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Wilhelm Bornhardt – Beginn der Musealisierung des Harzer Bergbaus

Friedrich Wilhelm Conrad Eduard Bornhardt wurde am 20. April 1864 als Sohn eines Optikers in Braunschweig geboren.  Er studiert Geologie und übte verschiedene Tätigkeiten im In- und Ausland aus, bis er 1922 zum Berghauptmann des Oberbergamtes in Clausthal berufen wurde, auf eine Stelle, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1929 innehatte.[1]

Das Wirken Bornhardts im Harz ist untrennbar  mit der beginnenden  Musealisierung des Harzer Bergbaus verbunden. Denn das Museum in Zellerfeld und dessen Reaktivierung setzte sich Bornhardt, zwischenzeitlich als erster Vorsitzendender des 1924 gegründeten Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins, in besonderem Maße ein.

Das Museum, das als heimatkundliche Sammlung 1892 gegründet wurde, war zum Zeitpunkt des Amtsantrittes Bornhardts der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die vormals in zwei Räumen des Zellerfelder Rathauses gezeigte Sammlung und deren Bestände wurden nach dem Ersten Weltkrieg ausgelagert und nicht wieder präsentiert. Durch die Fusion der beiden Bergstädte am 1. Mai 1924 und die Verlegung der zukünftigen gemeinsamen Verwaltung in das Rathaus nach Clausthal stand das Zellerfelder Rathaus für eine etwaige „Fremdnutzung“ zur Verfügung. Es ist u.a. Bornhardts Drängen zu verdanken, dass in dem leerstehenden Gebäude das geplante Oberharzer Heimatmuseum seinen Platz finden sollte.[2] Am 8. Oktober 1928 konnte das Museum feierlich (wieder-) eröffnet werden. Hinzu kamen jetzt unter Bornhardts Wirken geologische und mineralogische Sammlungen, Modelle und in der Folge ganze bergbauliche Anlagen und Gebäude, die heute auf dem Freigelände des Museums zu besichtigen sind. [3]

Zweifelsohne sind Bornhardts Leistungen um das Oberharzer Bergwerksmuseum und das ebenfalls von ihm gestaltete Rammelsbergzimmer im Goslarer Museum unumstritten. Ohne ihn würde es das heutige Oberharzer Bergwerksmuseum nicht geben. Dennoch wäre es falsch die Existenz dessen, nur auf Bornhardts Wirken zu reduzieren. Das Grundgerüst der Sammlungen des heutigen Oberharzer Bergbaumuseums war das Ergebnis der bergamtlichen Achenbachschen Direktive von 1884 wonach u.a. Bergbau- und Hüttengerätschaften zu sammeln seien. Diese Sammlung wurde nach der Gründung 1892 dem Zellerfelder Museum übergeben.

Dennoch bemühte sich der Verein unter Bornhardt nicht nur um die Wiedereröffnung, sondern vielmehr sollte in der Folge ein Museum geschaffen werden, welches durch einen heimatkundlichen Querschnitt auch die einzigartige Rolle des Bergbaus im Oberharzes darstellen sollte. Denn die Blütezeit des Oberharz Bergbaus näherte sich unaufhaltsam ihrem Ende. Bornhardt und seine Mitstreiter im Oberharzer Geschichts- und Museumsverein erkannten allerdings genau zum richtigen Zeitpunkt die kulturhistorische Klammer, die der Bergbau über die Jahrhunderte im Harz bildete und sie hielten es für wichtig bergbauliche Relikte aus der Zeit für die Nachwelt zu erhalten. Für eine Zeit nach dem Ende des aktiven Bergbaus und der damit verbunden Wirtschaftszweige. Der Bergbau als Sache wird von einem eigentlich aktiven und alltäglichen Prozess zu einem vermittelnden Gegenstand transformiert, der erklärt werden muss. Der Bergbau wird dadurch zwar nicht wieder authentisch oder original, aber er fühlt sich durch die Präsentation in einem eigens dafür geschaffenem Raum scheinbar noch echt an.
Die angedachte regionale Verantwortlichkeit des Museums zu Zeiten Bornhardts hat sich spätestens seit dem 1. August 2010 (Erweiterung des UNESCO-Welterbes im Harz) zu einer und das darf an dieser Stelle betont werden, internationalen Verantwortlichkeit transformiert. Auch wenn sich die Vorstellungswelt Bornhardts mit Sicherheit nicht in solchen Dimensionen bewegte, könnten die heutigen Akteure, ohne sein umtriebiges Tun der Verantwortung und authentischen Vermittlung eines Weltkulturerbes im 21.Jahrhundert nur schwer gerecht werden.

[1] Vgl. ausführliche biographische Angaben in: Hahnemann, Hans: Berghauptmann Wilhelm Bornhardt zum 100. Geburtstag. In: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender 1964, Clausthal-Zellerfeld, o.J. [1963], S. 17 ff.

[2] Vgl. hierzu den ausführlichen Schriftverkehr, in: Akte des Oberharzer Bergwerksmuseum; Mittel zur Wiederherstellung des Museums.

[3] Vgl. ausführlich zur Geschichte des Oberharzer Bergwerksmuseums. Küppers-Eichas, Claudia; 1892-1992. 100 Jahre Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld, hrsg. vom Oberharzer Geschichts-und Museumsverein Clausthal-Zellerfeld.

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