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Abenteuer-Tour im Rammelsberg – eine Grenzerfahrung

Stille umfängt uns, Stille und absolute Dunkelheit. In dem alten Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar am Harz stehen wir in einer ehemaligen Radstube. Das zumindest sagte uns unser Begleiter, der Grubenführer Westermann. Hier drehte sich vor Jahrhunderten ein Wasserrad und trieb die Pumpen an, die die Grube wasserfrei halten sollten. Das Rad ist nicht mehr vorhanden, doch das Wasser hören wir noch immer. Zwar ist es nur ein Tröpfeln, doch das scheint immer lauter zu werden, je länger unser Schweigen dauert. Das erste Wort, das dann erklingt und das Aufleuchten einer Grubenlampe wirken fast wie eine Erlösung.

Wir haben die Abenteuer-Tour im Goslarer Besucherbergwerk gebucht, weil wir etwas Besonderes unternehmen wollten und uns das Angebot des Weltkulturerbes Rammelsberg als Alternative zu einer leicht verregneten Harzer Urlaubswoche gerade recht kam. Acht Personen sind wir insgesamt, die sich zusammen mit zwei Grubenführern durch die engen Stollen arbeiten. Die Eindrücke in der Radstube sind intensiv, doch was uns bald darauf erwartet, das raubt uns den Atem. Von Bildern her waren wir bereits auf einen bunten Rathstiefsten Stollen eingestellt, nicht aber auf die Farbenpracht, die uns schon nach wenigen Metern in diesem 800 Jahre alten Stollen umfängt. Unterschiedliche Metallsalze schimmern in allen Farben des Spektrums. Man ist versucht sie zu berühren, doch das, sagt unser Begleiter, sollten wir zum Schutz dieser fragilen Ablagerungen tunlichst unterlassen.

Rathstiefster Stollen – Abenteuertour

Rathstiefster Stollen – Abenteuertour

Weiter geht es, hinein in einen alten Abbau und in eine Suchstrecke, zu deren äußerstem Ende wir nur einzeln gelangen, auf den Knien hinein und rückwärts ebenso heraus. Mit der Zeit nehmen wir die Farbe unserer Umgebung an, schieferiges Grau und erdiges Ocker. Nur gut, dass wir mit Grubenzeug und Geleucht ausgestattet sind. Es geht über glitschige Bohlen, unter denen das Wasser plätschert, das noch heute auf diesem Weg ins Freie läuft, und etliche Male schon fand ein Tropfen von oben seinen Weg zwischen Helm und Kragen in meinen Nacken. Was soll’s, die Abenteuerlust treibt uns voran, ganz so als seien wir die ersten Menschen seit Jahrhunderten, die diesen abgelegenen Bereich erkunden, mondweit entfernt von Auto, Fernseher und einer warmen Suppe.

Eine Suppe ist es nicht, die uns nach fast vier Stunden in einem höher gelegenen (und beheizten!) Grubenraum empfängt, sondern ein so genanntes Schärpermahl mit frischem Brot, Wurst und Harzer Käse. Eigentlich nichts für uns bewegungsarme Bürojobber, aber nach dieser Tour gerade das Richtige.

Nachdem wir uns wieder umgekleidet haben, kommt uns die Tour fast ein wenig surreal vor. Haben wir das wirklich erlebt? Wahrscheinlich schon, denn die Bilder unserer Fahrt im Rammelsberg stehen uns noch nach Wochen in satten Farben vor Augen. Und dann fühlt es sich an, als habe sich ein kleiner Wassertropfen in meinen Nacken verirrt.

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