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Vor 20 Jahren: Hufescharren am Rammelsberg – „Silver“ in der Kaue

Chamberlains "Silver" trifft am Rammelsberg ein

Museumsmitarbeiter Uwe Mämecke und Yasar Bulut tragen „Silver“ in die Mannschaftskaue, kritisch beäugt von Museumsleiter Dr. Peter Eichhorn und Bezirkskonservator Prof. Dr. Reinhard Roseneck (Foto: Schenk, Goslarsche Zeitung vom 1.9.1995)

John Chamberlains reich verziertes Karusselpferd „Silver“, im vergangenen Blog-Beitrag von Kollegin Katharina Fuhrhop zu ihrem Lieblingsobjekt erkoren, gehört im September 2015 seit 20 Jahren als Dauerleihgabe des Goslarer Mönchehaus-Museums für moderne Kunst zum Exponatschatz des Rammelsbergs. Chamberlain wurde durch seine Arbeiten aus gebogenem Autoblech bekannt; er schuf sein Kunstwerk 1993 als seinen Beitrag zu einer Bosnien-Benefiz-Ausstellung. Es ist mit mancherlei Attributen ausgestattet, die dazu angetan sind, die Fantasie des Betrachters zu beflügeln und Bezüge zu seinem neuen Standort herzustellen:

Der Sage nach war es das ungeduldig scharrende Pferd des Ritters Ramm, das im hohen Mittelalter das Erzlager des Rammelsberges entdeckte, ähnlich Pegasus, der in der griechischen Mythologie mit seinen geflügelten Hufen die Quelle der Inspiration freilegte. Der spitze, silbern glänzende Stirnpanzer lässt an das gleichfalls sagenhafte Einhorn denken, das – wenngleich nie gesehen – im kulturellen Gedächtnis der Menschen im Harz fest verwurzelt ist. Der farbenfrohe Zierrat an Zaumzeug und Schabracke verweist auf die reiche Ausstattung eines Turnierpferdes aus dem Mittelalter, der ersten Blütephase des Rammelsberger Bergbaus.

So ausgestattet wird Chamberlains „Silver“ zu einem Mittler zwischen dem unverstellten Blick des Betrachters und dem Museum. Wie Wilmsen-Wiegmanns Erzbrocken und Christos „Package on a Hunt“ schlägt „Silver“ thematische Brücken und regt zur gedanklichen Auseinandersetzung mit Themen des Rammelsberger Bergbaus an, seiner Geschichte wie seinen Auswirkungen auf das Leben der Menschen.

Seinen Standort fand „Silver“ zunächst in der Mannschaftskaue, von der Decke abgehängt, nahe dem Durchgang zur Lohnhalle. Später wurde ihm eigens ein Spiegelkabinett in der Dusche der Jugendkaue eingerichtet, was dem Betrachter trotz der Enge des Raumes einen Blick von allen Seiten erlaubte. Mit der Umgestaltung des Magazingebäudes wurde „Silver“ mitsamt seiner verspiegelten Behausung in die kulturgeschichtliche Ausstellung umgesetzt, wo er noch heute zu sehen ist und dem Besucher akustisch die Sage von der Erzauffindung durch das Pferd des Ritters Ramm vermittelt wird.

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