weil die Minerale unterschiedlich große Kristallstrukturen haben, hatte die Art der Verwachsung zudem Einfluss auf den notwendigen Zerkleinerungsgrad und auf den Einsatz der Reagenzien in der Flotation. Kristallgröße und Verwachsungsgrad sowie die Verwachsungsart waren für den Aufbereiter diejenigen Variablen, die er im Aufbereitungsprozess steuern musste, mit dem Ziel, eine größtmögliche Anreicherung in den Konzentraten zu erhalten.

Detail aus der Rammelsberger Erzaufbereitung – Flotationsebene. Foto: Bernd Aßmann

Bedingt durch die Entstehung der Erzlagerstätte setzen sich die Erze recht unterschiedlich zusammen. In früheren Jahrhunderten, als der Abbau unter zahlreiche Betreiber aufgeteilt war, wurden sie in verschiedenen Gruben weitgehend unvermischt gewonnen.

Detail aus der Rammelsberger Erzaufbereitung – Kugelmühlen. Foto: Bernd Aßmann

Im modernen, mechanisierten Bergbau war das Angebot an unterschiedlichen Erzsorten dagegen wesentlich höher und damit auch die Schwankungen der Metallgehalte des geförderten Gutes. Für die Aufbereitung war dies nachteilig, weil der Prozess immer neu nachgesteuert werden musste. Dem suchte der Betrieb zu begegnen indem er den Grad der Vermischung so sehr erhöhte, dass die Schwankungen der Inhaltsstoffe über lange Zeiträume hinweg relativ gering blieben.

Auszug aus dem kürzlich erschienenen Rammelsberger Leitfaden 02: Hans-Georg Dettmer/Herbert Westermann. …das Gute von dem Tauben mit Fleiße absondern – Die Erzaufbereitung am Rammelsberg.
Erhältlich im Museumsshop.

TIPP: Besuchen Sie unsere täglich stattfindende Führung „Vom Erzbrocken zum Konzentrat“

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Wozu dienen Welterbe-Infozentren?

In den vergangenen fünfzehn Jahren ist zu beobachten, wie vielerorts Welterbestätten Besucher- bzw. Infozentren einrichten. Was steckt dahinter und wozu dienen diese?

Von jeder Welterbestätte wird ein Konzept zur angemessenen Vermittlung des außergewöhnlichen universellen Wertes, ihr Beitrags als Teil eines globalen Welterbe-Netzwerks und ihr Bezug zu übergeordneten Themen, wie nachhaltiger Entwicklung erwartet, so die Deutsche UNESCO-Kommission. Wie eine Stätte dies umsetzt, bleibt ihr überlassen. In den vergangenen fünfzehn Jahren zeichnet sich ein deutlicher Trend hin zur Entwicklung von Besucher- und Informationszentren als ein wichtiger Baustein der Welterbevermittlung ab. Zielstellung ist dabei häufig, neben wirtschaftlichen Aspekten, durch moderne Vermittlungsformate möglichst viele Zielgruppen anzusprechen und für das Welterbe zu motivieren. Die Besucher stehen sozusagen im Zentrum des Interesses der Infozentren. Mit Hilfe einer durchdachten Ausstellungsdidaktik sollen die Besucher*innen so vom Welterbe begeistert werden, dass sie sich die authentischen Orte anschließend unbedingt ansehen möchten. Vor Ort werden den Besucher*innen weitere Vertiefungsebenen erschlossen. Diese Zentren unterscheiden sich in den meisten Fällen von klassischen Museen oder Erlebniszentren.

„Anders als ein Museum erhebt ein Besucherzentrum nicht den Anspruch ein Thema umfassend und möglichst erschöpfend darzustellen. Die Idee eines Infozentrums ist vielmehr geprägt von einer möglichst angenehmen Vermittlung einzelner prägnanter historischer Sachverhalte, um dem Gast einen ersten Eindruck der Welterbestätte zu vermitteln. Infozentren werden klassische Museen mit ihrer in die Tiefe gehenden Sammlung niemals ersetzten können. Sie können aber niederschwellige Angebote schaffen und so auch Teile der Bevölkerung ansprechen, welche Museen nicht besuchen. Hier bietet sich die Möglichkeit, das Interesse zu wecken und durch die überblicksartige Darstellung von Inhalten um neue Aspekte zu erweitern.“ (Handreichung zu Informationszentren im Welterbe, DUK 2018, S. 18ff) Häufig werden weitere Aufgaben mit den Zentren verknüpft. Neben der Vermittlung und Vernetzung rücken dabei immer stärker Themen wie beispielsweise Bildung für Nachhaltigkeit oder Bürger*innenbeteiligung im Welterbe sowie „Global citizenship“ in den Fokus.

