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Goslar auf Glas – Historische Stadtansichten auf Glasplatten

Die Glasplattennegative

In den 1990er Jahren hat das Weltkulturerbe Rammelsberg eine Sammlung von Glasplattennegativen aus einer Haushaltsauflösung ins Fotoarchiv übernommen. Diese Glasplatten waren in unterschiedlichen Kartons, zum Teil in Papier eingewickelt, untergebracht. Zu diesen Glasplatten gab es nur wenige Informationen. Einzelne Kartons waren mit dem Namen „Kurt Schlitzberger“ beschriftet.

Glas und Metall waren die ersten Trägermaterialien für das Aufbringen einer Fotoemulsion als Negativbild, aus dem dann ein Positivbild entwickelt werden konnte. Erst mit der Erfindung des durchsichtigen Zelluloids, Ende der 1880er Jahre, konnten fotografische Filme hergestellt werden, die weniger empfindlich und besser zu handhaben waren.

Es kann angenommen werden, dass Kurt Schlitzberger einen großen Teil der Fotos auf den Glasplatten selber gemacht hat, weil er einen Teil seiner Bilder in einigen seiner späteren Publikationen über das Erzbergwerk Rammelsberg verwendete.

Die Sammlung von 270 Glasplattennegativen wurde vor einigen Jahren umgelagert, d.h. jede Glasplatte im Format 8,7 x 12 cm wurde in einen speziellen Umschlag eingewickelt und in passgenaue Kartonage untergebracht.

Umlagerung der Glasplattennegative in säurefreie Verpackungen
              Fotos: Johannes Großewinkelmann

Gleichzeitig wurden die Negative gescannt und mit Hilfe eines Computerprogramms in Positivbilder umgewandelt. Dadurch konnten erstmalig die Bildmotive auf den Glasplatten in vollem Umfang erfasst und dokumentiert werden.

Neben familiären Motiven und Urlaubsbildern sind in der Sammlung viele Ansichten aus der Altstadt von Goslar vorhanden. Die Bildmotive lassen die Entstehungszeit der Glasplattennegative auf den Zeitraum von kurz vor dem Ersten Weltkrieg bis in die 1920er Jahre eingrenzen. 

 

Wer war Kurt Schlitzberger ?

Es gibt nur wenige Informationen zum Leben des Kurt Schlitzberger. Eigentlich hieß er Karl Wilhelm Konrad, genannt „Kurt“, Schlitzberger. Geboren wurde er am 14. September 1875 in Kassel, Hutchinson, South Dakota (USA). Gestorben ist er am 16. November 1938 in Walbrzych (deutsch Waldenburg), Dolnoslaskie (Polen). 

Selbstbild von Kurt Schlitzberger,  Anfang des 20. Jahrhunderts. Sammlung Schlitzberger Weltkulturerbe Rammelsberg

Er heiratete am 21. August 1906 die Goslarerin Henriette Friedericke Victoria, genannt „Frieda“, Lippold (1885 – 1983). Am 16. Januar 1916 wurde in Goslar ihr Sohn Joachim-Kurt Siegmund Ernst Schlitzberger geboren. Er verstarb am 20. November 1942 während des Zweiten Weltkriegs in Russland.

1913, ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkriegs, wurde der promovierte Bergassessor Dr. Kurt Schlitzberger zu der Berginspektion am Erzbergwerk Rammelsberg berufen. Damit war Schlitzberger Beamter der Königlichen und Herzoglichen Berginspektion, einer länderübergreifenden Bergwerksverwaltung. Diese Verwaltung befand sich im heute noch erhaltenen Inspektionshaus an der Straße „Bergtal“ in unmittelbarer Nähe des Erzbergwerks Rammelsberg.

Bekannt wurde der Name Schlitzberger Anfang der 1920er Jahre, weil Frieda, die Frau von Kurt Schlitzberger, ein Patent auf ein „Schaumschwimmverfahren zur Trennung von Mineralgemengen“ angemeldet hatte. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg experimentierte das Erzbergwerk Rammelsberg mit verschiedenen Methoden, um die Aufbereitung der geförderten Erze zu verbessern. Insbesondere die Wirtschaftlichkeit der Aufbereitung stand im Fokus der Experimente, weil nach dem Ersten Weltkrieg bei fallenden Metallpreisen in den Hüttenbetrieben mehr an Kupfer und Blei und später auch an Zink aus den geförderten Erzmengen verhüttet werden sollte.

Mit den Aufbereitungsversuchen wurden Fremdfirmen, aber auch eine betriebsinterne Erzaufbereitungsgesellschaft der Unterharzer Berg- und Hüttenwerken beauftragt.

Schlitzberger hatte den juristischen Winkelzug über die Patenanmeldung durch seine Frau gewählt, weil er als Beamter der Berginspektion keine Forderungen über Zahlungen für die Nutzungsrechte hätte verlangen können. Sein Aufbereitungsverfahren basierte im Prinzip schon auf das ab Anfang der 1930er Jahre eingesetzte Flotationsverfahren. Er verlangte 12.000 Goldmark jährlich für die Anwendung des Patents. Das lehnten die Unterharzer Berg- und Hüttenwerke als Betreiberin des Erzbergwerks Rammelsberg ab.

Erst erneute Aufbereitungsversuche unter der maßgeblichen Planung und Steuerung durch Emil Kraume führten Anfang der 1930er Jahre schließlich zu dem bis zum Ende der Förderung am Erzbergwerk Rammelsberg eingesetzten Schwimmaufbereitungsverfahren.

1925, im Alter von 50 Jahren, wurde Bergrat Dr. Kurt Schlitzberger in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Er schrieb 1921 und 1931 in der Reihe „Deutschlands Städtebau“ Aufsätze über „Goslar als Bergwerksstadt“ und „Das Bergwerk am Rammelsberg“.

