UNESCO Logo

Der Bergbau im Harz im Museum – die Anfänge

In unserem letzten Beitrag haben wir das Leben und vor allem das Werk Wilhelm Bornhardts vorgestellt, welches untrennbar mit der Musealisierung des Harzer Bergbaus in Clausthal-Zellerfeld verbunden ist.
Jedoch wurde der Harzer Bergbau fast zeitgleich in anderem Museum, nämlich dem Deutschen Museum in München, ebenfalls museal in wertgesetzt. Bereits 1906 eröffnete Oskar von Miller im Keller das Alten Nationalmuseums in München ein provisorisches Anschauungsbergwerk, welches durch das 1925 eröffnete große Anschauungsbergwerk im Deutschen Museum abgelöst wurde. Von Miller  beschäftigte namhafte Bergbaukundige seiner Zeit als Fachberater. So u.a. zwischen 1907 und 1909 den damaligen Leiter Direktor der Berliner Bergakademie, Wilhelm Bornhardt. [1]

Wie sah der Bergbau im Harz eigentlich aus, der ab Mitte der 1920er in Museen Einzug hielt? Beispielgebend zur Beantwortung dieser Frage können hierzu die Fotos, in dem 1893 erschienen Katalog „Bilder aus den Oberharzer Gruben“ des Clausthaler Fotografen Zirkler dienen, welche die authentische Arbeitssituation der Harzer Bergleute zeigen. Ein Bild zeigt einen Bergmann, den sog. Stürzer, während seiner Arbeit an der Hängebank des Serenissimorum Schachtes im Rammelsberg.

Genau die dort abgebildete Szenerie wird in einer dreidimensionalen Installation mit der Bezeichnung: „Historischer Schachtbetrieb“ im Deutschen Museum München gezeigt. Diese Installation wurde im Übrigen unter Verwendung von Originalteilen der Hängebank des Serenissimorum Schachtes aus dem Rammelsberg geschaffen, die zusammen mit Erzstücken und anderen Grubenhölzern und bergbaulichen Artefakten aus dem Oberharz 1919 nach München geliefert wurden.
Der wesentliche Unterscheid zwischen den Darstellungen in München und Clausthal ist, dass der im sog. Anschauungsbergwerk des Deutschen Museums gezeigte Bergbau im Harz[2] nicht das Ende einer Jahrhunderte alten Epoche markiert, sondern durch seine scheinbar archaische und vorindustrielle Erscheinung den Anfang des dortigen Rundgangs in einer sehr umfassenden und möglichst alle Facetten darstellenden Bergbauabteilung bildet.[3]  Dies entspricht genau der Philosophie Oskar von Millers, er wollte Ausstellungsobjekte in einer fortlaufenden Reihe, ausgehend von einfachen hin zum hochentwickelten Technikobjekt, präsentieren. Allerdings konnten durch  die anfängliche Glorifizierung der Technik im Deutschen Museum etwaige Wechselwirkungen zwischen der gezeigten Technik, den Menschen oder der Landschaft nicht aufgezeigt werden.[4]
Die Situation im Harz lies aber zwangsläufig keine Darstellung nachfolgender bergbaulicher Entwicklung mehr zu. Bornhardts Verdienst um den museal dargestellten Harzer Bergbau ist genau das Erkennen der Wechselwirkung zwischen Mensch und Technik und der daraus resultierenden kulturellen Bedeutung des Bergbaus im Harz, lange vor den ersten wirtschafts- oder sozialhistorischen Untersuchungen zu diesem Thema[5]. Des Weiteren erkannten Bornhardt und seine Mitstreiter genau den richtigen Zeitpunktes für eine Transformation, nämlich kurz vor dem Ende des aktiven Bergbaus. Durch die Bemühungen des Vereins ein lebendiges Museum in Clausthal-Zellerfeld zu schaffen, welches besonders die hier lebenden und arbeiteten Menschen in den Fokus stellt,  wird das Thema Bergbau von einem aktiven Arbeitsprozess fast übergangslos zu einem vermittelnden Stück Kulturgeschichte transformiert.

[1] Vgl. ausführlich die Geschichte der Bergbauabteilung des Deutschen Museums: Gundelwein, Andreas; Vermittlung von Bergbau- und Technikgeschichte in einer Zeit ohne aktiven Bergbau in Deutschland. In: Montanregion als historisches Erbe. Reflexionen und Ausblicke, hrsg. vom Weltkulturerbe Rammelsberg Museum und Besucherbergwerk, Goslar 2017, S.111 ff.

[2] Gezeigt wird u.a. auch eine Installation der Erzkahnförderung im Ernst-August-Stollen.

[3] Vgl. Heckel, Wolfgang M. (Hrsg.); Technik. Welt. Wandel. Die Sammlungen des Deutschen Museums, München 2009, S. 6-17.

[4] Vgl. Lörwald, Brigitte; Die Entstehung von Technikmuseen seit Beginn der achtziger Jahre als Folge der Musealisierung von Industrie und Technik, Uni.-Diss Paderborn, S. 75 ff.

[5] Vgl. Kaufhold, Karl Heinrich; Gewerbe, Bergbau und Industrie in der Neuzeit. In: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Arbeitsgeschichte-Probleme-Perspektiven, hrsg. vom Kaufmann, Karl Heinrich et al., München 2005, S.107.

Verwandte Beiträge:

  • Keine verwandten Beiträge vorhanden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*