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Ein rauchender Schornstein

Blick in die Sonderausstellung

Wenn man heutzutage ein Bild eines rauchenden Schornsteines, aus dem sich eine große schwarze wabernde Rauchfahne zieht, sieht, verbindet man das in der Regel nicht mit einem fortschrittlichen Gedanken, sondern es steht beispielhaft für Umweltverschmutzung.  Daher wird es von Industriebetrieben vermieden, in der Außendarstellung mit einem rauchenden Schornstein in Verbindung gebracht zu werden. Das war aber nicht immer so.

Ursula Arndt, Bayer-Werk Leverkusen (Sammlung Neubert)

Ein Blick in unsere Sonderausstellung „Orte der Arbeit“ zeigt dem Betrachter die Genese des Symbols eines abgebildeten Schornsteins. Die Mehrzahl der Bilder, die alle der Epoche der Industriemalerei zugeordnet sind, stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Einer Epoche, die in fast allen sozialen und gesellschaftlichen Ausprägungen von der Industrialisierung bestimmt war. Einher mit der umgreifenden Industrialisierung ging der Wettbewerb, sowohl innerhalb eines bestimmten Industriezweiges, als auch ein Wettbewerb, der sich zwischen Nationen abspielte.
Die Darstellung der industriellen Erfolge, der Produktion und der Anlagen war daher immer auch eine Leistungsschau. Oftmals handelt es sich nämlich bei diesen Werken um Auftragsarbeiten der abgebildeten Firmen. Die Bilder dienten in der Folge zur repräsentativen Ausgestaltung von Direktionen oder auch zu profanen Werbezwecken. Riesige qualmende Schornsteine standen gleichsam für wirtschaftlichen Erfolg und sind sehr präsent in der Selbstdarstellung großer Unternehmen, besonders natürlich in der Schwerindustrie. Selbst in der Landschaftsmalerei stehen dunkel rauchende Schlote im Fokus, die nur noch zur bildlichen Ausschmückung mit einer umgebenen Landschaft verbunden zu scheinen.

Otto Straamann, Blick auf Hochöfen (Sammlung Neubert)

Die Wahrzeichen der Industrialisierung „kongruierten“  in dem Weichbild einer Stadt nur mit den Kirchtürmen. Allerdings, im Gegensatz zu den Kirchen, nur für einen bestimmte Dauer. In Zeiten des Kampfes gegen Abgase und zunehmenden Umweltbewusstseins wandelte sich die zugedachte Bedeutung weg vom Fortschrittsglauben bis hin zur teilweisen  Dämonisierung. Daher sind die gezeigten Bilder in der Sonderausstellung „Orte der Arbeit“ gleichsam auch ein Stück Zeitgeschichte. Nicht nur die dort abgebildeten Arbeitsprozesse, wie beispielsweise das Verkoksen von Steinkohle, sondern auch die Selbstreflektion der Industrie hat sich in den vergangenen einhundert Jahren gewandelt bzw. ist nicht mehr existent.

Gerhard Graf; Hochofen-Anlage (Sammlung Neubert)

Sie haben noch bis zum 8. November die Möglichkeit, unsere Sonderausstellung zu sehen. Darüber hinaus haben sie durch unseren Begleitkatalog die Möglichkeit die gezeigten Werke in ruhiger Minute nochmal zu Betrachten.

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