Die historischen Ansichten aus der Altstadt von Goslar

Die Glasplattensammlung von Dr. Kurt Schlitzberger beinhaltet zahlreiche Aufnahmen von Orten und Straßenzügen in der Altstadt von Goslar aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts. In einer Sonntagsmatinee am 31. Juli 2022 hat Werner Gladigau zahlreiche dieser Motive vorgestellt, in dem er die historischen Aufnahmen mit aktuellen Fotografien von den Standorten verglichen hat. Vergleiche sind in der Geschichtswissenschaft eine sehr beliebte Methode, um Erkenntnisse zu transportieren. In der Auswertung von Bildern ist der Vergleich sicherlich das am häufigsten angewendete Mittel zur Vermittlung.

Die Qualität der Bilder ist teilweise, auf Grund des Alterungsprozesses und einer nicht immer angemessenen Lagerung, schlecht. Aber die Bilder geben trotzdem viele historische Informationen preis und sind wichtige historische Quellen, die quasi wie Fenster in die Zeit ausgewertet werden können.

Im Folgenden sind einige der historischen Aufnahmen aus der Altstadt von Goslar zusammengestellt (Historische Aufnahme: Sammlung Weltkulturerbe Rammelsberg / Aktuelle Fotos: Werner Gladigau)

Zehn neue Grubenführerinnen und Grubenführer am Berg im Einsatz!

Seit dem 1. Juli sind zehn neue Grubenführerinnen und Grubenführer am und vor allem im Rammelsberg im Einsatz. Vorausgegangen waren sieben Monate, die von wöchentlichen Treffen zu Vorträgen und Befahrungen unter Tage geprägt waren. Hierbei wurden die unterschiedlichsten Themen rund um den Rammelsberg behandelt, methodische Fragen beantwortet und natürlich die Führungen geübt.

Übungsbefahrung Foto: Martin Wetzel

Zum Abschluss stellten sich die Kandidaten  einer schriftlichen und praktischen Prüfung. Beides wurde von allen mit Bravour bestanden, so dass Sie ab sofort die Führungen im Roeder-Stollen und die Fahrt mit Grubenbahn mit Gästen machen können. Dafür wünschen wir allen „neuen“ Grubenführern allzeit Glückauf!
An dieser Stelle bedanken sich die Kursleiter Herr Dr. Dettmer und Herr Dr. Wetzel ausdrücklich bei allen Kolleginnen und Kollegen, unseren Referentinnen und Referenten und den „alten“ Grubenführerinnen und Grubenführern, die den erfolgreichen Abschluss des Kurses ermöglicht haben. 

Einweisung in den Umgang mit den Maschinen unter Tage, Foto: Martin Wetzel

Die Vermittlung des Weltkulturerbes im Harz findet durch engagierte Stadt-, Gruben- und Welterbeführer statt, die den Besuchern und Bewohnern auf den verschiedenen Führungen die weltweite Einzigartigkeit der Region nahebringen. Denn trotz aller Formen von Digitalisierung, auch im musealen Bereich, ist die inhaltliche Vermittlung an dem authentischen Ort der vormaligen Arbeit durch Menschen, die Menschen führen, durch nichts zersetzten. Und diesen Umstand wurde auf verschiedenster Weise im gesamten Welterbe im Harz Rechnung getragen. Parallel zu dem Ausbildungskurs am Rammelsberg, wurden in Goslar neue Stadtführer ausgebildet, die auch schon mit Gästen in der Altstadt unterwegs sind und derzeit findet am Oberharzer Bergwerksmuseum einen Ausbildung für zukünftige Welterbeguides statt.

Übungsbefahrung im Roeder-Stollen, Foto: Martin Wetzel

Der Rammelsberg – Praktikum an einem magischen Ort

Mein Name ist Marlene, ich besuche die 11. Klasse des Christian von Dohm Gymnasiums in Goslar und absolvierte mein dreiwöchiges Praktikum in der Abteilung Wissenschaft bei Frau Gesine Reimold, im Bereich der „Bildung und Vermittlung“.

Vor 10 Jahren, mit 7 Jahren, war ich Mitglied bei den Bergzwergen, dem Kinderclub des Rammelsberges, den Frau Reimold ins Leben rief und seit 2005 leitet. Schon damals war ich von der Größe des Bergwerks Über- und Untertage sehr beeindruckt. Besonders toll finde ich es Untertage, wo sich seit damals einer meiner Lieblingsorte befindet: die Vitriol-Wand (farbige Metallsalze). Die Wand findet man im so genannten Roeder Stollen, der für jeden Besucher zugänglich ist.

Im Roeder-Stollen bei der Vitriol-Wand. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg

Die Möglichkeit Untertage zu sein, ist einfach sehr besonders. Aber durch Gänge zu gehen, die Menschen mit ihrer Hände Arbeit und einfachen Werkszeugen wie Schlägel und Eisen geschaffen haben, schien mir zuvor unrealistisch. Denn Fragen wie: ,,Wie funktioniert ein Bergwerk?“ oder ,,Welcher Mensch besitzt so viel Kraft, nur mit Hilfe zweier Werkzeuge, solche Gänge frei zu schlagen?“ konnte ich mir nicht beantworten.

