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Zeitzeugen im Gespräch

Als wir die Schuhmacherwerkstatt Oberle in die Sammlung des Museum übernahmen, waren ihr letzter Betreiber, Dieter Oberle, wie seine Vorgänger, bereits verstorben. Die wichtigste Gewährsperson, die uns Informationen zu handwerklichen Vorgängen etc. hätte liefern können, konnten wir also nicht mehr befragen. Wie arbeitet ein Schuhmacher? Wie wird ein Schuh hergestellt oder repariert? Wie hat sich das Handwerk im Laufe der Zeit entwickelt? – All diese Informationen mussten wir uns über Sekundärliteratur erschließen. Vor allem aber fehlten Informationen zu dieser spezifischen Werkstatt: Wie war sie eingebettet in ihr soziales, politisches und wirtschaftliches Umfeld? Da die Schuhmacher aus drei Generationen, die dort gearbeitet hatten, nicht mehr lebten, war es nahe liegend, Personen aus ihrem Umfeld zu befragen. Als Interviewpartner standen uns zum einen die noch lebenden Verwandten zur Verfügung. Da war der Sohn des ersten Schuhmachers Willi Vogel Rolf, der trotz seines hohen Alters bereit war,zu einem Interview noch einmal  in die Werkstatt zu kommen. Der häufigste Kontakt bestand zu der Witwe Dieter Oberles, die selbst einige Zeit in der Werkstatt mitgearbeitet hatte und auch aus der Schaffenszeit ihres Schwiegervaters Gottfried Oberle berichten konnte. Mit ihr wurden mehrere Interviews geführt, zunächst relativ offen, später wurden Fragen entlang eines im Vorfeld entwickelten Leitfaden gestellt. Auch ihr Sohn Dirk hat an einem Interview teilgenommen.

Zeitzeugen vor der Schuhmacherwerkstatt Oberle

Der Stellenwert von Zeitzeugeninterviews für die historische Forschung ist umstritten. Problematisch ist, dass es durch die retrospektive Perspektivehzu einer Verzerrung der Erinnerung kommen kann. Sie haben aber den unschätzbaren Vorteil, sehr nah am Menschen und ihrem Alltag zu sein. In den Interviews standen deshalb der Arbeitsalltag im Kontext der industriellen Entwicklung, die Einwirkung politischer Ereignisse, die Kunden und ihre Anforderungen und das soziale Umfeld im Mittelpunkt des Interesses. Das soziale Umfeld bzw. die soziale Funktion und Bedeutung des Schuhmachers und seiner Werkstatt konnten über die noch lebenden Weggefährten, die Dieter Oberle schon seit Kindertagen kannten, beleuchtet werden.

Der Mangel an schriftlichen und bildlichen Material, insbesondere zur Schuhreparaturwerkstatt, die es einmal am Rammelsberg gegeben hatte und die in enger Beziehung zur Werkstatt Oberle stand, machte es notwendig, auch für konkrete historische Ereignisse auf Aussagen von ehemaligen Bergleuten zuzurückgreifen, um nähere Informationen über die Lage und die Ausstattung dieser Werkstatt zu erhalten. Die   Ergebnisse der Interviews werden, aufbereitet durch begleitende Texte,  in unserer Ausstellung „83 Jahre im Dienst der Bergleute – JETZT im Museum. Die Geschichte der Schuhmacherwerkstatt Oberle“ und ins Begleitheft zur Ausstellung einfließen.

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1 Kommentar auf “Zeitzeugen im Gespräch
  1. Paul Holste sagt:

    Ich habe heute zufällig die Webseite gefunden und finde diese sehr gut. !958 war ich mit Dieter
    Oberle in Hannover auf der Meisterschule und haben dort die Meisterprüfung Im April 1958 erfolgreich abgelegt. Es war eine schöne Zeit mit Dieter.
    !959 habe ich in Mönchengladbach mein Geschäft eröffnet, ab 2006 ist mein Sohn ( ebenfals Meister) der Inhaber. 25 Jahre war ich vereidigter Sachverständiger für das Schuhmacherhandwerk, leider hatte ich nie in Goslar zu tun und habe Dieter somit nie besucht.
    Freundliche Grüsse Paul Holste

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