Einladungskarte für die ursprünglich für den 17. April geplante Eröffnung des ersten Welterbinfozentrums im Welterbe im Harz

Im UNESCO-Welterbe im Harz sind für die Infozentren vor allem die Funktionen der Vernetzung des Welterbes, der Verteilung der Besucher*innen und der Wahrnehmung des flächenhaften Welterbes als EINE gemeinsame Welterbestätte von Bedeutung. Mit der Etablierung der dezentralen Welterbe-Infozentren als Portale in das Welterbe, geht die Chance einher, für ein breites Publikum in verständlicher Form einen Einstieg in das Thema Welterbe zu ermöglichen und einen Überblick zur Vielfalt der Inhalte und Orte der Welterbestätte im Harz zu bieten. Darüber hinaus leisten die Welterbe-Infozentren im Harz, die immer in bestehende Gebäudesubstanz integriert werden, einen wichtigen Beitrag zum Denkmalerhalt und zur regionalen Entwicklung. Das erste der drei dezentralen Welterbe-Infozentrum im Harz, wird am Standort Walkenried eröffnet. Hier können Besucher*innen sich fortan über die Einzigartigkeit, Größe und Vielfalt des montanen Welterbes informieren.

Dr. Manuela Armenat, Stiftung Welterbe im Harz

Anm. d. Red.: Die Eröffnung des Welterbe-Infozentrums in Walkenried wurde aufgrund der Covid-19-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Herzberger Teich

Der Herzberger Teich – von den Goslarinnen und Goslarern – auch liebevoll „Herzer“ genannt, ist ein künstlich angelegtes Gewässer in unmittelbarer Nähe der Tagesanlagen des ehemaligen Erzbergwerkes Rammelsberg.

Wasser mit Wasser heben

Der Teich liegt in der natürlichen Tallage (Bergtal) zwischen dem Herzberg im Westen und dem Rammelsberg im Osten und wird von dem Winterbach gespeist.

Wasserkraftnutzung im Bergbau über und unter Tage, Agricola Buch VI

1561 wurde er von Herzog Heinrich dem Jüngern zu Braunschweig-Wolfenbüttel zusammen mit dem Rat der Stadt Goslar angelegt. Ziel war es mit Hilfe daés angestauten Wassers genügend Aufschlagwasser für die Kunsträder vorhalten zu können, welche die Pumpen antrieben, mit denen die Grube entwässert wurde. Das Bauwerk hatte nach Fertigstellung ein Fassungsvermögen von ca. 25.000 m³ Wasser.
Johann Christoph Roeder lies den Damm 1768/69 nochmals um zwei Lachter (knapp 3.80 m)  erhöhen. Durch diese Maßnahme wurde das Fassungsvermögen vervierfacht. Heute hat er ein Fassungsvermögen von ca. 115.000 m³, ein Dammlänge von 140 m, eine Wassertiefe von bis zu 11 m und einer am 26. März 2020 gemessenen Temperatur von 7 Grad.
Der Teich diente aber nur als Energiespeicher für regenarme Zeiten im Sommer oder bei strengem Frost. Denn das Wasser zum Antrieb der Kunst- und Kehrräder im Roederschen System wurde aus dem Winterbach direkt in den Berg geleitet.
Ab 1906 wurde die direkte Wasserkraftnutzung zugunsten der Nutzung von elektrischem Strom am Rammelsberg abgeschafft.
Der Herzberger Teich wurde als Wasserspeicher nicht mehr benötigt. Er diente jedoch weiterhin dem Bergwerk, jetzt aber als Kühlwasserlieferant für die Turbinenanlagen im werkseigenen Kraftwerk.  