Heute weiß ich, dass ich mir diese Fragen zu Recht gestellt habe und ich habe viel gelernt, zum Beispiel dass die Bergleute in unterschiedlichen Zeiten mittels unterschiedlichster Methoden Gänge gegraben oder das Erz abgebaut haben. Aber egal wie: Es ist immer sehr bemerkenswert, was die Bergleute, unter extremen Bedingungen, geleistet und geschaffen haben! Und deshalb war es sehr toll bei dem Praktikum einen noch tieferen Einblick zu gewinnen. Aber dies war nur einer der Gründe, warum ich mein Praktikum am Rammelsberg machte. Denn hier hatte ich die Gelegenheit kreativ tätig zu werden und gemeinsam mit Frau Reimold an einem Museumsspiel zu arbeiten. Mit diesem Spiel können Familien mit Kindern in der Sonderausstellung Fragen beantworten und somit spielerisch Neues lernen. Auch habe ich das 14tägig stattfindende Bergzwergtreffen vorbereitet und gemeinsam mit meiner Anleiterin durchgeführt. Hier durften die Bergzwerge mit Schlagzahlen eigene „Fahrmarken“ herstellen: Zu Schichtbeginn nahm jeder einfahrende Bergmann seine Fahrmarke vom Brett und gab sie dem Anschläger, der sie auf einem Drahtring sammelte und dann die Bergleute im Fahrkorb nach unten beförderte. Am Schichtende drehte der Anschläger den Drahtring um und teilte die Fahrmarken in umgekehrter Reihenfolge aus. Der zuerst eingefahrene Bergmann fuhr also auch als erster wieder aus. So gab es kein Gedrängel. Am Ausgang befand sich eine kleine Holzkiste, in die jeder seine Fahrmarke hineinwarf. Der Lampenwart sortierte sie wieder ans Fahrmarkenbrett und konnte so kurz nach Schichtende feststellen, ob alle Bergleute wieder ans Tageslicht zurückgekehrt waren.

Schließlich habe ich auch den so genannten Bergzwergbrief geschrieben. Dieser Brief enthält Fotografien der Bergzwerge, erklärt, was bei dem jeweiligen Treffen gemacht wurde und erinnert an das nächste Treffen.

Archivbild von Marlene als Bergzwergin. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg

Des Weiteren habe ich Frau Reimold in ihrem Berufsalltag begleitet bin bei vielen Aktionsführungen und Themenführungen und Führungen der diesjährigen Jugend-Akademie mitgegangen und habe diesen Blog-Beitrag geschrieben.

Also was ich zum Schluss sagen muss ist: Dieser Ort einfach sehr vielseitig und auch etwas magisch! 😉

Glück Auf!
Marlene

„Schutz und Schirm? Der Bergbau im Harz unter der Protektion von Königtum und Adel im Hoch- und Spätmittelalter“

Ein Gastbeitrag von Dr. Jan Habermann, Stadt Goslar

Goslar im Jahr 1204 – das Reich ist tief in den Wirren des deutschen Thronstreits versunken. Erneut hat der welfische König Otto IV. die staufertreue Stadt Goslar durch Belagerung und Handelsblockade zu unterwerfen versucht. Noch während seines Rückzugs nach Braunschweig wird eine außerordentliche Zerstörung der nahegelegenen Silberhütten (casulis argentiis) befohlen – so berichtet es Arnold von Lübeck. Die beständigen Angriffe des Welfen führen zur Entvölkerung und Aushungerung der Stadt – der Bergbau am Rammelsberg kommt über Jahre hinweg zum Erliegen. Unter dem nachwirkenden Eindruck dieser Verheerung wird der Goslarer Reichsvogtei in der Folgezeit – mehr als zuvor – die Funktion einer Schutzgewalt über Berg- und Hüttenleute zu Teil. Die wahrscheinlich in den Jahren zwischen 1244 und 1258 verfasste Goslarer Vogteigeldlehnrolle (s. Abb.) verzeichnet bedeutende Grafen, Edelherren und Ministeriale am Harz, deren jährliche Geldeinkünfte aus der Reichsvogtei in späteren Quellen damit begründet werden, dass sie als Reichslehen mit der Verpflichtung einhergehen, die „Wald- und Hüttenleute“ (montani et silvani) zu beschützen.

Vogteigeldlehenrolle (c) Stadtarchiv goslar.png

Vogteigeldlehenrolle (c) Stadtarchiv goslar

Das in seiner Zweckmäßigkeit einzigartige Goslarer Dokument spiegelt die außerordentliche Notwendigkeit, den Bergbau im nordwestlichen Harz zu beschirmen. Ein schärferer Blick auf diese noch zu wenig diskutierte Quelle lässt das ursprüngliche Konzept und die frühesten Zuständigkeiten erkennen. So war die Harzburg nach ihrem Wiederaufbau 1180 durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit Einsetzung der Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg als Burgkommandanten zur Schutzburg für das Goslarer Umland umgewandelt worden. Zur Unterbringung von Garnisonen sowie für das Burgquartier der Grafen wurden erstmals Burgkurien für den Hochadel eingerichtet. Doch während des deutschen Thronstreits und seines Folgekonflikts entstand die Notwendigkeit, die Zuständigkeiten und abrufbaren personellen Ressourcen bedeutend zu erhöhen.

Weitere Grafen und Edelherren mit Besitz am nördlichen Harz wurden zum Schutz insbesondere des Bergbaus mit Geldlehen aus der Reichsvogtei und Burgsitzen auf der Harzburg ausgestattet. Der verfassungsgeschichtliche Wandel im deutsch-römischen Reich während des 13. Jahrhunderts brachte es mit sich, dass die ursprüngliche Schutzfunktion der Burgsitze verloren gerieten und durch vollständigen Besitzübergang in die Hände der Grafen von Wernigerode zunehmend in beherrschende Stellung gegenüber Goslar und seinen noch verbliebenen Bergwerken gebracht wurde. Noch im 14. Jahrhundert entschloss Kaiser Ludwig IV. der Bayer, die Eigeninteressen des regionalen Adels am Bergbau dadurch zurückzudrängen, dass er die mächtigsten, dynastischen Herrschaftsträger am Harz durch konkrete Schutzaufträge und Lehnbriefe wieder stärker den Interessen des Reiches in dieser Region dienstbar zu machen versuchte. Doch das blieb nur eine Episode.

