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Eine museale Präsentation der Arbeiterskulpturen in Deutschland war schon lange wünschenswert – Ein Interview mit Dr. Eckhart G. Grohmann, Milwaukee (USA)

Kurzfristig meldete sich letzte Woche Dr. Eckhart Grohmann aus Milwaukee (USA) an, um unsere Sonderausstellung „Hard Work“ zu besuchen. Dr. Grohmann hat es 2011 ermöglicht, dass die Arbeiterskulpturen-Sammlung von Herrn Werner Bibl  durch eine gemeinsame Initiative der Milwaukee School of Engineering und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe für das LWL-Industriemuseum in Dortmund angekauft werden konnte. Unsere Sonderausstellung zeigt bis zum 28. Oktober 2012 einen großen Teil dieser Sammlung.

Der in Deutschland geborene Dr. Grohmann, ehemaliger Besitzer einer großen Aluminiumgießerei in Milwaukee,  hat seit den 1960er Jahren unter dem Motto „Men at Work“ (Der Mensch bei der Arbeit) begonnen, eine Sammlung mit Gemälden und Skulpturen zum Thema Industrie und Arbeiter am Arbeitsplatz für das von ihm gestiftete Grohmann Museum an der Milwaukee School of Engineering (MSOE) aufzubauen. Wir (Morea Kuhlmann und  Dr. Johannes Großewinkelmann) waren gespannt, wie Dr. Grohmann auf die Präsentation der Arbeiterskulpturen reagieren würde und interviewten ihn beim  Rundgang durch die Sonderausstellung zu seinen Eindrücken, aber auch zu seinen Motiven, die ihn veranlasst haben, den Ankauf der Sammlung von Werner Bibl in Deutschland zu ermöglichen.

Museum: Herr Grohmann, was hat Sie als Amerikaner eigentlich veranlasst, den Ankauf der  Sammlung Bibl für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe zu ermöglichen? Sie hätten die Sammlung doch sicherlich auch in Ihrem Museum in Milwaukee präsentieren können.

Dr. Grohmann: Ich arbeite schon länger mit Prof. Klaus Türk (Professor an der Bergischen Universität Wuppertal, Experte für die Geschichte der Arbeit; Anm. des Museums) zusammen, der mir auch den Kontakt zu Werner Bibl verschafft hat. Ich wollte die Sammlung Bibl in Europa belassen, weil dieses Kunstgenre in Europa in der Zeit zwischen 1850 und 1950 sehr stark vertreten war, und deshalb bin ich der Meinung, dass eine solche Sammlung und ihre museale Präsentation in Deutschland sehr wünschenswert ist. Es ergänzt aber sehr gut meine Sammlung von Arbeiterskulpturen im Grohmann Museum, und zusammen haben wir sicherlich gut zwei Drittel der bedeutendsten Arbeiterskulpturen, die in Deutschland, Frankreich, Belgien und einigen anderen europäischen Ländern hergestellt wurden, zusammen gestellt.

Museum: Wir präsentieren erstmalig in Deutschland am Weltkulturerbe Rammelsberg einen großen Teil, genauer gesagt 91 Skulpturen, aus der Sammlung Bibl. Wie gefällt Ihnen die Präsentation in der Sonderausstellung „Hard Work“?

Dr. Grohmann: Großartig! Da haben sie wirklich Pionierarbeit geleistet. Die Präsentation der Arbeiterskulpturen vor den rostigen Wänden der Eindicker gibt den Figuren eine ganz besondere Aura. Hard Work – die Darstellung der Arbeit durch die Skulpturen wird an einem Ort ausgestellt, an dem ursprünglich harte Arbeit geleistet wurde. Die Auswahl an Skulpturen, die sie getroffen haben, zeigt Jugendlichen und Kindern sehr eindrucksvoll, wie harte Arbeit früher einmal ausgesehen hat und unter welchen Belastungen Menschen in bestimmten Berufsgruppen gelitten haben.

Museum: Welche Eindrücke nehmen Sie aus der Ausstellung mit?

Dr. Grohmann: Mich hat die Lichtsetzung in der Ausstellung an vielen Stellen beeindruckt. Da haben Sie natürlich mit den fensterlosen Räumen der Eindicker große Vorteile. Aber beeindruckend fand ich auch von Inszenierungen in der ersten Etage (Schwerspatraum). Der Aufbau der Schmiedeskulpturen auf der alten Werkbank mit der großen Reproduktion des Bildes des dänischen Malers Peder Severin Kroyer „Drei Schmiede in Hornbeck“  im Hintergrund. Dieser Kontrast von Skulpturen, den leuchtenden Farben des Bildes und der alten Werkbank aus der Schlosserei des Erzbergwerks Rammelsberg – eine tolle Inszenierung.

Skulpturen auf der Werkbank - Inszenierung Arbeiterskulpturen in der Ausstellung "Hard Work"

Museum: Herr Grohmann, was bedeutet es für Sie, erstmals in Ihrer alten Heimat eine große Ausstellung mit Arbeiterskulpturen, die Sie im Grohmann-Museum in Milwaukee ja schon länger museal präsentieren, jetzt auch in Deutschland zu sehen?

Dr. Grohmann: Na, ich denke es ist zunächst ein schöner Abschluss und sicherlich auch noch einmal ein Höhepunkt einer turbulenten Zeit. Zunächst hat Werner Bibl in kurzer Zeit seine Sammlung komplettiert, dann haben wir mit Prof Klaus Türk schnell einen schönen Katalog zu der Sammlung Bibl erstellt, den Sie auch hier am Weltkulturerbe Rammelsberg im Museumsshop verkaufen. Schließlich haben wir es durch die gemeinsame Initiative der Milwaukee School of Engineering und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe geschafft, die Sammlung in Deutschland zu halten und jetzt diese phantastische Präsentation eines großen Teils der Arbeiterskulpturensammlung in den Räumen des Weltkulturerbes Rammelsberg. Ich hoffe, die Ausstellung „Hard Work“ ist der Auftakt zu weiteren Ausstellungen mit Arbeiterskulpturen in Deutschland. Das wäre mein Wunsch für die Zukunft.

Museum: Herr Dr. Grohmann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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