Die Badeanstalt am Herzberger Teich

Mitte der 1920 Jahre geründete sich in Goslar mit dem SC Hellas e.V. ein Schwimmverein, der auf der Suche nach einem geeinigtem Freibad war. Die Preussag stellt hierfür den Herzberger Teich zur Verfügung. Damit gilt der Herzberger Teich als das älteste vereinseigene Schwimmbad im norddeutschen Raum. Genau wie das kurze Zeit später errichtete Waldbad mit seinen Jugendstilgebäuden, welche in dieser Art die ältesten  im heutigen  Niedersachsen waren und 1996 unter Denkmalschutz gestellt wurden sind.

Das ehemalige Waldschwimmbad, Januar 2009

Nach der Jahrtausendwende wurde der Badebetrieb eingestellt und das gesamte Areal des Teiches war nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Anlagen verfielen Zusehens.

Am letzten Novemberwochenende  2013 wurden die Gebäude durch ein Feuer mit unbekannter Ursache völlig zerstört. Ein Wiederaufbau scheiterte an den Kosten.
Heute kann auf einige Gefahr wieder am Herzberger Teich gebadet werden und er ist ein fester Bestandteil der Führung durch den Roeder-Stollen.

Herzberger Teich von Süden aus, März 2020

Rammelsberg bleibt geschlossen!

Liebe Leserinnen und Leser unseres Blogs,

aufgrund der dynamischen Entwicklung des Coronavirus hat der Landkreis Goslar die Durchführung sämtlicher Veranstaltungen im Kreisgebiet untersagt. Das Weltkulturerbe Rammelsberg stellt demzufolge bedauerlicherweise ab Samstag, 14. März 2020 bis voraussichtlich Samstag, 18. April 2020 seinen Betrieb ein.

Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne unter der Telefonnummer 05321/750-0 an unseren Besucherservice.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Team vom Rammelsberg!

Der Kapp-Putsch in Bildern – Zur aktuellen Sonderausstellung am Rammelsberg

Im März 2020 jährt sich zum hundertsten Mal der rechte Aufstand gegen die erste gesamtdeutsche Republik. Nach der Revolution vom November 1918, die zur Beseitigung der Monarchie und zum Ende des Ersten Weltkriegs geführt hatte, waren nicht alle militärischen Verbände entwaffnet worden, sondern bildeten als „Freikorps“ einen bedrohlichen Machtfaktor im Staate. Diese Freikorps erklärten nun die rechtmäßige Regierung für abgesetzt und installierten den Ostpreußischen Verwaltungsbeamten Wolfgang Kapp als Reichskanzler. Erstmals tauchte das Hakenkreuz als Zeichen der reaktionären Kräfte auf. Zwar weigerte sich die Führung der Reichswehr, gegen die Terroristen vorzugehen („Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr!“). Durch Generalstreik und teils bewaffneten Widerstand der Arbeiterschaft brach der Putsch aber dennoch nach wenigen Tagen in sich zusammen.

In der Sammlung Volkmar Neubert sind es vier Zeichnungen von Hermann Kohlmann, auf denen Ereignisse wiedergegeben sind, die sich am 15. März 1920 in Dresden ereignet haben. Obwohl der Künstler die Motive erst Jahrzehnte später zu Papier gebracht hat, überzeugen Sie durch den Eindruck der Unmittelbarkeit, die den Betrachter nahezu in das Geschehen hineinzieht:

Der Tod eines offenbar von Freikorps-Söldnern erschossenen Demonstranten empört die Menschen. Aus dem passiven wird ein aktiver Widerstand. Es kommt zur Erstürmung eines Militärfahrzeugs und zur Verteilung der erbeuteten Waffen. Schließlich gehen die nun bewaffneten Arbeiter aktiv gegen die paramilitärische Bedrohung vor.

Die Ausstellung am Rammelsberg trägt den Titel „Orte der Arbeit“ und thematisiert das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Stätten handwerklicher und industrieller Produktion und dem Auftreten oder der Abwesenheit des Menschen in diesen Umgebungen. Die vier Zeichnungen befinden sich in einem der kleineren Eindicker in der Aufbereitungsanlage; die dortigen Bilder sind dem Auftreten von Menschen außerhalb des eigentlichen Arbeitsprozesses gewidmet. Das Aufbegehren der Arbeiter ist letztlich ein Kampf um die Produktionsmittel, also um die aktive Gestaltung einer künftigen Gesellschaft und um die Stellung der abhängig Beschäftigten in dieser Gesellschaft. Mit der Formulierung dieses politischen Willens wird auch aus der umkämpften Straße ein „Ort der Arbeit“.