Abgesehen von der schwindenden Bedeutung des Bergbaus und des in den Vogteigeldern begründeten Schutzauftrags im westlichen Harz stärkte der regionale Harzadel die eigene wirtschaftliche Stellung durch die in seinen Territorien gelegenen Bergbauressourcen, die er mit Burgen und Befestigungsanlagen sicherte. In vielen Herrschaftsgebieten des Harzes wird ein enger Zusammenhang zwischen Burg und Bergbau begreifbar, der sich am konkreten Schutzbedürfnis gegenüber den wertvollsten Machtgrundlagen in einer durch Fehden und Kleinkriege geprägten Epoche erhellen lässt. Mit der Entstehung von gefestigten Gebietsherrschaften und Landeshoheiten am Harz geht diese Form der Protektion in den konsolidierten Berghoheiten schließlich unter.

Stadtgeschichten – bergbauliche Straßennamen in Goslar

Anlässlich unserer Reihe zum 1100jährigen Stadtjubiläum Goslars wollen wir uns heute einem speziellen Thema widmen – Goslarer Straßenamen mit bergbaulichem Bezug.

Die Benennung von Straßen geht einher mit der Entwicklung von Städten im Mittelalter, wo natürlich auch Goslar keine Ausnahme bildet. Viele Straßennamen in Altstädte orientieren sich an alten Zunftquartieren, in Goslar beispielsweise die Bäckerstraße oder die Fischemäkerstraße oder an markanten Bauwerken wie die Wallstraße, die Mauerstraße oder auch die Zehntstraße.
Benannt ist diese Straße nach dem Standort der zentralen städtischen Sammelstelle, in der das abzuliefernde Rammelsberger Erz gelagert wurde. Das in der gleichnamigen Straße ansässige Gebäude ist 1811 abgebrannt. Es befand sich auf dem Gelände der heutigen Grundschule. Unter dem Zehnt verstand man im Bergbau die Abgabe des zehnten Erzhaufens oder Erzkorbes an den Landesherren oder Grubeneigner. Wurde anfänglich tatsächlich noch Erz vom Rammelsberg in die Stadt geliefert, ging man dazu über, den Geldwert des Erzes (unter Abzug der Aufbereitungskosten) einzutreiben. Verantwortlich für die Abgaben war ein am Bergamt ansässiger hoher Beamter, der  so genannte „Zehntner“.
Einen letzten Zehnt in Form von Erz lieferten die Rammelsberger Bergleute am 30. Juni 1988, anlässlich der Schließung des Rammelsberges an die Stadt Goslar, obwohl die Stadt Goslar schon seit 1552 die Oberhoheit über den Rammelsberg verloren hatte. Ein extra hergerichteter letzter Grubenwagen wurde auf dem Marktplatz symbolisch an die damalige Goslarer Oberbürgermeisterin Marta Lattemann-Meyer übergeben.

symbolische Ausliefung des letzten Zehnts an die Stadt Goslar am 30. Juni 1988, Sammlung Rammelsberg

Symbolische Auslieferung des letzten Zehnts an die Stadt Goslar am 30. Juni 1988, (C) Sammlung Rammelsberg

Auch historische Personen, die im direkten Zusammenhang mit den Bergbau standen, haben in Goslar eine bleibende Würdigung durch einen Straßenbezeichnung erfahren, wie beispielsweise die Bornhardtstraße im Stadtteil Goslar-Baßgeige. Benannt ist sie nach Berghauptmann Friedrich Wilhelm Conrad Eduard Bornhardt, in dessen Amtszeit am Bergamt Clausthal-Zellerfeld der Niedergang des Bergbaus im Oberharz fiel. Nach seiner Pensionierung 1929 bis zu seinem Tod am 2. Dezember 1946 hatte er seinen Altersruhesitz in Goslar. Die Erinnerung an die lange währende Epoche des Bergbaus wurde zu seinem späten Lebenswerk. Der studierte Geologe war schon während seiner beruflichen Tätigkeit eine der treibenden Kräfte der Wiedereröffnung des heutigen Oberharzer Bergwerksmuseums, in der ebenfalls nach ihm benannten Straße im Ortsteil Zellerfeld.
Für Goslar konzipierte er das so genannte „Rammelsbergzimmer“ im Goslarer Museum, welches viele Jahre hinweg die einzige öffentliche Darstellung des Bergbaus und seiner Geschichte in der Stadt war und den Grundstein zur musealen Rezeption des heutigen Museums und Besucherbergwerks am Rammelsberg bildet.
1931 veröffentliche Bornhardt sein Werk „Geschichte des Rammelsberger Bergbaues von seiner Aufnahme bis zur Neuzeit“, welches bis heute als eines der Standartwerke zur Geschichte des Rammelsberges gilt.

