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„Es brennt – Ateşleme var“

Süleymann Aziz Akcivan mit WarnschildHerr Süleymann Aziz Akcivan hält ein Schild in seinen Händen mit einem Warnhinweis in deutscher wie türkischer Sprache. Viele solcher Schilder befinden sich in der Sammlung des Rammelsberges und erzählen von deutscher Nachkriegsgeschichte und von der Geschichte des Bergbaus und seinen Männern. Herr Akcivan, der vor 39 Jahren aus der Türkei an den Rammelsberg kam und seit dem Oktober seinen wohlverdienten Ruhestand genießen kann, gehörte zu den ersten Bergleuten am Rammelsberg, die in der Türkei angeworben worden waren. Es fiel ihm nicht schwer, sich in das fremde Land einzuleben. Er lernte Deutsch und gründete eine Familie. Inzwischen besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft.

Einige Jahre nach Schließung des Rammelsberges wurde Herr Akcivan beim Museum und Besucherbergwerk als Lokfahrer eingestellt. Diese Arbeit lag ihm sehr und wegen seines freundlichen, aufgeschlossenen Wesens war er besonders bei Kindern sehr beliebt. Seine Tochter und sein Sohn wuchsen in der Straße auf, die zum Werk führt, und sein Sohn, inzwischen Grafik-Designer, beschreibt heute die damalige Bergmannswelt folgendermaßen:

Seifenblasen und Orangenbrause aus dem Rammelsberg

In unserer Straße war es früher sehr laut, sehr lebendig und sicher. Ich hatte viele Freunde, Spanier, Deutsche und Türken. Parallel war damals nichts! Wir hörten als Kinder gemeinsam täglich die Sprengungen im Tagebau, das Rattern und Pfeifen der Loks, wussten alle welche Schicht (drei Schichten arbeitete man früher) wieder aus dem Berg kam.

Ich erinnere mich gut, dass ich zu Ferienzeiten meinen Vater abends von der Arbeit abholen durfte. Es waren laue Sommernächte und es kamen hunderte Männer aus dem Werk und rochen gut nach Seife. Irgendwann traf ich meinen Vater auf dem Weg, der mir eine Bergarbeiterbrause mitbrachte. Diese Brause wurde kostenlos vom Werk gestellt und war wunderbar grün. Toll!

Es war aber nicht nur toll. Genauso gut kann ich mich an ein Grubenunglück erinnern, wo ein türkischer Kumpel meines Vaters ums Leben kam.

Zum ersten Mal damals schossen einige Krankenwagen die Straße hoch, keiner wusste zu diesem Zeitpunkt, was geschehen war.

Die Bergleute und ihre Familien wussten, wie gefährlich die Arbeit war, aber mir als Kind kam das erst richtig ins Bewusstsein, als die ersten schweren Unfälle mit Todesfolge geschehen waren.

Nun sind fast 40 Jahre vergangen, mein Vater war fast nie krank geschrieben und freut sich schon riesig auf seine Rente. Ob er die Lok vermissen wird, wissen wir nicht. Sicher wird ihm der Umgang mit den vielen netten Menschen fehlen.

Azim Akcivan

Azim Akzivan hat einen kleinen Film über seinen Vater gedreht, den Sie hier anschauen können:

Wir Kollegen vom Rammelsberg freuen uns, dass es Aziz gut geht und wünschen ihm eine gute Zeit im wohlverdienten Ruhestand.

Ach ja, um auf das Schild zurückzukommen: „Es brennt“ bedeutet soviel wie: „Achtung, die Lunte brennt. Es wird gesprengt!“

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