 

„Bildung und Vermittlung“ am Weltkulturerbe

Schon gewusst? Die zuständigen Regierungen der deutschen Bundesländer sind nicht nur dazu verpflichtet für den Erhalt ihrer Welterbestätten zu sorgen, sie sind außerdem verpflichtet, die Mittel für eine angemessene Bildungs- und Vermittlungsarbeit bereit zu stellen.

Und Welterbebildung richtet sich grundsätzlich an alle Menschen und nicht an eine oder wenige Zielgruppen. Sie muss also immer breit aufgestellt sein. Aus diesem Grund muss eine gute Welterbevermittlung immer vielseitig sein– in ihren Zielen und Zielgruppen, ihren Methoden und Ansatzpunkten!

Ferienpass 2019 – Fotografie am Weltkulturerbe

Eine der wichtigsten Zielgruppen für jede Welterbestätte ist die künftige Generation. Denn nur sie kann auf Dauer den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der Welterbestätten garantieren! Aus diesem Grund ist das Vermittlungsangebot für Kinder und Jugendliche am Rammelsberg sehr umfangreich und vielschichtig. Es setzt sich zusammen aus Angeboten wie dem „Kinderclub Bergzwerge“, dessen feste Mitglieder die kleinen Mitarbeiter des Rammelsberges sind, die immer wieder Neues Lernen und auch für andere Kinder ausprobieren. Und besonders umfangreich ist unser vielschichtiges Angebot für Schulklassen aller Altersstufen. Selbstverständlich bieten wir ein jährlich wechselndes Ferienpass-Programm, Kindergeburtstage und diverse Sonderprojekten zu Sonderausstellungen oder Veranstaltungen.

Das Welterbe erhalten – Junger Blick auf die Über-Tage-Anlagen

Unsere Welterbebildung unterstützt  junge Menschen bei der Entwicklung und Verwirklichung eigener Ideen und Potentiale. So führten wir mit der Fachoberschule Gestaltung der Berufsbildenden Schulen Goslar, ein besonderes Fotoprojekt durch und zwei dieser Jugendlichen leisten demnächst am Rammelsberg ein ungewöhnliches Praktikum ab. Sie werden im Sommer mit dem Künstler Mariano Rinaldo Goni zusammenarbeiten, der am Rammelsberger malen, auftreten und ausstellen wird.

Taliama Schauspieler Theaterprojekt in Kooperation mit der UNESCO Projektschule, Adolf-Grimme-Gesamtschule Goslar
Taliama Theaterprojekt in Kooperation mit der UNSESCO-Projektschule, Adolf-Grimme-Gesamtschule Goslar

In unserer Bildungsarbeit stehen neben den Begriffen Nachhaltigkeit auch Interdisziplinäres Lernen, Integration und Partizipation im Vordergrund. Wichtig sind uns zudem interkulturelle Begegnung und vor Allem die Förderung von Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Glaubensrichtungen. Friedensprojekte und die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit sollten für Welterbestättenbildung selbstverständlich sein. Dieses Thema ist am Rammelsberg schon aufgrund der aufsehenerregenden Architektur, die in der Zeit des Nationalsozialismus entstanden ist, zentral. Mit dem Schicksal der Zwangsarbeiter des ehemaligen Erzbergwerk Rammelsberg befassen sich momentan Schüler der Adolf-Grimme-Gesamtschule, Goslar. In Facharbeiten und einem Projekt der Oberstufe erarbeiten sie die historischen Hintergründe, erfahren anhand persönlicher Erzählungen, Fotografien und Original-Dokumenten wie Briefen einen individuellen unmittelbaren Zugang zu diesem sowohl historisch, als auch aktuell wichtigen Thema. Bei unserer Bildungsarbeit müssen wir uns immer wieder bewusst sein, dass der Wert und die Sinnhaftigkeit des Weltkulturerbes nur dann verstanden wird, wenn mittels eigener Beteiligung eine emotionale Verbundenheit entstehen kann.

Jugendakademie 2019 – Kleine Architekten

Aus der Sammlung des Weltkulturerbes Rammelsberg: Klein aber von großer Bedeutung – Der amerikanische Briefbeschwerer

Der kleine Briefbeschwerer aus Zink (8 cm breit und 6 cm hoch) gehört auf den ersten Blick nicht gerade zu den eindrucksvollsten Objekten aus der Sammlung des Weltkulturerbes Rammelsberg. Als Werbeprodukt für eine neue Zinkqualität gab die New Jersey Zink Co. aus Pennsylvania in den USA die kleinen Briefbeschwerer Mitte der 1930er Jahre an Partnerunternehmen heraus. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Hüttenwerke in Oker hat dieses Zinkstück dem Weltkulturerbe Rammelsberg für die Sammlung übergeben.