Wilhelm Bornhardt, 20. April 1864 - 2. Dezember 1946. (c) Sammlung Oberharzer Bergwerksmuseum

Wilhelm Bornhardt, 20. April 1864 – 2. Dezember 1946. Sammlung Oberharzer Bergwerksmuseum

Eine der jüngsten Straßennamen ist der Knappschaftsplatz im Stadtteil Goslar-Rammelsberg. Benannt ist er nach dem berufsständischen Sozialversicherungssystem der Bergleute, das seine historischen Wurzeln am Rammelsberg hat. In einer Urkunde vom 28. Dezember 1260 erneuerte der Hildesheimer Bischof Johann I. der Sankt-Johannis-Bruderschaft im Bergdorf am Rammelsberg sein Schutzprivileg. Dieses Dokument gilt Historikern als weltweit erster Beleg für eine bergmännische Solidargemeinschaft. Goslars Bergdorf: die Wiege der Knappschaft.
Im Jahr 2010 beging die Knappschaft ihr 750-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde am 20. Januar 2011 der Platz vor dem Werkstor des ehemaligen Erzbergwerks Rammelsberg vom damaligen Goslarer Oberbürgermeister Hennig Binnewies mit eigenem Namen versehen. Der nunmehrige „Knappschaftsplatz“ trägt somit eine der jüngsten Straßenbezeichnungen in Goslar. Doch als Postanschrift existiert der Platz nicht. Er dient, wie bereits vor seiner Benennung, einem eher profanen Zweck: als Buswendeschleife.

Knappschaftsplatz

Knappschaftsplatz (c) Weltkulturerbe Rammelsberg

In der Sonderausstellung „1100 Jahre Goslar … mit Erfolg auf Erz gebaut“ stellen wir unseren Besucher die oben beschriebenen und weitere Geschichten rund um bergbaulichen Straßennamen in Goslar vor, die manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Oder wissen Sie warum die Kupferrauchgasse so heißt, wie sie heißt? Bis zum 20. November haben Sie die Gelegenheit diese und andere bergbaulichen Wurzeln aus 1100 Jahren Goslarer Stadtgeschichte kennen zu lernen! Viel Spaß dabei!

Das Projekt „Räume der Unterdrückung. Neue geschichtswissenschaftliche und archäologische Forschungen zu Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen am Erzbergwerk Rammelsberg“ – Die geschichtswissenschaftliche Perspektive

Das von der Friede-Springer-Stiftung geförderte Kooperationsprojekt des Weltkulturerbes Rammelsberg und der Arbeitsstelle Montanarchäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ist fächerübergreifend (interdisziplinär) angelegt. In diesem Forschungsprojekt arbeiten Archäolog:innen und Historiker eng zusammen.

In diesem Projekt konzentrieren sich die Historiker, stärker als es in bisherigen Untersuchungen zur Zwangsarbeit am Erzbergwerk Rammelsberg der Fall war, auf die historischen Quellen, die von den „Tätern“, also von den Personen verfasst wurden, die die Zwangsarbeiter:innen vor Ort bewacht, zur Arbeit gezwungen und ihr Leben kontrolliert haben. Insbesondere spielen räumliche Dimensionen eine wichtige Rolle. Der Raum, wie das ehemalige Zwangsarbeiterlager unterhalb der Staumauer des Herzberger Teichs, war nicht nur eine Hülle zum Wohnen, sondern hier fand für einige Jahre das Leben der Zwangsarbeiter:innen statt. Ein Forschungsansatz, der nach raumbezogenen Erfahrungen, Wahrnehmungen des Raumes und Vorstellungen, ja nach Sehnsüchten der Menschen in den Lagern fragt und die damit verbundenen Handlungsstrategien der Täter und der Opfer betrachtet, kann am authentischen Ort Antworten auf Fragen zum Zusammenhang von Raum, Organisation und Unterdrückung suchen.

Dieser Forschungsansatz braucht die enge Verzahnung von Geschichtswissenschaft und Archäologie. Von der Geschichtswissenschaft sollen Akten zur Zwangsarbeit am Erzbergwerk Rammelsberg im Hinblick auf den Aufbau von organisatorischen, räumlichen und verwaltungstechnischen Strukturen zur Eingliederung der Zwangsarbeit in den laufenden Bergwerksbetrieb ausgewertet werden. Auch die Bewertung des ökonomischen Nutzens der Zwangsarbeit in verschiedenen wirtschaftlichen Zusammenhängen der vorbereitenden Aufrüstung und ab 1939 der Kriegswirtschaft ist bisher wenig erforscht und wird daher genauer betrachtet. Die wirtschaftliche Effizienz der Zwangsarbeit in den 1940er Jahren ist auf Reichsebene zuletzt in einer großen historischen Studie zur Geschichte des Reichswirtschaftsministeriums untersucht worden. Detailstudien zur Wirtschaftlichkeit der Zwangsarbeit im Bergbau liegen aus dem Steinkohlenbergbau vor. Zum Erzbergbau fehlen solche Studien noch weitgehend. Die Wirtschaftlichkeit der Zwangsarbeit bestimmte die Repressalien der Betriebsleitung gegenüber den Opfern ganz erheblich. Konnte die Betriebsleitung einen wirtschaftlich effizienten Einsatz der Zwangsarbeiter:innen berechnen, wurden Zwangsmaßnahmen anders ausgelegt oder Lebens- und Arbeitsbedingungen anders gestaltet.

Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive ergeben sich deshalb eine Vielzahl an Untersuchungsfragen, von denen hier nur wenige benannt werden sollen: Wieviel Raum stand den Zwangsarbeiter:innen in den verschiedenen Lagern zur Verfügung und wie ist die Größe des Raumes als Unterdrückungsmittel zu bewerten? Die eigene Unterdrückung kostete Geld, denn Zwangsarbeiter:innen zahlten Miete für die Lagerunterkunft. Wie funktionierte die ökonomische Ausbeutung der Zwangsarbeiter:innen über die Ausbeutung durch Arbeit hinaus? Orientierte sich das Erzbergwerk Rammelsberg bei der Behandlung der Zwangsarbeiter:innen an den Vorgaben der nationalsozialistisch-rassistischen Lagerhierarchie oder nutzte es durchaus vorhandene Spielräume? Konnten Konflikte zwischen den Zwangsarbeiter:innen, die aus verschiedenen Ländern kamen, durch die Aufteilung in getrennte Räume vermieden werden? War die Entlohnung und Verpflegung einheitlich, die medizinische Versorgung vergleichbar? Gab es eine Hierarchie unter den Zwangsarbeiter:innen? Wie beschreiben ehemalige Zwangsarbeiter:innen die Räume der Unterdrückung? Gab es unterschiedliche Barackentypen mit unterschiedlichen Ausstattungen? Wer baute die Baracken und wer lieferte das Material für den Bau? Wurden Normbaracken verwendet oder gab es individuelle Anpassungen an den Standorten?  Wie passten sich die Baracken in das architektonische Gesamtbild der Bergwerksanlage ein? Gab es Korrekturen durch die Architekten der Bergwerksanlage, Fritz Schupp und Martin Kremmer?

