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Der Hängebankstollen – Denkmalschutz unter Tage

Die schöne restaurierte Fassade, der wieder hergestellte Kirchturm oder das freigelegte Deckengemälde, solche Ergebnisse des Denkmalschutzes  werden gerne öffentlich präsentiert und zeigen, wie wertvoll es ist, solche Arbeiten zu finanzieren. Auch am Weltkulturerbe Rammelsberg liefert der Denkmalschutz bei der Wiederherstellung der Schrägförderanlage oder der Sanierung der Gebäude solche sichtbaren und öffentlichkeitswirksamen Ergebnisse. Doch das ehemalige Erzbergwerk hat auch Denkmale, die weniger sichtbar und schwer zugänglich sind, weil sie sich unter Tage und auch noch außerhalb der für den Besucherverkehr freigegebenen Grubenräume befinden. Auch diese Denkmale werden im Rahmen des Weltkulturerbestatus als Teil des Kulturgutes der Menschheit geschützt und wenn notwendig restauriert.

Der Hängebankstollen, der vom Rammelsbergschacht ausgehend in den Berg führt, ist ein Unter-Tage-Denkmal und erschließt mit der Richtschachter Fördermaschine ein weiteres seltenes technikhistorisches Denkmal in einem Blindschacht. Blindschächte haben keine Übertageöffnung. Nur in wenigen Bergwerken weltweit existieren Fördermaschinen für die Befahrung von Blindschächten. Der Richtschacht am Weltkulturerbe Rammelsberg ist mit komplett erhaltener Fördermaschineneinrichtung aus den 1940er Jahren ausgestattet.

Blick in den Hängebankstollen

Im Rahmen des Investitionsprogramms für Welterbestätten konnte der teilweise verbrochene Hängebankstollen in den letzten Jahren in mehreren Bauabschnitten wieder aufgewältigt werden. Diese Aufwältigung war für die Bewetterung (Belüftung) der Grubenräume des Besucherbergwerks und insbesondere auch für die Bewetterung des untertägigen Maschinenraums der Richtschachter Fördermaschine enorm wichtig. Technische Einrichtungen, aber auch sozialgeschichtlich wichtige Exponate sind unter Tage meistens einer hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, die viele Objekte in ihrem Bestand gefährden. Die Verbesserung der Bewetterung hat die Feuchtigkeit im Fördermaschinenraum am Richtschacht sichtbar abgesenkt und dadurch den schädlichen Pilzbefall  an den Holz- und Metallobjekten erheblich verringert.

Die Aufwältigung des Hängebankstollens wurde in enger Absprache mit den Denkmalschutzbehörden durchgeführt. Verbrochene Einbauten wurden in handwerklich gleicher Ausführung wieder aufgebaut. Bauelemente, die den statischen Anforderungen entsprachen, blieben bestehen und wurden, wenn notwendig, durch zusätzliche Einbauten unterstützt. So konnte nicht nur das ursprüngliche Erscheinungsbild des Hängebankstollens erhalten werden, sondern weite Teile des Ausbaus erfolgten mit den gleichen bergbaulichen Techniken, mit denen dieser Stollen ursprünglich aufgefahren wurde.

Am Tag des offenen Denkmals (8. September 2013), der dieses Jahr unter dem Motto „Unbequeme Denkmale“ steht,  wird es Führungen durch den Hängebankstollen geben. Leider sind alle Führungen bereits ausgebucht ! Wir waren überrascht, wie hoch die Resonanz auf das Führungsangebot  ist und werden deshalb in naher Zukunft weitere Führungen durch den Hängebankstollen anbieten. Wir bitten an dieser Stelle  um Verständnis für die strikte Begrenzung  der Teilnehmerzahl bei solchen Führungen, doch die Sicherheit unserer Besucher hat dabei oberste Priorität.

Abb: Neuer Ausbau (Vordergrund) und alte Ausbauten (Hintergrund) nach dem Beräumen im Hängebankstollen während der Sanierung.
Foto: BST Freiberg GmbH & Co. KG, 2011

 

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