Erst beim Lesen der Aufschrift wird deutlich, dass der Briefbeschwerer auf ein ganz bestimmtes historisches Ereignis des Rammelsberger Bergbaus hinweist. Die Aufschrift lautet: „968 – 1935 Rammelsberg. Erstes Zink, Palmerston 4. Juli 1935“

Erstes Stück Zink (Briefbeschwerer) aus verhüttetem
Rammelsberger Zinkkonzentrat, hergestellt von der New Jersey Zinc Co. in Palmerton (USA), 1935 © Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg

Ab 1934 investierte die nationalsozialistische Regierung mit millionenschweren Subventionen in die Modernisierung des Erzbergwerks. Das Geld aus diesem „Rammelsberg-Projekt“ nutzte die Geschäftsführung der Unterharzer Berg- und Hüttenwerke G.m.b.H., als Betreiberin des Bergwerks, für den Bau einer neuen Erzaufbereitung. Das Erz aus dem Rammelsberg besaß einen hohen Metallgehalt, es konnte aber nur unzureichend vom umgebenden „tauben Gestein“ gelöst werden.

Bereits im Juli 1933 kam eine Dissertation von Emil Kraume über die „Schwimmaufbereitung von Rammelsberger Blei-Zink-Erz“ heraus. Kraume wurde ab 1934 gezielt als technischer Spezialist von den nationalsozialistischen Geschäftsführern des Erzbergwerks, Paul Ferdinand Hast und Hans-Hermann von Scotti, mit dem Aufbau und den Betrieb der Aufbereitung betraut. Er installierte die von ihm untersuchte „Schwimmaufbereitungtechnik“ am Rammelsberg. 

Emil Kraume auf dem Gelände des Erzbergwerks Rammelsberg in
den 1930er Jahren
© Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg

Neben der Verbesserung der Aufbereitung musste auch die Verhüttung, insbesondere des aufbereiteten Zinkkonzentrats, modernisiert werden. Die nationalsozialistische Rüstungswirtschaft verlangte nach guten Qualitäten an Zink in großen Mengen für Bleche und Gussteile. Hierzu baute die Unterharzer Berg- und Hüttenwerke G.m.b.H., im Rahmen des „Rammelsberg-Projektes“ in Harlingerode eine Zinkhütte. Diese Zinkhütte arbeitete mit einem neuen Produktionsverfahren, das in den USA von der New Jersey Zinc Co. in Palmerton (Pennsylvania) entwickelt wurde. Die amerikanische Zinkhütte gehörte zu den größten Zinkproduzenten der USA. Die neue Verhüttungsmethode, nach dem Ort ihrer ersten Anwendung als „New-Jersey-Vertical-Retort-Verfahren“ bezeichnet, verbesserte die Produktion und machte die Zinkherstellung billiger.

Das neue Verhüttungsverfahren ermöglichte es der deutschen Rüstungswirtschaft, genügend Zink zur Produktion von Waffen und Kriegsgerät zu haben. Damit konnte das nationalsozialistische Regime im Zweiten Weltkrieg dann ab 1943 auch gegen die USA Krieg führen und die halbe Welt in Schutt und Asche legen.

Das kleine Zinkstück aus der Sammlung des Weltkulturerbes Rammelsberg verweist auf wenigen Quadratzentimetern Fläche darauf, wie die friedliche Zusammenarbeit eines deutschen und eines amerikanischen Unternehmens durch die Diktatur des nationalsozialistischen Regimes genutzt wurde, um einen der brutalsten Kriege der Menschheitsgeschichte führen zu können.

Und ein weiteres weltgeschichtliches Thema wird in der Beschriftung benannt: Das Datum „4. Juli“ ist für die Geschichte der transatlantischen Beziehungen zwischen den USA und Europa von großer Bedeutung. Am 4. Juli 1776 erklärte die USA ihre Unabhängigkeit vom Königreich Großbritannien und dieser Tag ist seitdem ein großer amerikanischer Feiertag.