Die Liste der Fragen ist lang, nicht alle werden die Historiker und Archäolog:innen beantworten können. Aktuelle Ergebnisse aus diesem Forschungsprojekt werden auf unserer und der Homepage der Arbeitsstelle für Montanarchäologie unter https://altbergbau3d.de veröffentlicht.

Abb.: Am ehemaligen Standort der Zwangsarbeiterbaracke neben dem Inspektionshaus an der Straße Bergtal (heute Wohnhaus und Restaurant) sollte 1956 ein Speisesaal für die Mitarbeiter des Erzbergwerks gebaut werden. Es blieb bei Planskizzen, angefertigt von Fritz Schupp, der in den 1930/40er Jahren mit Martin Kremmer die gesamten Tagesanlagen des Bergwerks neugestaltet hatte.
Quelle: Montanhistorisches Dokumentationszentrum des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum, Bestand BBA-223-2132 Speisehalle.

Das Museum als authentischer Ort der Wissensvermittlung

Die Bundesrepublik Deutschland ist reich an musealen Einrichtungen, die sich in eine Vielzahl von Sparten und mit höchst unterschiedlichen Trägerschaftsmodellen aufgliedern. Gemäß dem Institut für Museumskunde gibt es mehr als 6000 Einrichtungen, die zu mehr oder weniger regelmäßigen Zeiten für die Besucher ihre jeweiligen „Schatzkammern“ öffnen.

Von Kunstgeschichte bis Technikeuphorie gibt es kaum einen Bereich dieser Gesellschaft, der nicht im Rahmen von Sammlungen oder Ausstellungen, als Erinnerungskultur musealisiert worden ist.

Allerdings sind unsere Museen weit mehr als verstaubte Depots der Vergangenheit. Unsere Museen sind Orte von Menschen für Menschen, sind Erinnerungsorte, sind Stätten der Begegnung, der kulturellen Transformation und der Identitätsstiftung für die regionale Bevölkerung.

In gleichem Maße sind sie mit ihren Objekten Inspiration für Freunde, Fremde und Touristen, die möglicherweise keinen Bezug zu Raum und Zeit der jeweiligen Ortslage haben.

Kehrrad im Roeder-Stollen (c) Weltkulturerbe Rammelsberg / S. Sobotta

Kunstrad im Roeder-Stollen (c) Weltkulturerbe Rammelsberg / S. Sobotta

Museen sind greifbare Orte.

Sie liegen, wie die Einrichtungen des Welterbes im Harz, mitten im Lebensraum der Menschen, beleben historische Ensemble und sind oft mit ihren Gebäuden Exponate ihrer selbst.

Museen sind mitten, in einer zunehmend virtuell werdenden Welt, analoge Orte. Sie erzählen Geschichte vom Objekt ausgehend – und sie erzählen diese nie vollständig.

Das heißt, gute Museen sind nicht unbedingt Stätten für digitale 3D-Simulationen, sondern Orte, an denen das „Kopfkino“ so richtig abgehen kann.

Museen sind also Orte, die Objekte, Fakten und Phantasie miteinander verbinden.

In diesem Zusammenhang nimmt die Authentizität der jeweiligen musealen Ortslage eine besondere Rolle ein. Sie ist sowohl atmosphärisch als auch faktisch deutlich mehr, als eine didaktische Inszenierung.

Im Kontext von Welterbestätten ist deren Authentizität ein konstitutives Merkmal der Welterbe-Ernennung.

Das heißt, die Besucher:innen sollen eine möglichst „originalgetreue“ Situation erleben, die durchaus in unterschiedlichen Zeithorizonten wahrnehmbar werden kann. Sie durchlaufen folglich in Gebäudeensembles oder Landschaftsräumen unterschiedliche Jahrhunderte „menschlicher Schöpfungskraft“, in die sich die musealen Präsentationsformen einzuordnen haben.

Im Gegensatz zu einer Gemäldesammlung, die ihren Ort in einem sogenannten „White Cube“ finden kann und mit einer gewissen Beliebigkeit der Ortslage behaftet ist, sind museale Institutionen deren Heimat der authentische Ort, beziehungsweise das authentische Objekt ist, durch eine vollständig andere Bindung an Raum und Zeit geprägt.

Die Besucher:innen bewegen sich in diesen Einrichtungen sehr viel stärker in konkreten „Fenstern in die Zeit“, als dies bei räumlich und zeitlich unabhängigen Expositionen der Fall ist.

Kinder erleben das Museum Weltkulturerbe Rammelsberg (c) Weltkulturerbe Rammelsberg / Sobotta

Kinder erleben das Museum Weltkulturerbe Rammelsberg. Foto: Weltkulturerbe Rammelsberg/Stefan Sobotta/ Visum.

Die gehaltliche Chance der Kombination von Vermittlung und authentischen Ort oder Objekt verdeutlicht aber auch, dass einer digitalen Erfahrbarkeit desselben enge Grenzen gesetzt sind.

