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Rätsel um eine Kasse

Im Zuge der Übernahme des Inventars der Schuhmacherwerkstatt Oberle hat auch eine Kasse ihren Weg in unsere Sammlung gefunden. Ein nicht gerade gewöhnliches Gerät: Der hölzerne Korpus ist recheckig, die obere Platte leicht geneigt, um eine bessere Aufsicht zu ermöglichen. Darin ist ein rechteckiges Sichtfenster eingelassen, welches von einem verzierten Metallrahmen eingefasst wird. Durch das Fenster sieht man eine Papierrolle, die wie ein auch heute verwendeter Kassenbon aussieht.

Kasse des Schuhmachers Oberle - Ansicht (Ausstellung Weltkulturerbe Rammelsberg)

Am Gerät sind jedoch keinerlei Tasten mit Buchstaben und/oder Zahlen auszumachen, die auf eine mechanische Beschriftung schließen ließen. Der Bon wurde also per Hand beschriftet, und rechnen konnte man mit dem Gerät offensichtlich auch nicht – wer diese Kasse benutzte, musste also gut kopfrechnen können. Die Metallhalterung links war vermutlich für einen Stift vorgesehen.

Über dem Sichtfenster befindet sich wie bei einer Spardose ein Schlitz, in den, berichten Zeitzeugen, die Scheine gesteckt wurden. Diese fielen dann in ein im Innern des Korpus befindliches Fach.

Die Schublade der Kasse ist durch einen besonderen Mechanismus gegen Diebstahl gesichert. Zieht man einfach an dem Griff an Vorderseite, ertönt im Innern eine laute Klingel. Unter dem Griff verbirgt sich eine Reihe von Metallknöpfen. Nur wenn man eine bestimmte Kombination dieser Knöpfe gleichzeitig hochdrückt, lässt sich die Kasse geräuschlos öffnen.

Kasse des Schuhmachers Oberle - Anti-Diebstahl-Mechnanismus

Einem geschickten Dieb ist es dennoch gelungen, die Kasse mehrfach auszuräumen. Schon zu Zeiten von Gottfried Oberle (1902-1985) stand sie im Ladengeschäft des Schuhmachers. Dort bediente gewöhnlich seine Frau Hedwig die Kunden. Seit Längerem hatte die Familie bemerkt, dass Geld in der Kasse fehlte, konnte sich aber nicht erklären wer das Geld wie gestohlen hatte. Nun war es so, dass ein bestimmter Kunde öfter mal mit kleineren Reparaturaufträgen in den Laden gekommen war und gerne gleich auf die Erledigung warten wollte. Dann musste Hedwig den Laden verlassen, um den Schuh nach hinten in die Werkstatt zu bringen. Diese Zeit nutzte der Täter, um mit einem Kamm die Scheine aus dem Schlitz zu angeln – bis er eines Tages auf frischer Tat erwischt wurde. Daraufhin verschloss Oberle den Schlitz von innen.

Diese Kasse hat also schon einen ereignisreichen Werdegang hinter sich. Über ihre Herkunft ist uns leider nur bekannt, dass Gottfried Oberle sie geschenkt bekommen hat. Von wem? Wer hat sie hergestellt? Die Kasse aus der Schuhmacherwerkstatt Oberle gibt uns weiterhin Rätsel auf.

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2 Kommentare zu “Rätsel um eine Kasse
  1. Juergen Tietz sagt:

    Bei dieser Kasse handelte es sich um eine sogenannte MOGLER-Kasse. Sie war bis in die 50er Jahre noch üblich. mfg Jürgen Tietz

    • Johannes Großewinkelmann, Weltkulturerbe Rammelsberg sagt:

      Vielen Dank Herr Tietz für diesen Hinweis. Wir werden Ihre Ausführungen in die Dokumentation zu dieser Kasse einfügen.

      Mit freundlichem Glückauf

      Johannes Großewinkelmann

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