Mit mehr historischer Bedeutung kann ein solch kleines Objekt kaum noch aufgeladen werden. Der Briefbeschwerer aus der Sammlung des Weltkulturerbes Rammelsberg verdeutlicht, welchen Wert konkrete Gegenstände für die Vermittlung komplexer historischer Zusammenhänge haben können.

Hüterin des Welterbes – Aufgaben und Ziele der UNESCO

Der Taj Mahal, die Chinesische Mauer und das Welterbe im Harz – sie alle haben eines gemeinsam: Sie gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Schutz, Erhalt und Weitergabe dieses kulturellen Erbes der gesamten Menschheit stellen eine der wichtigsten Herausforderungen der UNESCO dar. Bewahren was uns verbindet; für die Sonderorganisation der Vereinten Nationen Aufgabe und Ziel zugleich.

Der Auftrag der UNESCO geht aber weit darüber hinaus: Seit ihrer Gründung im Jahr 1945 – seit inzwischen mehr als 70 Jahren also – fördert sie die internationale Zusammenarbeit und setzt sich weltweit für die Achtung der Menschenrechte ein. Die UNESCO wurde mit dem Ziel gegründet, durch kulturellen Dialog zwischen den Völkern die Grundlage für einen weltweiten Frieden zu schaffen. Als eine von 15 Sonderorganisationen der Vereinten Nationen ist sie das Organ, das sich mit Fragen internationaler Bildung oder Erziehung, mit Wissenschaft und Kultur sowie Kommunikation auseinandersetzt.

Generalkonferenz der UNESCO, 2013 (Copyright:  Fernanda LeMarie, Cancillería del Ecuador, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.org)

Im Zweiten Weltkrieg waren unersetzliche Kulturgüter zerstört worden, was zu einem Umdenken führen sollte. Im November 1945 luden die französische und die englische Regierung zur Konferenz der Vereinten Nationen nach London ein.  Auf der Agenda stand die Gründung einer internationalen Organisation für Erziehung und Kultur. Innerhalb von zwei Wochen erarbeiteten sie die Verfassung der neu gegründeten UNESCO, die 37 Staaten am 16. November 1945 unterzeichneten. Knapp ein Jahr nach der Unterzeichnung der Verfassung wurde die UNESCO offiziell am 4. November 1946 gegründet.

Die 17. UNESCO-Generalkonferenz verabschiedete schließlich 1972 in Paris das „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“, das 1975 in Kraft getreten ist. Leitidee der Welterbekonvention ist die „Erwägung, dass Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen.[1]

Die Konvention betont die Verpflichtung aller Völker, das gemeinsame Erbe zu erhalten und zu schützen. Seit dem Jahr 1978 wird der Titel „UNESCO-Welterbe“ an Stätten mit einem außergewöhnlichen universellen Wert verliehen.

Felsentempel des Pharaos Ramses II. in Abu Simbel, Ägypten, 2004 (Copyright: Przemyslaw Idzkiewicz, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.org)

Als Initialzündung der Welterbekonvention und damit der Welterbeliste kann der Bau des Assuan-Staudamms gesehen werden, als die dreitausend Jahre alten Tempel von Abu Simbel im Wasser zu versinken drohten. Weltweit wurden 80 Millionen US-Dollar gesammelt, um deren Zerlegung (1963 bis 1968) und den Wiederaufbau der Felsentempel zu finanzieren. Die Hilfsaktion machte deutlich: Es gibt Orte, deren Bedeutung so groß ist, dass ihre Zerstörung ein Verlust für die ganze Menschheit bedeuten würde.[1]

Die UNESCO will mit den Welterbestätten ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen fördern. Im Erleben von Welterbe setzen wir unsere eigene Kultur mit einer anderen in Beziehung und helfen damit einander besser kennenzulernen. Die meisten Welterbestätten haben global mehr miteinander zu tun als wir vielleicht denken. Jede Welterbestätte in Deutschland hat vergleichbare Kulturdenkmäler in aller Welt. Mit anderen Worten: Im Fremden können wir auch das Eigene erkennen.

Lea Dirks M.A., Stiftung Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft


[1] Hierzu weiterführend: Frau Prof. Dr. Verena Metze-Mangold: Festakt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Anerkennung der UNESCO-Welterbestätte „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“, Goslar 2017.


[1] Präambel, Welterbekonvention, 1972.