Digitalität kann hier nur Hilfsmittel sein, da im Zentrum die unverbrüchliche Authentizität der konkreten Ortslage steht.

Ein Beitrag von Gerhard Lenz, M.A., Stiftungsdirektor Welterbe im Harz.

Das neue Infozentrum in Goslar als „Lesehilfe“ für das UNESCO-Welterbe im Harz

Ein Beitrag von Lea Dirks

„Steig‘ ein in das verborgene Labyrinth der Schätze“

Am 24. April war es soweit: das neue Infozentrum zur Welterbestätte „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“ hat seine Türen in Goslar geöffnet. Aber worauf können sich Besucher und Besucherinnen ab sofort freuen?

Mit dem Welterbe-Infozentrum im historischen Rathaus in Goslar ist ein Ort entstanden, der das Flächenwelterbe UNESCO-Welterbe im Harz und dessen beeindruckende Geschichte in einer spannenden Ausstellung vorstellt, über touristische Angebote informiert und auf die Originalschauplätze neugierig macht.

Es bietet einen Überblick über die zahlreichen musealen Einrichtungen und die öffentlich zugänglichen Bodendenkmale, die sich auf einer über 220 Quadratkilometern großen Fläche – von Goslar bis nach Walkenried – erstrecken. Das UNESCO-Welterbe im Harz ist eine der vielfältigsten Weltkulturerbestätten Deutschlands und damit das Welterbe-Infozentrum idealer Ausgangspunkt, um die authentischen Orte im Welterbe zu erleben und auf Entdeckungsreise zu gehen.

Historisches Rathaus Goslar (c) Weltkulturerbe Rammelsberg / Sobotta

Historisches Rathaus Goslar (c) Weltkulturerbe Rammelsberg / Sobotta

Ein Gang durch die Ausstellung

Welterbe verbindet

Welterbe sein heißt ein gemeinsames kulturelles Gedächtnis zu haben und Teil einer großen Welterbefamilie zu sein. Zunächst entdecken unsere Gäste daher die Bedeutung der weltweiten UNESCO-Welterbestätten und lernen die Ernennungskriterien kennen, nach denen auch das UNESCO-Welterbe im Harz in die Welterbeliste aufgenommen wurde.

Ein Teil der Welterbefamilie sein. Foto: Stefan Sobotta / Stiftung Welterbe im Harz.

Multimedial durch 3000 Jahre Kulturgeschichte

Weiter geht es in der Ausstellung mit einem regionalen Blick auf die Welterbe- und Montanregion Harz mit ihrer über 3.000-jährigen Kulturgeschichte. Architektur und Siedlungswesen, Bergbau, Landschaftswandel und Wasserwirtschaft – all diese Themen hängen im Welterbe unmittelbar zusammen.

3D-Modell im Welterbe-Infozentrum in Goslar. Foto: Stefan Sobotta / Stiftung Welterbe im Harz.

Herzstück des Welterbe-Infozentrums ist ein 3D-Landschaftsmodell mit einer 7-minütigen Filmprojektion, die den Veränderungsprozess der 3.000 Jahre alten Kulturlandschaft im Westharz verdeutlicht. Der Film bietet den Gästen die einzigartige Möglichkeit sich aus Vogelperspektive einen Überblick über das gesamte UNESCO-Welterbe im Harz zu verschaffen, aber auch dessen beeindruckende Geschichte im „Schnelldurchgang“ kennenzulernen.

Die Vielfalt des Welterbes entdecken

Welche Gebäude, Bodendenkmale und Gewässersysteme über wie unter Tage zum Harzer Welterbe-Ensemble zählen, erfahren Gäste ebenfalls bei ihrem Besuch.  Darunter: der über- und untertägige Rammelsberg mit dem heutigen Museum und Besucherbergwerk und die vom Bergbau geprägte Altstadt von Goslar, die rund um Clausthal-Zellerfeld liegende Oberharzer Wasserwirtschaft mit ihrem über 300 Kilometer langen Teich- und Grabensystem und ihren zahlreichen musealen Einrichtungen.

Routen zu den Welterbestätten. Foto: Stefan Sobotta / Stiftung Welterbe im Harz.

Mit individueller „Roadmap“ auf Entdeckungsreise

Die Welterbe-Orte in unmittelbarer Nähe des Welterbe-Infozentrums rücken bei der lokalen Perspektive und damit im letzten Ausstellungsbereich in den Mittelpunkt: Sechs Hörstationen vermitteln anschaulich, was Sie vor Ort entdecken können. Menschen aus dem Welterbe im Harz sprechen hier ihre persönlichen Empfehlungen und Tipps aus, was im direkten Umfeld zum Welterbe-Infozentrum erlebt werden kann – sei es: eine Führung durch das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg, eine Wanderung an der Auerhahn-Kaskade in Hahnenklee oder der Besuch der altehrwürdigen Kaiserpfalz in Goslar.

Bevor es auf die Tour zu den authentischen Welterbe-Orten geht, kann die eigene Reiseroute an einem Medienterminal zusammengestellt werden. Es bietet zahlreiche Informationen zu touristischen Angeboten und gibt einen Überblick über aktuelle Veranstaltungen. Ob Möglichkeiten bei schlechtem Wetter, barrierearme Orte oder Veranstaltungen für die ganze Familie – die Besucher und Besucherinnen entscheiden ganz individuell. Die eigene „Roadmap“ kann im Anschluss ausgedruckt oder digital auf das Smartphone geladen werden.

Poesie für Frieden

Die Adolf-Grimme-Gesamtschule Goslar ist eine anerkannte UNESCO-Projektschule und Partnerschule des Rammelsberges. Die Schüler*innen der Klasse 9a der AGG haben ihre individuellen Gedanken zum Thema Frieden in Form eines Akrostichons bzw. Mesostichons dargestellt. Diese Friedensbotschaften malten sie (mit Genehmigung der Stadt) mit Kreide in die Fußgängerzone Goslars, um ein kreatives Zeichen für den Frieden zu setzen und mit Passant*innen ins Gespräch zu kommen. Mit dieser Aktion haben sie sich am Aufruf der UNESCO-Bundeskoordination zur Aktion „Gift a poem“ beteiligt, bei der Schüler*innen „Poesie für Frieden“ an öffentlichen Orten „verschenken“.

Verfasserin: Sabine Rehse, Fachbereichsleitung Naturwissenschaften Koordination der UNESCO-Arbeit

Video-Interview mit Mariano Rinaldi Goñi

Sonderausstellung: Erz-Nornen – Mythen, Farben & Metalle

Als eine kleine Vorschau auf unsere am 27. März beginnende Sonderausstellung „Mariano Rinaldi Goñi: Erz-Nornen, Mythen, Farben und Metalle“ sprachen wir mit dem Künstler Goñi selbst in einem kurzen Videointerview über die Sonderausstellung, ihr Begleitprogramm und den künstlerischen Schaffensprozess an sich.

Die Sonderausstellung läuft bis zum 28. Mai. Das Begleitprogramm sieht aus wie folgt:

Workshop: Malen auf Schiefer
Reagenzienbühne
Freitags 8.04.2022 und 22.04.2022, jeweils ab 17.00 Uhr (ca. 1,5 Std.)
Anmeldung unter info@rammelsberg.de
16,00/13,00 €

In diesem Malerei-Workshop lernen Sie den Künstler Mariano Rinaldi Goñi und einige seiner Kunstwerke kennen und dürfen auch selbst künstlerisch tätig sein. In einer kurzen theoretischen Einleitung erfahren Sie zum einen, wie er Farben verarbeitet und komponiert und zum anderen mit welchen Themen er sich in seiner Malerei befasst. Im großen Praxisteil des Workshops malen Sie Ihr eigenes kleines Kunstwerk auf eine Schieferplatte und der Künstler steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Künstler-Führung „Mariano Rinaldi Goñi: Erz-Nornen, Mythen, Farben und Metalle“
Schwerspatraum
Samstag, 09.04.2022 und 23.04.2022, jeweils ab 14.00 Uhr
(ca. 60 Min.)
16,00/13,00 €

Der Künstler Mariano Rinaldi Goñi führt Sie selbst durch die Ausstellung. Sehen Sie durch seine Augen auf die ausgestellten Gemälde und erhalten dabei einen intensiven Einblick in sein künstlerisches Schaffen und seine Inspiration am authentischen Ort der Arbeit. Die jahrtausendelange Geschichte sowie die Ressourcen, die ihm der Harz zur Verfügung stellt, werden in des Künstlers Emotionen vereint und spiegeln sich in seinem Werk wider.

 

Live-Art-Performance „Vor Ihren Augen lässt der Künstler Mariano Rinaldi Goñi ein Kunstwerk entstehen“
Reagenzienbühne
Samstag, 09.04.2022, 23.04.2022, jeweils ab 16.00 Uhr (ca. 1,5 Std.)
16,00/13,00 €

Mit dem Schrägaufzug geht es an der Erzaufbereitung hinauf zur Reagenzienbühne. Hier arbeitet der Künstler an seinem Werk, inmitten des authentischen Ortes – des Ortes, den einst der Lärm des brechenden Erzes und die Atmosphäre harter Arbeit von Mensch und Maschine ausmachte. Bestaunen Sie das künstlerische Schaffen Goñis in Aktion und kommen mit dem Künstler in Gespräch.

 

Vortrag Frau Prof. Dr. Ströter-Bender: „Die drei Nornen in Kunst und Mythologie“
Schwerspatraum
So. 08.5.2022, 11.00 Uhr;
Eintritt frei

Die drei Nornen sind die großen Schicksalsgöttinnen in der germanisch-nordischen Mythologie.  Sie werden Urd (Schicksal), Verdandi (das Werdende) und Skuld (Schuld; das, was sein soll) genannt und spinnen den Lebensfaden der Menschen. Ihre Gestalten begegnen uns auch in Märchen und Sagen, so als die drei Feen. Aber ihre Personifikationen sind sehr viel älter.
Sie weisen weit in die europäische Vor- und Frühgeschichte hinein und sind mit der Verehrung der Mondgöttin, mit Quellen und heiligen Hainen verbunden.
Seit dem 19.  Jahrhundert werden die drei Nornen auch wieder in der Kunst dargestellt. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Imagination ihrer Mythologie und damit verbunden, in die Kulturgeschichte.

Frau Prof. Dr. Ströter-Bender ist Kunstpädagogin und Künstlerin, emeritierte Professorin für Kunst und ihre Didaktik an der Universität Paderborn.

 

Finissage „Mariano Rinaldi Goñi: Erz-Nornen, Mythen, Farben und Metalle“
Reagenzienbühne
06.05.2022, 19.00 Uhr
Anmeldung unter info@rammelsberg.de
29,00 €

Auch zum Abschluss der Ausstellung lädt der Rammelsberg zu einer aufsehenerregenden Live-Art-Performance mit Musik, Tanz, Malerei, argentinischem Wein und Fingerfood ein. Erleben Sie eine expressive Show des Künstlers Mariano Rinaldi Goñi und seiner Freunde auf der Reagenzienbühne in der ehemaligen Erzaufbereitungsanlage des Rammelsberges.